Recht + Steuern Ex-Porsche-Chef auf der Anklagebank: Für Wiedeking wird es ernst

Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (Archivbild, 2013)

Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (Archivbild, 2013)© dpa/picture-alliance

Jahrelang hatte die Staatsanwaltschaft den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wegen des VW-Übernahmekrimis im Visier. Nun drohen dem Manager Konsequenzen: Er muss sich vor Gericht verantworten.

Als Porsche-Chef führte Wendelin Wiedeking den Sportwagenbauer aus der Krise zu immer neuen Rekorden. Er gehörte zu den erfolgreichsten Managern des Landes – bis er sich verhob. Sein Versuch, den Wolfsburger Volkswagen-Konzern zu übernehmen, scheiterte und Wiedeking geriet ins Visier der Staatsanwaltschaft. Nun ist klar: Er muss sich vor Gericht verantworten. Fragen und Antworten:

Worum geht es?

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Vereinfacht gesagt geht es um die Folgen von Porsches missglücktem Übernahmeversuch von Volkswagen. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage gegen Wiedeking und den damaligen Finanzvorstand Holger Härter erhoben, weil sie den Finanzmarkt zwischen 2007 und 2009 nicht ausreichend über Porsches Pläne zum VW-Einstieg informiert haben sollen. Die Behörde wirft den Managern deswegen Marktmanipulation vor. Wiedeking und Härter wiesen die Vorwürfe stets zurück.

Warum sollen sie deswegen nun vor Gericht kommen?

Das Stuttgarter Oberlandesgericht hält eine Verurteilung nicht für unwahrscheinlich. Zudem erhofft sie sich wertvolle Erkenntnisse aus einem Prozess, die aus den schriftlichen Unterlagen nicht hervorgehen. Das Landgericht, das eine Verurteilung bei einer ersten Prüfung seinerseits für unwahrscheinlich gehalten hatte, muss den Fall nun verhandeln.

Hat die jüngste Entwicklung Einfluss auf andere Fälle?

Möglicherweise schon. Die Staatsanwaltschaft hat neben den beiden Vorständen den gesamten früheren Aufsichtsrat der Porsche SE im Visier: wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Marktmanipulation. VW-Patriarch Ferdinand Piëch, dessen Cousin Wolfgang Porsche und Porsches Betriebsratschef Uwe Hück ließen die Vorwürfe von Porsche SE zuletzt jedoch zurückweisen.

Worüber gibt es noch Streit vor Gericht?

Zahlreiche Investoren haben die Porsche Holding SE mit Klagen überzogen. Porsches früherer Finanzchef Härter wurde im Zusammenhang mit dem Übernahmeversuch bereits zu einer Geldstrafe von 630.000 Euro wegen Kreditbetruges verurteilt.

Was hat der Sportwagenbauer Porsche selbst damit zu tun?

Beim Namen Porsche denken die meisten zuerst an die Stuttgarter Sportwagenschmiede. Die hat mit den Klagen aber nicht direkt etwas zu tun. Die Vorwürfe richten sich gegen die Dachgesellschaft Porsche SE, zur Zeit der Übernahmeschlacht gehörte das operative Geschäft des Sportwagenbauers aber noch zu dieser Holding. Neben der Porsche AG war die Holding auch damals schon an Volkswagen beteiligt. Um den Ausbau dieser Beteiligung geht es in den Rechtsstreitigkeiten.

Wie ging die Geschichte damals aus?

Die Porsche SE scheiterte bei dem Versuch, sich die Macht bei VW zu sichern. Im August 2012 verleibte sich stattdessen Volkswagen den Sportwagenbauer, der bis dahin unter dem Dach der Porsche SE war, komplett ein. Die PSE profitiert über die Beteiligung an Volkswagen aber von den Erfolgen der Sportwagenschmiede.

Und was macht Wiedeking mittlerweile?

Gut im Geschäft ist der 61-Jährige noch immer. Zuletzt gründete er etwa die Restaurant-Kette Tialini, die italienische Küche anbietet. In seiner westfälischen Heimat Beckum gehört ihm ein Lokal. Neben Aktivitäten im Immobilienbereich sitzt er auch im Aufsichtsrat der PR-Agentur des ehemaligen «Bild»-Chefredakteurs Hans-Hermann Tiedje.

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