Recht + Steuern EU-Urteil öffnet Weg für Markenschutz der Apple Stores

Der Apple-Store am Jungfernstieg in Hamburg

Der Apple-Store am Jungfernstieg in Hamburg© Apple

Apple startete vor über 13 Jahren ein Netz eigener Läden mit unverwechselbarem Design - damals ein Novum für Technik-Konzerne. Jetzt ist Apple dem Markenschutz des Konzepts näher gerückt, von dem sich auch Rivalen inspirieren lassen.

Mit der Entscheidung der EU-Richter von Donnerstag kommt Apple dem Schutz seiner Läden vor Nachahmern ein gutes Stück näher. Die über 400 Apple Stores mit ihrem markanten Aussehen verkörpern die in Glas, Stein und Holz gepresste Design-Philosophie des iPhone-Konzerns.

Dieses Apple-Erlebnis hat sich der Konzern in den USA bereits 2010 schützen lassen, als „Einzelhandelsdienstleistungen (…) und darauf bezogene Produktdemonstrationen“. Die bunte Zeichnung, die das Unternehmen dazu einreichte, steht also für mehr als das Auge sieht. „Es geht hier um mehr als den reinen Verkauf. Die Firma Apple stellt ein Produktsortiment bereit und Verkaufspersonal, das hierzu sehr gut beraten kann“, erklärt Markenrechts-Anwalt Jens Matthes von der Kanzlei Allen & Overy LLP in Düsseldorf.

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„Die eingetragene Abbildung ist nicht selbst schon die Marke, sondern sie kommuniziert mir, was als Marke gemeint ist“, sagt Matthes. Zweifel hegt er indes daran, ob das kleine Bildchen detailliert genug ist, um wirklich stellvertretend den Gesamteindruck eines Apple-Ladens zu vermitteln.

Apple-Läden steuern ein Zehntel zum Gesamterlös bei

Dass das Konzept hinter der Zeichnung für Apple aufgeht, belegen die Geschäftszahlen. Die speziellen Läden brachten zuletzt gut ein Zehntel der Apple-Erlöse ein. In den USA macht kein anderer Einzelhändler mehr Umsatz pro Quadratmeter – Juweliere inklusive.

Heute gelten die Apple Stores deshalb als Erfolgsmodell, dem Rivalen wie Microsoft und Samsung mit ähnlich aufgebauten eigenen Läden folgen. Als Apple vor über einem Jahrzehnt seine ersten Läden eröffnete, schlug dem Konzern noch viel Skepsis entgegen. Jobs musste zur Jahrhundertwende sogar Widerstände im eigenen Verwaltungsrat überwinden. Zu der Zeit waren Elektromärkte im Aufwind, der Computerkonzern Gateway scheiterte gerade mit eigenen Läden in günstigen Lagen am Stadtrand. Und da hielt es der Apple-Chef für eine gute Idee, große „Flagship Stores“ auf teueren Flächen in den Innenstädten zu eröffnen? Der charismatische Firmengründer rang seinen Aufsehern dennoch die Erlaubnis ab, es im kleinen Rahmen zu versuchen.

„Er wollte nicht, dass ein iMac in einem Regal zwischen Modellen von Dell und Compaq steckt und ein schlecht informierter Verkäufer die technischen Details der Geräte durchrattert“, schrieb Jobs-Biograf Walter Isaacson 2011. Jobs schwebten dagegen Läden vor, die seinen Design-Idealen entsprachen: Einfachheit, klare gerade Linien, nichts überflüssiges. Statt Kassen bekamen die Verkäufer mobile Geräte, der zuständige Apple-Manager Ron Johnson erfand eine „Genius Bar“ mit technisch versierten Kundenberatern.

Erste Apple-Entwürfe erinnern an Gravis-Filialen

Was wenig bekannt ist: Jobs und seine Designer orientierten sich damals beim Entwurf des ersten Apple Stores in bestimmten Details auch an einem Shop in Deutschland in der ostwestfälischen Provinz – auch wenn das in keiner Apple-Chronik zu lesen ist. In Bielefeld hatte das Berliner Handelsunternehmen Gravis Ende der 90er Jahre einen ersten „Gravis Shop 2.0“ mit einer außergewöhnlichen Inneneinrichtung eröffnet. Das fiel auch den Trendscouts aus Kalifornien auf. Apple-Partner Gravis erhielt 1999 aus Cupertino die Auszeichnung „Shop des Jahres“. „Unsere Möbel entsprachen damals exakt dem, was sie heute in einem Apple Store vorfinden“, sagte der ehemalige Gravis-Chef Archibald Horlitz in einem Interview.

Beim Patenschutz für seine Stores ist Apple noch nicht am Ziel: „Ob diese konkrete Marke nun wirklich eintragungsfähig ist, muss das Bundespatentgericht entscheiden“, erklärt Markenrechtler Matthes.

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