Recht + Steuern Online-Fernsehen bald auch im Urlaub?

Aufgrund von Geoblocking können Verbraucher ausländische Websiten oft nicht aufrufen.

Aufgrund von Geoblocking können Verbraucher ausländische Websiten oft nicht aufrufen.© Denys Rudyi - Fotolia.com

Laptop auf, Lieblingskrimi gucken - in Deutschland kann man viele Fernsehsendungen auch im Internet schauen. Doch was zu Hause klappt, funktioniert im Auslandsurlaub oft nicht. Der Grund sind geografische Sperren für Internetinhalte. Brüssel will gegen das sogenannte Geoblocking vorgehen.

Die EU-Kommission möchte gegen geografische Sperren für Internetinhalte in Europa vorgehen und wirft E-Commerce-Unternehmen wettbewerbswidrige Praktiken vor. Es gebe Hinweise, dass Firmen den elektronischen Handel über EU-Grenzen hinweg einschränkten und somit den Verbrauchern etwa durch zu hohe Preise schaden würden, so die EU-Kommission.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ihren Kommissionskollegen vorschlagen, diese Praktiken in einem Verfahren genauer zu untersuchen. Das habe Vestager auf einer Konferenz in Berlin angekündigt.

Anzeige

Das sogenannte Geoblocking verhindert, dass beispielsweise Live-Übertragungen von bestimmten Fußballspielen, Spielfilme oder Musikstreams für Nutzer aus anderen Ländern zugänglich sind. In bestimmten Fällen könnten sie aber gerechtfertigt sein, etwa wenn bestimmte Staaten Online-Glücksspiele verbieten.

Hohe Versandkosten in der EU bremst Onlinehandel

Laut EU-Kommission wächst der Onlinehandel kontinuierlich. 2014 kauften etwa die Hälfte aller Verbraucher in der EU über das Internet ein – allerdings nur 15 Prozent bei einem Händler aus einem anderen EU-Staat. „Dies weist darauf hin, dass es in der EU nach wie vor erhebliche Hindernisse für den grenzüberschreitenden elektronischen Handel gibt“, schrieb die EU-Kommission.

Hohe Versandkosten sind einer der Gründe, warum dieser Anteil nicht höher ist, nimmt Andrus Ansip an, der für den digitalen Binnenmarkt zuständige Vizepräsident der Brüsseler Behörde. Zum Vergleich: 44 Prozent der Verbraucher kauften bei Online-Shops in ihrem Heimatland ein. Ansip kündigte auch Reformen beim Urheberrecht an. Menschen müssten einen leichteren Zugang zu Kulturgütern erhalten, gleichzeitig müssten aber die Rechte von Künstlern und Autoren geschützt werden.

Grenzüberschreitenden Zugang soll erleichtert werden

Julia Reda, die für die deutsche Piratenpartei im Europaparlament sitzt und Vorschläge zur Reform des Urheberrechts veröffentlicht hat, begrüßte die Vorstöße: „Leichterer und grenzüberschreitender Zugang zu kulturellen Angeboten stärkt die kulturelle Vielfalt in der EU und schränkt sich nicht – wie von einigen Abgeordneten und Lobbyisten behauptet – ein.“

In der Frage, wie er die Einschränkungen für Online-Angebote abschaffen wolle, sei Ansip aber zu vage geblieben. Details zu seiner Strategie für einen europäischen digitalen Binnenmarkt will Ansip Anfang Mai vorlegen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.