Recht + Steuern Middelhoff-Prozess: Kein Lächeln für Josef Esch

Der Immobilienentwickler Josef Esch (3.v.l)

Der Immobilienentwickler Josef Esch (3.v.l)© dpa/picture alliance

Thomas Middelhoff und Josef Esch hofften einst, zusammen viel Geld zu verdienen. Doch die Träume zerplatzten. Heute streiten sie um Millionen und wechseln im Gerichtssaal keinen Blick.

Thomas Middelhoff hat für die meisten Zeugen im Essener Untreue-Prozess ein strahlendes Lächeln parat. Aber nicht für Josef Esch. Als der 57-jährige Kölner Bauunternehmer am Dienstag den Gerichtssaal B 23 betritt, um als Zeuge vernommen zu werden, bleibt Middelhoffs Gesicht starr wie eine Maske. Auch Esch zeigt keine Regung, als er auf dem Zeugenstuhl Platz nimmt und schaut statt auf Middelhoff lieber auf die Richterbank.

Dabei war der Bauunternehmer jahrelang Middelhoffs Vermögensverwalter und spielte eine Schlüsselrolle beim Wechsel des Topmanagers von einer Londoner Investmentfirma zum angeschlagenen deutschen Handelsriesen KarstadtQuelle/Arcandor. Die beiden hofften einst, zusammen viel Geld zu verdienen.

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Jeder will Geld von jedem

Doch inzwischen sagt Middelhoff, die Verbindung mit Esch sei wohl der größte Fehler seines Lebens gewesen. Das Band zwischen den beiden ist zerschnitten. Esch versuchte inzwischen, per Gerichtsvollzieher 2,5 Millionen Euro von Middelhoff einzutreiben, und auch der Manager will viel Geld von seinem ehemaligen Vermögensverwalter zurück.

Doch falls das Gericht gehofft hatte, vom Konflikt der Männer zu profitieren und vom Zeugen Antworten auf für den Prozess wichtige Fragen zu bekommen, wird es enttäuscht. Eschs Rechtsanwalt Eberhard Kempf macht schon mit seinen ersten Worten klar, dass der Unternehmer die Aussage verweigern wird.

Der Anwalt verweist auf das Kölner Strafverfahren, in dem sich Esch und die ehemaligen Topbanker von Sal. Oppenheim teils wegen des Verdachts der Untreue in besonders schwerem Fall, teils wegen des Verdachts der Beihilfe dazu verantworten müssen.

„Ja, ja.“

Und er verweist auf mehrere Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit der Arcandor-Pleite und dem Niedergang des Bankhauses Sal. Oppenheim, von denen Esch betroffen sei. Bei einer Aussage gehe sein Mandant wegen des engen Beziehungsgeflechts das Risiko ein, in die Mühlen der Strafverfolgung zu geraten, betonte Kempf.

Der Vorsitzende Richter Jörg Schmitt versucht dennoch, wenigstens ein paar Informationen zu bekommen. Eine Aussage biete auch „die Gelegenheit, Dinge geradezurücken“, wirbt er.

Dann fragt er noch einmal, ob Esch wirklich von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch machen wolle. „Ja“, antwortet Esch. „Ja, ja.“ Es sind die einzigen Worte, die er bei seiner Vernehmung sagt.

Charterjets aus Sicherheitsgründen

Dabei hätte das Gericht großes Interesse gehabt, von Esch etwas zum Reiseverhalten von Thomas Middelhoff und den damit verbundenen Vereinbarungen zu befragen. Schließlich hatte Middelhoff vor Gericht berichtet, Esch, der auch die Karstadt-Quelle-Großaktionärin Madeleine Schickedanz in Vermögensfragen beriet, habe ihm in deren Namen nahelegt, bei Flugreisen aus Sicherheitsgründen nur noch Charterjets zu nutzen. Schickedanz werde für die Kosten aufkommen. Er habe deshalb überhaupt kein wirtschaftliches Interesse gehabt, Arcandor zu Unrecht mit Flugkosten zu belasten, wie ihm die Staatsanwaltschaft vorwerfe, argumentierte Middelhoff.

Schickedanz bestritt als Zeugin vor dem Essener Gericht allerdings, eine solche Zusage gemacht zu haben. „Wie käme ich dazu?“, sagte sie. Die Ex-Milliardärin räumte jedoch ein, dass sie nicht ausschließen könne, dass Esch in ihrem Namen derartige Absprachen getroffen habe. Ein Durcheinander, das wohl nur Esch hätte auflösen können.

Doch ist Esch nicht der erste Zeuge, der die Justiz bei ihren Bemühungen um eine Aufklärung der verwickelten Vorgänge um Arcandor und Sal. Oppenheim mit seinem Schweigen vor Probleme stellt. Erst im Mai hatte Middelhoff umgekehrt als Zeuge im Kölner Strafprozess gegen die frühere Führung des Bankhauses Sal. Oppenheim und Esch die Aussage verweigert.

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