Recht + Steuern Formel-1-Boss Ecclestone muss sich wegen Korruption verantworten

Formel-1-Boss Ecclestone kämpft um sein Lebenswerk. Vor dem Münchner Landgericht muss er sich wegen Bestechung eines Bankers beim Formel-1-Verkauf verantworten. Der 83-Jährige will den Richtern seine Unschuld beweisen.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone muss sich seit Donnerstag wegen Bestechung in Millionenhöhe vor dem Münchner Landgericht verantworten. Mit wenigen Minuten Verspätung betrat der 83-jährige Brite am Morgen den Gerichtssaal. Die Staatsanwaltschaft wirft Ecclestone vor, dem früheren Vorstand der bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, beim Verkauf der Formel-1-Mehrheit 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld gezahlt zu haben. Damit wollte er nach Überzeugung der Ankläger Einfluss auf den neuen Besitzer der Rennserie nehmen und seine Macht an der Spitze sichern.

Ecclestone hatte die Vorwürfe bestritten und betont, er wolle in dem Prozess seine Unschuld beweisen. Für ihn steht viel auf dem Spiel: Unter seiner Führung ist die Formel 1 in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Milliardengeschäft geworden, bei dem er bestens mitverdient hat. Nachdem er schon im Kindesalter seinen Geschäftssinn entdeckt und gepflegt hatte, brachte es Ecclestone vom Gebrauchtwagen-Händler zum Milliardär.

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Für den Prozess gegen den Formel-1-Boss sind zunächst 26 Prozesstage bis September geplant. Als Angeklagter muss er an allen Tagen persönlich nach München kommen, darf das Gericht aber nach den Verhandlungen verlassen. Wichtigster Zeuge in dem Verfahren ist Gribkowsky. Er hatte vor knapp zwei Jahren vor Gericht zugegeben, 44 Millionen Dollar von Ecclestone erhalten zu haben, und war dafür zu achteinhalb Jahren Haft wegen Bestechung verurteilt worden. Bei der Urteilsverkündung hatte der Vorsitzende Richter Peter Noll gesagt, Ecclestone habe den Banker „ins Verbrechen geführt“. Seitdem war klar, dass auch Ecclestone vor Gericht landen würde.

BayernLB fordert hohen Schadenersatz von Ecclestone

Das Landgericht schloss kurz vor Prozessbeginn einen Deal zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung über das Strafmaß nicht aus. Im Moment gebe es keine Hinweise auf Absprachen zwischen den Beteiligten, sagte Gerichtssprecherin Andrea Titz. „Ausgeschlossen ist es aber nicht“, fügte sie hinzu.

Ecclestone und Gribkowsky hatten sich kennengelernt, als die Landesbank ihre Mehrheit an der Rennserie im Jahr 2006 verkaufen wollte. Gribkowsky hatte als Risikovorstand der Bank die Aufgabe, möglichst viel Geld für die Anteile herauszuholen. Ecclestone fürchtete aus Sicht der Staatsanwaltschaft bei einem Besitzerwechsel einen Machtverlust an der Spitze der Formel 1 und zahlte Gribkowsky deshalb Millionen, damit er einem bestimmten Käufer den Vorzug gibt: Ecclestones Wunschkandidaten CVC, der die Formel 1 schließlich auch für rund 840 Millionen Dollar kaufte.

Das Geld für die Zahlung an Gribkowsky soll sich Ecclestone in Form einer Beraterprovision weitgehend von der BayernLB zurückgeholt haben. Der Landesbank ist dadurch laut Anklage ein Schaden von umgerechnet knapp 35 Millionen Euro entstanden. Die Bank fordert aber noch weit mehr Schadenersatz von Ecclestone, weil sie davon ausgeht, dass sie ohne die Absprachen zwischen ihm und Gribkowsky wesentlich mehr für ihre Anteile an der Formel 1 bekommen hätte.

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