Recht + Steuern Mehr Schwarzarbeit durch Mindestlohn

Schwarzarbeit in Deutschland dürfte 2015 das erste Mal seit Jahren nicht zurückgehen.

Schwarzarbeit in Deutschland dürfte 2015 das erste Mal seit Jahren nicht zurückgehen.© dpa

Ob auf dem Bau oder in Gaststätten: Die Schattenwirtschaft macht hierzulande mehr als ein Zehntel der Wirtschaftsleistung aus. Durch den Mindestlohn soll sie laut Prognosen um 1,5 Milliarden Euro steigen.

Der flächendeckende Mindestlohn in Deutschland treibt einer Studie zufolge die Schwarzarbeit in die Höhe. Trotz eines robusten Arbeitsmarkts dürfte die Schattenwirtschaft daher erstmals seit Jahren nicht weiter zurückgehen. Das zeigt eine Prognose des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz.

„Die aktuelle Entwicklung ist auch durch den Mindestlohn bedingt“, erklärte IAW-Direktor Bernhard Boockmann. Für sich genommen hätten die robuste Konjunktur und Lage auf dem Arbeitsmarkt laut der Prognose eigentlich für einen Rückgang der Schattenwirtschaft gesorgt. Der seit Januar geltende Mindestlohn erhöhte die Schattenwirtschaft in Deutschland in diesem Jahr jedoch um 1,5 Milliarden Euro.

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Damit dürfte nach Einschätzung der Experten tatsächlich aber nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Mindestlohns durch Schwarzarbeit umgangen werden. Um die Mindestlohn-Regeln einzuhalten, sind in den klassischen Schwarzarbeits-Branchen Lohnsteigerungen von insgesamt 7 Milliarden Euro nötig. Gerade Branchen mit ohnehin viel Schwarzarbeit sind demnach davon betroffen.

Deutschland liegt im internationalen Vergleich im Mittelfeld

Schwarz gearbeitet wird der Studie zufolge besonders häufig in Gaststätten, Hotels sowie Teilen der Bauwirtschaft. Auch bei persönlichen Dienstleistungen und in der Landwirtschaft werde in Deutschland vergleichsweise häufig am Fiskus vorbei verdient, hieß es.

Mit Blick auf andere Länder steht die Bundesrepublik aber nicht schlecht da: Im Vergleich zu anderen OECD-Staaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen, liegt Deutschland mit seiner Schattenwirtschaft im Mittelfeld – ähnlich wie Frankreich und skandinavische Länder. Düsterer sieht es in den Krisenländern Griechenland, Italien, Portugal und Spanien aus. Hier liegt der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP zwischen 18 und 22 Prozent.

Zoll soll aufgestockt werden

Für die Überwachung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung ist in Deutschland der Zoll zuständig. Um die Einhaltung des Mindestlohns zu prüfen, soll das Personal um 1600 Stellen aufgestockt werden. Fachleute sind aber skeptisch, ob das reicht. „Unsere Analysen zu den schon bisher existierenden branchenspezifischen Mindestlöhnen zeigen, dass der Zoll Schwierigkeiten haben wird, die Einhaltung des Mindestlohns wirklich flächendeckend zu prüfen“, sagt Boockmann. „Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Mindestlohn umgehen wollen, finden sie auch einen Weg.“

Auch für die Zukunft sieht IAW-Direktor Boockmann keine Hinweise auf eine Trendwende bei der Schwarzarbeit. „Wir sehen wenige Impulse, die auf einen Rückgang der Schattenwirtschaft hindeuten“, sagt er. Beim Mindestlohn gelten bis 2017 Übergangsfristen – so dass sich die dadurch befeuerte Schwarzarbeit sogar noch verstärken könnte.

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