Recht + Steuern Es bleibt in der Familie

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Zehntausende Firmen suchen in den kommenden Jahren einen Nachfolger.

Zehntausende Firmen suchen in den kommenden Jahren einen Nachfolger.© mangostock - Fotolia.com

Streit vermeiden, die Zukunft sichern, Steuern sparen. Egal wie groß das Unternehmen ist: Wenn die familieninterne Nachfolge ansteht, sollten Kinder und Eltern diese Fragen rechtlich klären.

Schritt 1

Stellen Sie zunächst den Unternehmenswert fest, damit alle Beteiligten genau einschätzen können, worauf sie sich finanziell einlassen. Dafür gibt es keine pauschale Formel und kaum rechtlich verbindliche Vorgaben. Für eine fundierte Bewertung braucht ein Experte rund eine Woche, die Kosten liegen bei 6000 bis 8000 Euro.

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Schritt 2

Legen Sie die Aufteilung der Anteile unter der Familie fest. „Ein Nachfolger sollte mindestens 51 Prozent der Anteile erhalten – damit die Machtverhältnisse klar sind“, rät Bernd Rüegg, geschäftsführender Gesellschafter der M+A Rüegg Mittelstandsberatung. „Ich rate dringend zu einem Gesellschaftsvertrag, der über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgeht und der neuen Situation exakt angepasst wird.“ Je mehr Details vorgegeben werden, desto weniger Potenzial besteht für Streit.

Schritt 3

Beide Parteien müssen sich für eine Form der Unternehmensnachfolge entscheiden. Möglich sind:

 


 

Vorweggenommenes Erbe (Schenkung)

Das Unternehmen geht unentgeltlich an den voraussichtlichen Erben über. Erhält nur ein Kind das Unternehmen, muss der Nachfolger mit Ausgleichszahlungen an seine Geschwister rechnen. Wie hoch diese sind, legt der Senior im Erb- bzw. Schenkungsvertrag fest. „Erfahrungsgemäß will er sein Vermögen möglichst gerecht aufteilen. Gerade in kleinen Unternehmen ist das aber schwierig“, sagt Rüegg. Neben dem Betrieb, den er an das eine Kind vererbt, gibt es in der Regel kaum Vermögensmasse. Eine Möglichkeit: Ausgleichszahlungen an Geschwister werden nicht am Stück gezahlt, sondern in Raten. Eine andere: Ein Kind erbt den Betrieb, das andere erhält dafür die Immobilie. „Bei dieser Betriebsaufspaltung lauern allerdings rechtliche und steuerliche Fallen“, warnt Rüegg. Für den Senior entsteht durch eine Schenkung kein Veräußerungsgewinn, den er versteuern muss. Für den Nachfolger gilt: Wenn er sieben Jahre die Zahl der Mitarbeiter und die Lohnsumme stabil hält, fällt keine Erbschaftsteuer an. Das Bundesverfassungsgericht hat diese Regelung zwar gekippt, dem Gesetzgeber aber bis Mitte 2016 Zeit gelassen, sie zu ändern.

Verkauf gegen Renten oder Raten

Der Junior zahlt die vereinbarte Summe in Teilen. „Dadurch kann er unter Umständen eine Kreditfinanzierung umgehen, die Belastung bleibt überschaubar“, sagt Rüegg. „Allerdings ist der Senior vom Erfolg des Nachfolgers abhängig.“ Deshalb sollte er seine Forderungen unbedingt absichern, zum Beispiel durch eine Immobilie: Sie ist zwar Teil der Verkaufsmasse, im Falle einer Insolvenz bekommt der Senior sie aber zurück. Der Verkäufer kann auch das maximale Gehalt oder die maximale Gewinnausschüttung des Nachfolgers festlegen. An diesen Beispielen sieht man: Bei Raten und Absicherung hat der Verkäufer weitgehend freie Hand.

Verkauf gegen Einmalzahlung

Der Nachfolger zahlt die gesamte Kaufsumme und erhält damit alle Rechte und Pflichten. Der Senior hat damit keinen Einfluss auf die weitere Geschäftsführung.

 

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