Hitzefrei Wann ist es zu heiß zum Arbeiten?

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Gut 40 Grad zeigt dieses Thermometer. Ein Recht auf Hitzefrei haben Arbeitnehmer dennoch nicht.

Gut 40 Grad zeigt dieses Thermometer. Ein Recht auf Hitzefrei haben Arbeitnehmer dennoch nicht. © vladischern / Fotolia.com

Dürfen Mitarbeiter hitzefrei machen? Ob im Büro oder in der Werkstatt, diese Frage stellen sich Arbeitgeber ebenso wie Angestellte. Diese Regeln sollten Sie kennen.

Wenn die Hitze im Büro steht, wird Arbeiten zur Qual  – zumal, wenn der Business-Dresscode lange Hemden und Hosen oder gar Jacketts vorschreibt. Auch in Werkshallen und Arztpraxen, in Taxen und Cafés: Im Sommer kommt man bei der Arbeit manchmal gehörig ins Schwitzen. Schulkinder hoffen bei Backofen-Temperaturen im Klassenzimmer auf Hitzefrei, und auch Angestellte klagen, es sei „zu heiß zum Arbeiten“. Doch was sagt der Gesetzgeber zum Thema Hitzefrei am Arbeitsplatz?

Heißer als 35 Grad darf es nicht werden

Eine Maximaltemperatur für Arbeitsräume geben die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) an.

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Dort heißt es:

„Wird die Lufttemperatur im Raum von +35 °C überschritten, so ist der Raum für die Zeit der Überschreitung ohne

  • technische Maßnahmen (z. B. Luftduschen, Wasserschleier),
  • organisatorische Maßnahmen (z. B. Entwärmungsphasen) oder
  • persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Hitzeschutzkleidung), wie bei Hitzearbeit,

nicht als Arbeitsraum geeignet. “

Heißer als 35 Grad darf es im Raum also nicht werden; auf ein Recht auf Hitzefrei kann sich allerdings selbst dann niemand berufen. Schließlich können Chefs ihre Mitarbeiter auch in ein kühleres Büro setzen – sofern es eins gibt.

Maßnahmen gegen die Hitze

Die Schutzrechte des Arbeitnehmers beginnen aber nicht erst bei 35 Grad. Ist es draußen wärmer als 26 Grad und heizt sich das Büro trotz geeignetem Sonnenschutz (etwa Jalousien) auf über 26 Grad auf, sollen „zusätzliche Maßnahmen“ ergriffen werden, heißt es in den ASR.

Übersteigt die Temperatur im Raum gar die 30-Grad-Marke, werden die Technischen Regeln sehr deutlich: Nun müssen wirksame Maßnahmen ergriffen werden. Beispielhaft aufgeführt sind hier:

  • Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen halten
  • Nachtauskühlung
  • elektrische Geräte nur bei Bedarf betreiben
  • in den frühen Morgenstunden lüften
  • Arbeitszeit verlagern
  • Bekleidungsregelungen lockern
  • Trinkwasser bereitstellen

Rechtlich nicht verbindlich – aber fast

Aber wie rechtsverbindlich sind eigentlich die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR)? Auch wenn sie die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung konkretisieren, sind sie nicht vergleichbar mit einem Gesetz oder einer Verordnung – folglich gibt es kein rechtlich verbrieftes „Recht auf Hitzefrei“. Wer sich als Arbeitgeber an die Vorgaben der ASR hält, kann jedoch davon ausgehen, dass die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter gewährleistet ist („Vermutungswirkung“) – und genau dafür hat er laut Arbeitsstättenverordnung zu sorgen. Falls es zu einem Zwischenfall im Betrieb käme, müsste der Arbeitgeber nachweisen, dass er seine Mitarbeiter vergleichbar gut geschützt hat, wie in den ASR beschrieben wird.

Von diesen juristischen Detailfragen aber einmal ganz abgesehen: Schwitzende Mitarbeiter sind unkonzentriert und arbeiten weniger produktiv. Gute Chefs drücken daher im Hitzesommer auch mal ein Auge zu und lassen ihre Angestellten ein bisschen früher Feierabend machen – auch ohne Recht auf Hitzefrei.

Hitzefrei an Schulen – Freistellung für die Eltern?

Bekommen Kinder in der Schule hitzefrei, müssen berufstätige Eltern die Betreuung neu organisieren. In diesem Fall muss der Arbeitgeber Mitarbeiter mit Kindern unbezahlt freistellen. Das gilt allerdings nur, wenn die Eltern darum bitten, keine andere Betreuung finden konnten und die Entscheidung für Hitzefrei von den Schulen kurzfristig getroffen wurde.

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