Recht + Steuern Firmenwagen: Steuern sparen durch neues Reisekostenrecht

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Mit den richtigen Tipps können Freiberufler mit einem separaten Gewerbe Steuern sparen.

Mit den richtigen Tipps können Freiberufler mit einem separaten Gewerbe Steuern sparen.© Isabell Klett

Neues Reisekostenrecht: Wie sich mit dem privat genutzten Firmenwagen Steuern sparen lassen.

Ob Unternehmer, Facharbeiter oder Azubi: Für die Steuer hatten sie bisher eine „regelmäßige Arbeitsstätte“, nun bekommen sie vom Betrieb eine „erste Tätigkeitsstätte“ zugeordnet. So verlangt es das neue Reisekostenrecht.

Dies ist wichtig für die Abrechnung der Kosten von Geschäfts- und Dienstreisen mit dem Finanzamt. Es bietet aber auch Gestaltungsspielraum bei der Nutzung von Firmenwagen. Wer ihn ausschöpft, spart oft ein paar Tausend Euro Einkommensteuer. Davon profitieren können vor allem Unternehmer, angestellte geschäftsführende Gesellschafter (GmbH-Chefs) sowie mitarbeitende Familienangehörige mit Arbeitsvertrag. Sie nutzen das Auto durchweg auch für Privatfahrten und versteuern dafür pro Monat ein Prozent des Bruttolistenpreises der Firmenlimousine. Hinzu kommen 0,03 Prozent des Listenpreises pro Fahrtkilometer zwischen Wohnung und Betrieb – eben der „ersten Tätigkeitsstätte“. Wo die liegt, können Unternehmer, GmbH-Chefs oder angestellte Angehörige frei festlegen, allerdings nicht willkürlich. Etwa durch Ergänzung des Arbeitsvertrags oder für den Unternehmer durch einen Vermerk in den Steuerunterlagen.

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Von diesem Recht sollten die betreffenden Personen schnell Gebrauch machen, wenn sie üblicherweise an mehreren Firmenorten im Einsatz sind, etwa am Hauptsitz, in Verkaufsniederlassungen, Produktionsstätten oder Büros. Denn für Privatfahrten mit dem Firmenwagen gilt: Je kürzer die Strecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, desto größer die Steuerersparnis. Sobald alles geregelt ist, kann der Unternehmer seine Vorauszahlungen reduzieren lassen, und für den GmbH-Chef steigt das monatliche Nettogehalt.

Beispielrechnung:
Ein GmbH-Unternehmer fährt einen Firmenwagen für 70 000 Euro (Bruttolistenpreis). Privatfahrten rechnet er pauschal ab: Monatlich ein Prozent vom Bruttolistenpreis plus 0,03 Prozent je Entfernungskilometer für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb (erste Tätigkeitsstätte). Er arbeitet pro Woche an vier Tagen am Hauptsitz der Firma (60 km von der Wohnung entfernt) und an einem Tag in einer Filiale (12 km von der Wohnung entfernt). Ist die Filiale erste Tätigkeitsstätte, sinkt die Steuerlast.

* 30 Cent pro Kilometer an z.B. 176 Tagen ** 30 Cent pro Kilometer an z.B. 44 Tagen

Hauptsitz als erste Tätigkeitsstätte
Bemessungsgrundlage
Privatnutzung* 8 400 Euro
Fahrten Wohnung – Betrieb 15 120 Euro
Gesamt 23 520 Euro
Minus Werbungskosten* 3 168 Euro
Zu versteuern 20 352 Euro
Steuer 8 548 Euro
Filiale als erste Tätigkeitsstätte
Bemessungsgrundlage*
Privatnutzung 8 400 Euro
Fahrten Wohnung – Betrieb 3 024 Euro
Gesamt 11 424 Euro
Minus Werbungskosten** 158 Euro
Zu versteuern 11 266 Euro
Steuer 4 732 Euro
Steuer gespart 3 816 Euro

 

Sven Müller, BDO Sven Müller ist Steuerberater bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO in Hamburg.

 

1 Kommentar
  • Christoph Simons 14. Januar 2015 15:49

    Derweil stürzen sich die jungen wilden in Berlin auch auf das Thema Fahrtendokumentation. Der neueste Wurf: Ein angebliches „Steuerspargerät“, das Fahrzeug und Handy zum Zwecke des Steuersparens verknüpft.

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