Finanzen + Vorsorge Die Kalte Progression gehört abgeschafft!

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Steuern, Geld, Finanzamt

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Die Debatte um den Abbau der kalten Progression ist wieder voll entbrannt. Unternehmerin Marie-Christine Ostermann meint: Das Ende dieser versteckten Steuererhöhung ist längst überfällig! Denn nicht nur für Arbeitnehmer sei es frustrierend, dass der Staat zusätzliches Einkommen einkassiert - sondern auch für Firmenchefs.

Wolfgang Schäuble signalisiert Offenheit für den Abbau der kalten Progression. Das Ende dieser versteckten Steuererhöhung ist längst überfällig. Denn vor allem die Arbeitnehmer mit mittleren Einkommen werden hier zu stark belastet.

Wenn ich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Lager für besonders gute Leistungen zum Beispiel beim Packen der Kundenaufträge eine Prämie bezahlen möchte, so lehnen viele Mitarbeiter diese Zusatzprämie ab. Als ich mit einem Mitarbeiter darüber gesprochen habe, lautete seine Begründung: die Prämie lohnt sich für ihn nicht! Denn durch die kalte Progression muss der Arbeitnehmer bei einer Gehaltserhöhung mehr Steuern zahlen, weil er in eine höhere Steuerstufe rutscht. Doch die Inflation frisst gleichzeitig einen Teil des Lohnanstiegs wieder auf. Somit bleibt unterm Strich nichts von der Lohnerhöhung für ihn übrig. In manchen anderen Fällen kann das real verfügbare Einkommen durch die Lohnsteigerung sogar sinken.

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Für meine Arbeitnehmer ist es frustrierend, dass sie für ihre Leistung nicht belohnt werden können und der Staat sich ihr zusätzlich verdientes Einkommen einfach nimmt. Für mich als Unternehmerin ist es frustrierend, dass finanzielle Leistungsanreize zur Verbesserung der Leistung der Mitarbeiter nicht wirken können. Finanzielle Leistungsanreize sind sicher nicht alles. Auch ein gutes Betriebsklima und gute innerbetriebliche Rahmenbedingungen sind in unserem Unternehmen wichtig.

Dennoch möchte ich meine Mitarbeiter auch finanziell belohnen können. Gerade unsere Lager-Mitarbeiter können einen zusätzlichen Verdienst gut für sich und ihre Familien gebrauchen. Es ist nicht fair, dass ihnen der Staat von jedem Euro, den sie mehr verdienen, überproportional mehr wegnimmt und die Inflation bei der Steuererhöhung nicht berücksichtigt.

„Eine der größten steuerlichen Ungerechtigkeiten“

Es ist längst überfällig, eine der größten steuerlichen Ungerechtigkeiten abzuschaffen. In Zeiten der höchsten Steuereinnahmen, die der deutsche Staat jemals zu verzeichnen hatte, sollte die Große Koalition endlich den Arbeitnehmern etwas zurückgeben, die die Rekordsteuereinnahmen gemeinsam mit den Unternehmen erwirtschaftet haben. Steuern und Abgaben fressen einen zu großen Teil der Löhne auf. Und die Einkommenssteuerbelastung ist hoch genug.

Würde sich die Leistung der Arbeitnehmer wieder mehr lohnen, würden durch noch motiviertere Mitarbeiter mit noch besseren Leistungen sicherlich noch mehr Steuereinnahmen in die Staatskassen gespült. Auch die Binnennachfrage könnte steigen, da den Arbeitnehmern dann mehr Geld für Ausgaben zur Verfügung steht.

Einem Abbau der Kalten Progression stehen keinerlei überzeugende Gründe im Weg. Die notwendige Gegenfinanzierung kann durch eine Streichung von Subventionen und durch effizienteres Handeln des Staates erreicht werden. Dafür ist Tatendrang, Konsequenz und Durchsetzungsvermögen nötig. Herr Schäuble sollte sich nicht nur für den Abbau der Kalten Progression offen zeigen, sondern diese versteckte Steuererhöhung endlich abschaffen.

 

1 Kommentar
  • Jörg Rosenthal 30. April 2014 16:29

    Das Argument mit der Inflation verstehe ich nicht. Inflation tritt doch nicht erst in Zusammenhang mit einer Lohnerhöhung negativ in Erscheinung.
    Außerdem ist es ja nicht grundsätzlich so, dass jede Lohnerhöhung zu einer Einkommenssenkung führt. Für mich klingt das eher nach einer Ausrede keine höheren Löhne zahlen zu wollen. Natürlich will ich keine Steuern verteidigen, denn die mag ich auch nicht, aber wenn Mitarbeiter Geld für ihre Familien brauchen, liegt das allem voran an zu niedriger Bezahlung.

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