Recht + Steuern Dirk Roßmann: „Die Erbschaftsteuer schwächt Unternehmen auf Dauer“

  • Serie
Unternehmer Dirk Roßmann während der ARD-Talksendung "Günther Jauch" am 17.05.2015 zum Thema: "Unverdient reich - ist Erben gerecht?"

Unternehmer Dirk Roßmann während der ARD-Talksendung "Günther Jauch" am 17.05.2015 zum Thema: "Unverdient reich - ist Erben gerecht?"© dpa

In einer hitzigen Debatte bei "Günther Jauch" zum Thema Erbschaftsteuer trat Drogerieunternehmer Dirk Roßmann für die deutschen Familienunternehmen ein - und warnte vor den Konsequenzen der Reformpläne der Bundesregierung.

„Ich bin dafür, dass Erben besteuert wird. Aber die Unternehmen müssen wettbewerbsfähig gegen große Konkurrenten aus dem Ausland wie Amazon bleiben“, sagte Drogeriemarkt-Chef Dirk Roßmann in der Talk-Show „Günther Jauch“ mit dem Thema „Unverdient reich – ist Erben gerecht?“.

In der Diskussion über das Thema Erbschaftsteuer wüssten viele nicht, dass sich die Steuer von 30 Prozent bei Unternehmen auf deren Verkehrswert niederschlage, also letztendlich ein Vielfaches des Jahresgewinns ausmachen würde, sagte Roßmann. So kämen etliche Firmen in Schwierigkeiten. „Eine Firma geht vielleicht durch die Steuerlast nicht sofort pleite, aber die Auswirkungen schwächen das Unternehmen auf Dauer: Es bekommt weniger Kredite von Banken, muss Mitarbeiter entlassen und vielleicht verkaufen – das wird in den Medien nicht thematisiert!“

Anzeige

Roßmann argumentierte, es sei auch ein gesellschaftlicher Wert, eine Firma über Generationen aufrecht zu erhalten. Es ginge nicht nur um Geld. „Es kann nicht sein, dass wir den Kindern mit der Erbschaftsteuer die Chance nehmen, die Unternehmen weiterzuentwickeln“, gab Roßmann zu bedenken. Neben dem Drogeriemarkt-Chef waren bei Günther Jauch unter anderem die Journalistin und Buchautorin Julia Friedrichs („Wir erben. Was Geld mit Menschen macht.“) und Armutsforscher Christoph Butterwegge zu Gast.

Erbschaftsteuer: Was das Bundesverfassungsgericht fordert

Wirtschaftsverbände und Familienunternehmen laufen seit Wochen Sturm gegen die vom Bundesverfassungsgericht geforderten neuen Regeln zur Verschonung von Firmenerben. Aus Sicht der Verfassungsrichter darf der Staat Firmenerben gegenüber anderen Erben durchaus privilegieren, wenn sie das Unternehmen eine Zeit lang fortführen und Arbeitsplätze erhalten. Karlsruhe fordert aber, dass bei größeren Unternehmen Firmenerben nur dann verschont werden dürfen, wenn sie in einer Bedürfnisprüfung nachweisen, dass sie die Steuer nicht verkraften.

Nach den bisherigen Plänen der Bundesregierung soll diese Bedürfnisprüfung ab einem Wert von 20 Millionen Euro je Erbfall greifen. Auch das Privatvermögen eines Erben soll zur Hälfte herangezogen werden. Die Wirtschaft fordert unter anderem eine höhere Grenze.

Schon ein Unternehmen mit einem jährlichen Gewinn von etwa 1,1 Millionen Euro habe so einen Wert von mehr als 20 Millionen Euro, rechnen Wirtschaftsverbände vor. Die Einbeziehung des Privatvermögens sei „weder gerecht noch ökonomisch sinnvoll“, kritisieren sie. Zumal Privatvermögen bei inhabergeführten Familienunternehmen häufig gebunden sei – für Bürgschaften oder Sicherheiten.

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.