Recht + Steuern Internetshops: Ein Kulturkampf erfasst den gesamten Handel

  • Serie
  • Aus dem Magazin
Gegen die Wand: Als Ronny Steinchen seine Sportschuhe auch auf Amazon verkaufen wollte, drohten ihm die Hersteller mit einem Warenstopp – der Riesaer Fachhändler musste nachgeben. Mittlerweile haben die Konzerne das Verbot auf Druck des Kartellamts aufgehoben.

Gegen die Wand: Als Ronny Steinchen seine Sportschuhe auch auf Amazon verkaufen wollte, drohten ihm die Hersteller mit einem Warenstopp – der Riesaer Fachhändler musste nachgeben. Mittlerweile haben die Konzerne das Verbot auf Druck des Kartellamts aufgehoben.© Robert Gommlich

Dürfen Markenhersteller den Onlinevertrieb beschränken? Eine strittige Frage, die seit Jahren Kartellamt und Gerichte beschäftigt – und Internetshops und Fachhandel entzweit.

Das Einkaufszentrum in Riesa: Randlage, 43 Geschäfte, viel Glas und Beton, wenige Kunden. Es ist Vormittag. Ronny Steinchen, 39, blickt aus seinem Sportgeschäft auf die leeren Gänge und sagt: „Hier ist selten richtig viel los.“ Er verschwindet durch eine Tür ins Lager. Um dort seine Zukunft zu sichern.

Sport & Mode Steinchen, das sind eigentlich zwei Geschäfte: ein reales mit fünf Mitar­beitern und ein virtuelles mit vier. Im 600 Quadratmeter großen Laden können Kunden Sportschuhe, Rucksäcke, Outdoorjacken und Wanderstöcke anfassen, ausprobieren und kaufen. Das 30 Quadratmeter große Hinterzimmer ist hingegen der Sitz von Sportsteinchen24.de. Hier bedient der Geschäftsmann Käufer, die seinen Laden nie betreten werden, weil sie online shoppen. Steinchen braucht das Internet als zusätzliche Einnahmequelle: Die Stadt Riesa schrumpft und damit auch die Kundenzahl. Und so warf sich Steinchen vor anderthalb Jahren voller Optimismus in den Onlinehandel. Doch es kam alles anders.

Anzeige

Von A wie Adidas bis V wie Vaude

Weil sein kleiner Webshop mit Allerweltsmarken wie Asics, Puma oder Deuter auf Google schwer zu finden ist, bot er Sport- und Outdoorware auch auf Amazon an. Endlich bestellten die Käufer. Kurz darauf kam der Ärger: Zuerst meldete sich Adidas, dann folgten weitere Markenhersteller. Alle forderten: Kein Verkauf auf Amazon! Sie drohten Steinchen, andernfalls seine Kundennummer zu streichen. Immer die gleiche Begründung: Zum Schutz des Markenimages dürfe der Händler nicht auf Internet- und Aktionsplattformen wie Amazon, Ebay und Rakuten Markenware verkaufen. Mit dem Verkauf über seinen Webshop, den kaum einer findet, hatten sie kein Problem.

 

handel DIE SERIE: Das impulse-Magazin zeigt in einer dreiteiligen Serie, wie Online-Shopping den Handel verändert – und wie Unternehmer vom Strukturwandel profitieren.

1. Teil: Vertriebsverbote
2. Teil: Verkauf auf Amazon (Dezember)
3. Teil: Einen eigenen Webshop eröffnen (Januar)

 

Steinchen hat alle Briefe, die innerhalb weniger Monate kamen, in einem Ordner alphabetisch abgeheftet: von A wie Adidas, über D wie Deuter bis V wie Vaude – das Who’s who der Sport- und Outdoorartikler. Ohne ihre Ware könnte er sein Geschäft dichtmachen. Steinchen gab dem Druck nach und löschte die Angebote auf Amazon. Er fühlt sich unfair behandelt: „Die können mir doch nicht vorschreiben, wie ich meine Sachen zu verkaufen habe.“

Petition für freien Internethandel

Steinchens Geschichte ist nur ein kleiner Teil eines Kulturkampfes, der den gesamten Handel erfasst hat. Auf der einen Seite stehen Tausende Onlinehändler, die ihre Existenz durch die Vertriebspraktiken der Markenhersteller bedroht sehen. So sehr, dass 14.000 Webshopbetrei­ber dem Aufruf des Bundesverbands Onlinehandel (BVOH) gefolgt sind, eine Petition für freien Internethandel zu unterzeichnen, die sie 2013 dem Ex-Vize-Präsidenten der EU-Kommission Olli Rehn überreicht haben.

Auf der anderen Seite der Front: Markenhersteller und Fachhändler. Sie finden es fair, dem Onlinehandel Grenzen zu setzen. Markenware, so das Argument, wirke in einer Boutique wertvoller als auf einem virtuellen Grabbeltisch. Zudem öffneten Billigangebote im Netz Beratungsklau Tür und Tor. Wobei sich die Fachhändler als die Bestohlenen fühlen. Schließlich seien sie es, die Internetkäufer vorher im Laden beraten haben […]

 


 

impulse-Magazin Oktober 2014Den gesamten Artikel lesen Sie in der impulse-Ausgabe 11/14.

Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.