Recht + Steuern Mindestlohn: Nur mit abgeschlossener Berufsausbildung!

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Ausbildung: Von erfahrenen Mitarbeitern lernen. Vor allem Metall- und Elektrobereich wird qualifizierter Nachwuchs gesucht.

Ausbildung: Von erfahrenen Mitarbeitern lernen. Vor allem Metall- und Elektrobereich wird qualifizierter Nachwuchs gesucht.© Monkey Business - Fotolia.com

Nach dem Willen der Arbeitsministerin sollen Jugendliche unter 18 Jahren vom Mindestlohn ausgenommen werden. Ein Schritt in die richtige Richtung, sagt impulse-Bloggerin Marie-Christine Ostermann. Bei den Ausnahmen müsse jedoch die Qualifikation entscheidend sein, nicht das Alter. [Aus dem impulse-Archiv]

Arbeitsministerin Nahles will Jugendliche unter 18 Jahren vom Mindestlohn ausnehmen. Dass es Ausnahmen geben soll, geht absolut in die richtige Richtung. Denn ansonsten könnten Jugendliche einen Job zu Mindestlohnbedingungen einer Ausbildung vorziehen. Dass Auszubildende vom Mindestlohn ausgenommen werden sollen, ist richtig. Erstens müssen Azubis im ersten Lehrjahr noch stark angelernt werden und brauchen sehr viel Betreuung. Zweitens würden sonst deutlich weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Rullko könnte im Vergleich zum für uns aktuell bestehenden Tarifvertrag nur noch rund halb so viele Menschen ausbilden, würde für unsere Ausbildung zur/zum Großhandelskauffrau/-mann in Zukunft der Mindestlohn von 8,50 Euro gelten.

Allerdings würde eine Ausnahme vom Mindestlohn bis zu einer Altersgrenze von unter 18 Jahren das Problem des Vorziehens eines Jobs gegenüber einer Ausbildung nur zum Teil lösen. In unserem Unternehmen Rullko fangen viele Jugendliche ihre Ausbildung erst nach der höheren Handelsschule oder dem Abitur an. Somit sind sie bereits 18 oder 19 Jahre alt, wenn sie ihre Ausbildung bei uns beginnen. Würde die Ausnahmeregelung von unter 18 Jahren gelten, hätten die meisten potentiellen Rullko-Azubis die Wahl zwischen Jobben gehen zu Mindestlohnbedingungen und einer Ausbildung, die im ersten Lehrjahr nur mit rund der Hälfte vergütet würde.

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Viele denken zu kurzfristig

Ich bin mir sicher, dass einige Menschen den Job der Ausbildung bei besserer Bezahlung vorziehen würden. Für viele Arbeitnehmer ist der Lohn verständlicherweise ein sehr wichtiges Entscheidungskriterium für ihre Arbeit. Wie wichtig aber langfristig eine Ausbildung ist, ist leider nicht allen Menschen bewusst. In unserem Unternehmen ist es zum Beispiel vor Kurzem vorgekommen, dass ein Azubi seine Ausbildung abgebrochen hatte, damit seine Eltern, bei denen er noch wohnte, weiterhin Harz IV und andere Sozialleistungen in voller Höhe beziehen konnten.

Hätte er seine Ausbildung fortgesetzt, wäre seinen Eltern aufgrund des Ausbildungsgehaltes ein Teil der Sozialleistungen gestrichen worden. Unser Azubi wollte stattdessen studieren und nebenher jobben. Ich konnte ihn nicht davon überzeugen, seine Ausbildung fortzusetzen. Da er aber bei seiner Bewerbung bei Rullko ein sehr schlechtes schulisches Abschlusszeugnis vorgezeigt hatte, wäre unsere Ausbildung mit Praxisbezug und intensiver Betreuung in Betrieb und Berufsschule in diesem Fall sicherlich deutlich passender als ein Studium gewesen.

Qualifikation als Kriterium

Gerade in jungen, unerfahrenen Jahren kommt es leider vor, dass manche Menschen kurzfristig denken und sich erst einmal gegen die Ausbildung und für den höher bezahlten Job entscheiden. Dabei ist eine Ausbildung als Grundlage für eine gute Zukunft in den meisten Fällen unerlässlich. Deshalb sollten Ausnahmen vom Mindestlohn an keine Altersgrenze gebunden sein. Eine Altersgrenze würde sowieso gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstoßen, das besagt, dass niemand aufgrund seines Alters diskriminiert werden darf.

Zielführender wäre es, Ausnahmen anhand des Kriteriums der Qualifikation zu schaffen, zum Beispiel für Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder alternativ ohne abgeschlossenes Studium, damit diese den Anreiz haben, eine solide Ausbildung zu machen. Die Ausnahmen sollten ebenso für Langzeitarbeitslose gelten, damit Menschen, die lange nicht gearbeitet haben, weiterhin Chancen haben, bei schlechter oder fehlender Qualifikation eine Arbeit zu finden.

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