Digitaler Nachlass Wer erbt meine E-Mails?

Im Todesfall ist ein geregelter digitaler Nachlass oft ebenso wichtig wie ein Testament für Sachgegenstände.

Im Todesfall ist ein geregelter digitaler Nachlass oft ebenso wichtig wie ein Testament für Sachgegenstände.© kartos/Fotolia

Die meisten Unternehmer regeln frühzeitig ihr Erbe, der digitale Nachlass jedoch wird oft vergessen. So klären Sie, was nach dem Tod mit E-Mails, sozialen Netzwerken und Dateien in der Cloud passiert.

Das Haus? Bekommt die Frau. Die Firmenanteile? Die Kinder. Aber wer bekommt die Passwörter und den Zugang für E-Mail-Konten, Cloud-Speicher, Facebook und Xing? Und kann der digitale Nachlass überhaupt im Testament geregelt werden?

Fragen, auf die viele keine Antwort wissen: Neun von zehn Internetnutzern (93 Prozent) haben sich bisher nicht um ihren digitalen Nachlass im Internet gekümmert. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Dabei würden es 78 Prozent gerne tun, fühlen sich aber nicht ausreichend informiert. Trivial ist die Vorsorge für den digitale Daten nicht: „Neben Profilen in sozialen Medien oder persönlichen E-Mails enthält der digitale Nachlass oft auch wichtige Daten zu Versicherungen oder Geldanlagen“, sagt Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder.

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Keine gesetzliche Regelung für digitalen Nachlass

Anders als bei Sachgegenständen gibt es noch keine gesetzlichen Regelungen für den digitalen Nachlass. Erben bekommen im Todesfall nicht automatisch Zugang zu den Online-Konten des Verstorbenen. Deshalb sollte jeder Nutzer schriftlich festhalten, wie und durch wen nach dem Tod seine digitalen Daten verwaltet oder ob die Daten gelöscht werden sollen. Diese Anweisungen sollten in einem Testament oder in einer Vollmacht festgehalten werden. Darauf sollten Sie beim digitalen Nachlass achten:

Digitaler Nachlass: Das gilt für Datenträger, E-Mails und soziale Netzwerke

Persönliche Informationen auf Datenträgern
Wenn im Testament nichts anderes geregelt ist, werden die Erben Eigentümer aller Gegenstände des Verstorbenen, also auch von Computern, Smartphones oder lokalen Speichermedien wie externen Festplatten. Damit dürfen sie die dort gespeicherten Daten auch uneingeschränkt lesen. Deshalb sollte man die Entscheidung, ob die Hinterbliebenen nach dem Tod Einblick in die digitale Privatsphäre haben, zu Lebzeiten treffen. So kann ein Notar oder Nachlassverwalter unter Umständen entsprechende Dateien oder ganze Datenträger vernichten lassen.

E-Mail-Konten und Cloud-Speicher
Hinterbliebene erben nicht nur Sachwerte, sondern treten auch in die Verträge des Verstorben ein. Beim digitalen Nachlass gelten gegenüber E-Mail- und Cloud-Anbietern in der Regel Sonderkündigungsrechte.

Bei der Onlinekommunikation gilt zugleich das Fernmeldegeheimnis, das auch die Rechte der Kommunikationspartner des Verstorbenen schützt. Wer seinen Hinterbliebenen Zugang zu seinen E-Mails verschaffen will, sollte dies zu seinen Lebzeiten regeln. Bei den meisten E-Mail- oder Cloud-Anbietern können Informationen für den Todesfall hinterlegt werden. Google etwa bietet mit dem Kontoinaktivitäts-Manager eine Art Online-Testament an: Der Nutzer kann festlegen, was geschehen soll, wenn er sich drei, sechs oder neun Monate lang nicht einloggt.

Zugangsdaten für den digitalen Nachlass können auch bei einem Notar hinterlegt werden. Aber Achtung: Notare können zusätzliche Gebühren verlangen, falls sich Angaben wie Benutzername oder Passwort zwischenzeitlich ändern.

Profile in sozialen Netzwerken
Im Todesfall eines Angehörigen sollten Hinterbliebene die Betreiber der soziale Netzwerke benachrichtigen, in denen der Verstorbene Mitglied war. Viele Anbieter verlangen die Vorlage einer Sterbeurkunde. Bei Facebook zum Beispiel können Erben die Entfernung des Nutzerkontos eines Verstorbenen beantragen oder das Profil in einen „Gedenkzustand“ versetzen. Die Profilinhalte bleiben dann erhalten und Freunde oder Familienmitglieder können in der Chronik Erinnerungen teilen.

Bei beruflichen Netzwerken wie etwa Xing wird das Profil unsichtbar geschaltet, sobald der Betreiber vom Tod eines Mitglieds erfährt. Angehörigen werde der Zugriff auf den Account jedoch nicht gestattet, gab die Xing-Pressestelle bekannt. Die personenbezogenen Daten fielen auch nach dem Tod eines Nutzers nicht an Dritte.

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