Geschenke an Geschäftspartner So vermeiden Sie Ärger mit der Steuer

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Weinflaschen sind ein beliebtes Geschenk an Geschäftsfreunde. Sie sollte aus steuerlichen Gründer aber weniger als zehn Euro kosten.

Weinflaschen sind ein beliebtes Geschenk an Geschäftsfreunde. Sie sollte aus steuerlichen Gründer aber weniger als zehn Euro kosten.© Africa Studio - Fotolia.com

Wer Geschenke an Mitarbeiter und Geschäftspartner macht, muss aufpassen. Welche Regeln gelten - und worauf Firmen achten müssen, damit es keinen Ärger gibt.

Wer seinen Mitarbeitern oder Geschäftsfreunden eine Flasche Wein schenkt oder sie ins Fußballstadion einlädt, muss aufpassen. Denn auf den Wert dieser Geschenke muss der Empfänger in bestimmten Fällen Steuern zahlen. Für Unternehmen ist das ein Problem: Wer will schon, dass sein Geschäftspartner noch etwas an den Fiskus abdrücken muss, wenn er eingeladen oder beschenkt wird …

„Stellen Sie sich einmal vor, Sie laden einen Kunden zu einem Bundesliga-Spiel ein, haben einen schönen Abend und müssen ihm am Ende sagen: Hier ist der Beleg, du musst so und so viel versteuern“, sagt Lutz Engelsing, Steuerberater und Partner bei der Bonner Kanzlei DHPG. „Das ist total realitätsfremd.“

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Seit 2007 gilt: Wenn ein Unternehmen seinen Geschäftspartnern, Kunden oder Arbeitnehmern Geschenke macht, müssen die Empfänger diese versteuern. Doch es gibt eine Alternative: Unternehmen können die Eintrittskarte oder den Wein auch selbst versteuern – und zwar laut § 37b EStG pauschal mit einem Steuersatz von 30 Prozent (zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer). Mit der Pauschalsteuer ist die Steuerpflicht des Empfängers abgegolten.

Doch wann genau greift diese Regelung? Müssen Unternehmen tatsächlich bei allen Geschenken noch einmal 30 Prozent Steuer obendrauf zahlen, damit dem Empfänger keine Unannehmlichkeiten entstehen? Und gilt die Vorschrift auch für die Flasche Wein oder den Kugelschreiber, den man Kunden schenkt?

Das Bundesfinanzministerium hat die Vorschriften dazu nun präzisiert – und damit auch vier Entscheidungen des Bundesfinanzhofs (BFH VI R 52/11, VI R 57/11, VI R 78/12, VI R 47/12) aus jüngster Zeit berücksichtigt. Die neuen Anweisungen des Ministeriums vom 19. Mai 2015 gelten seither verbindlich für alle Finanzämter in Deutschland. „Für fast alle Unternehmen bedeutet das, dass sie künftig weniger Steuern auf Geschenke zahlen müssen als bisher“, sagt Engelsing.

 

Das gilt nach den neuen Anweisungen des Bundesfinanzministeriums:

Geschenke unter 10 Euro

Auf Geschenke, deren Anschaffungswert 10 Euro nicht übersteigt (inklusive Mehrwertsteuer!), müssen Unternehmen keine Steuern zahlen. Hier schafft das Bundesfinanzministerium mit seinem Erlass Klarheit. Aber Achtung: Kostet die Flasche Wein 11 Euro, müssen Unternehmen die Pauschalsteuer von 30 Prozent auf den vollen Betrag entrichten, wenn der Kunde dafür keine Steuern zahlen soll.

Geschenke an ausländische Geschäftsfreunde

Wer Geschäftspartner aus dem Ausland zu Events einlädt oder sie beschenkt, muss keine Pauschalsteuer darauf bezahlen (BFH, Az. VI R 57/11).

Preisausschreiben und Verlosungen

Strittig war bisher auch, was für Preisausschreiben und Verlosungen gilt. Auch hier hat das Bundesfinanzministerium nun klar gestellt: Weil der Empfänger solche Gewinne nicht versteuern muss, müssen folglich auch Unternehmen, die Preise verlosen, keine Pauschalsteuer darauf zahlen.

Stadionbesuch: Vergnügen oder Arbeit?

Und was gilt, wenn ein Unternehmen einen Kunden zum Beispiel zum Spiel von Borussia Dortmund einlädt und ein Mitarbeiter mitkommen darf (oder soll), der den Kunden betreut? „Die Frage ist: Hat der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter damit ein Geschenk gemacht? Oder zählt das als Teil der Arbeit?“, sagt Engelsing. „Der Bundesfinanzhof hat aber gesagt: Wenn Arbeitnehmer auf Veranlassung des Arbeitgebers Kunden betreuen, erfolgt der Stadionbesuch aus überwiegend eigenbetrieblichem Interesse (AZ VI R 78/12). Und dann ist das kein Geschenk an den Mitarbeiter im Sinn des §37b EstG.“ Das heißt: Das Unternehmen muss auf den Wert der Eintrittskarten ins Stadion nicht pauschal 30 Prozent an den Staat zahlen.

„Für Unternehmen besteht jetzt Rechtssicherheit bei diesen Urteilen des Bundesfinanzhofs“, sagt Engelsing. „Bisher galten sie nur für den jeweiligen Einzelfall und die Finanzämter konnten sich im Zweifel querstellen. Durch die neuen Anweisungen des Bundesfinanzministeriums und die Veröffentlichung im Bundessteuerblatt müssen alle Finanzverwaltungen die Urteile anerkennen und anwenden.“

Steuern können zurückerstattet werden

Und das sogar rückwirkend: „Die neuen Grundsätze gelten auch für alle noch offenen Fälle, also auch dann, wenn frühere Steuerbescheide noch nicht bestandskräftig sind“, sagt Engelsing. „Unternehmen können also prüfen, ob sie in dieser Zeit Streuwerbeartikel oder Geschenke an ausländische Geschäftspartner versteuert haben. Wenn ja, können sie beim Finanzamt eine Zurückerstattung einfordern.“

Wen die Regelung betrifft:

  • Die Regelung gilt grundsätzlich für alle Unternehmen, die aus betrieblichem Anlass Geschenke oder Sachzuwendungen gewähren, die zusätzlich zur ohnehin vereinbarten Leistung oder zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden. Die Geschenke müssen also in einem sachlichen und zeitlichen Zusammenhang mit einem Geschäfts- bzw. Vertragsverhältnis stehen. Zuwendungen zur Anbahnung eines Vertragsverhältnisses fallen damit beispielsweise nicht unter die Regelung.
  • Empfänger können Geschäftspartner, deren Familienangehörige, Unternehmen unterschiedlicher Rechtsformen oder Mitarbeiter der eigenen Firma sein.

Wann Geschenke künftig versteuert werden müssen:

  • Firmen müssen Zuwendungen an Geschäftspartner oder Mitarbeiter künftig nur dann selbst versteuern, wenn sie betrieblich veranlasst sind (BFH, Az. VI R 47/12) und der Empfänger sie tatsächlich versteuern muss (BFH, Az. VI R 57/11). Kommt ein Kunde also zum Beispiel aus dem Ausland, müsste er eine Flasche Wein im Wert von 20 Euro in Deutschland nicht versteuern – und das Unternehmen für die Flasche also auch keine Pauschalsteuer zahlen, wenn der Kunde keinen Ärger haben soll.
    Schenkt ein Unternehmen aber einem Kunden aus Deutschland die Flasche Wein für 20 Euro oder lädt er ihn ins Fußballstadion ein, müsste der Kunde das in seiner Steuererklärung angeben. Will das Unternehmen das verhindern, kann es auf die 20 Euro für den Wein die Pauschalsteuer von 30 Prozent bezahlen – damit entfällt die Steuerpflicht für den Kunden.

Auf was die Geschenke-Steuer gezahlt werden muss:

Als Bemessungsgrundlage gelten alle tatsächlich angefallenen Kosten für das Geschenk. Können diese nicht genau ermittelt werden, müssen sie gegebenenfalls geschätzt werden. Bei einem selbst hergestellten Produkt sind grundsätzlich die Herstellungskosten (zuzüglich Umsatzsteuer) anzusetzen.

Was Unternehmen dabei noch beachten müssen:

  • Sie müssen dem Geschenk-Empfänger mitteilen, dass sie für ihn die Steuer übernommen haben
  • Wenn Firmen sich entschieden haben, Geschenke pauschal zu versteuern, gilt das für alle Zuwendungen innerhalb eines Jahres. Unternehmen können also nicht bei dem einen Kunden sagen: „Für dich übernehme ich die Steuer – für andere Kunden aber nicht.“
  • Wenn das Geschenk als Betriebsausgabe von der Steuer abgesetzt werden kann, kann auch die Pauschalsteuer abgesetzt werden.

Für was Unternehmen grundsätzlich keine Pauschalsteuer zahlen müssen:

  • Geschäftsessen mit Kunden oder anderen Geschäftspartnern
  • Geschäftsessen mit Mitarbeitern (bis zu einem Betrag von 60 Euro)
  • Geschenke zu besonderen persönlichen Ereignissen, etwa Geburtstagen oder Hochzeiten (bis zu einem Betrag von 60 Euro brutto pro Jahr und Person)
  • Geschenke, die zum Knüpfen von Geschäftskontakten dienen (BFH, Az. VI R 47/12) – also wenn noch kein Vertragsverhältnis zwischen beiden Parteien besteht

8 Kommentare
  • iris 8. September 2015 15:10

    Wir möchten einem Geschäftspartner in Österreich anlässlich der Einweihung seines neuen Werkes ein Geschenk machen. Wir sind dort eingeladen.
    Hat dies dann keine steuerlichen Konsequenzen, da der Geschäftspartner im Ausland ist?

  • Rolf 9. Juli 2015 17:19

    Für wen gilt dann die 35 €-Regelung? Inwieweit gelten da auch die von Ihnen geschilderten Regeln?

    • Verena Bast 9. Juli 2015 18:07

      Lieber Herr Ziegler,

      die 35-Euro-Regelung gilt für die Frage, ob das Geschenk als Betriebsausgabe zählt. Geschenke an Geschäftsfreunde dürfen Unternehmer nur dann als Betriebsausgaben absetzen, wenn ihr Wert pro Person und Jahr nicht mehr als 35 Euro beträgt (§ 4 Abs. 5 Nr. 1 EStG).

      Der Artikel dreht sich hauptsächlich um einen anderen Punkt: Nämlich darum, wie sie verhindern können, dass Sie oder Ihre Geschäftspartner Ärger mit dem Finanzamt bekommen, wenn Sie Ihnen etwas schenken. Wenn Sie einem anderen Unternehmer zum Beispiel eine teure Flasche Wein schenken, müsste er diese (unter den im Artikel genannten Voraussetzungen) als Betriebseinnahme versteuern. Wollen Sie das verhindern, können Sie für ihn die Steuer zahlen – und auf den Preis der Weinflasche 30 Prozent Pauschalsteuer zahlen.

      Hilft Ihnen diese Antwort weiter?

      Herzliche Grüße aus der impulse-Redaktion

      Verena Bast

  • Karin 9. Juli 2015 14:45

    Guten Tag,
    müssten Geschenke zu besonderen persönlichen Ereignissen von Geschäftspartnern nicht auch von der Steuer befreit sein?
    Karin

    • Verena Bast 9. Juli 2015 16:36

      Liebe impulse-Leserin,

      ja, Geschenke zu besonderen persönlichen Ereignissen von Geschäftspartnern sind von der Pauschalsteuer befreit (bis zu einer Obergrenze von 60 Euro brutto pro Person und Jahr).

      Herzliche Grüße aus der impulse-Redaktion

  • Michael 9. Juli 2015 10:23

    Hallo,

    bei der Pauschalversteuerung muss neben dem Pauschalsteuersatz von 30% auch der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer beachtet werden. In unserem Unternehmen versteuern wir derartige Beträge daher mit aktuell 33,45%.

    VG
    Michael

    • Verena Bast 9. Juli 2015 11:54

      Vielen Dank, das fehlte tatsächlich noch. Ich habe das ergänzt.

      Herzliche Grüße aus der impulse-Redaktion

      Verena Bast

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