Recht + Steuern Müssen Angestellte trotz Bahnstreik pünktlich bei der Arbeit sein?

Am Mittwoch und Donnerstag dürften wegen des Lokführerstreiks wieder zahlreiche Züge in Deutschland ausfallen.

Am Mittwoch und Donnerstag dürften wegen des Lokführerstreiks wieder zahlreiche Züge in Deutschland ausfallen.© dpa

Wegen des Bahnstreiks kommen ab Mittwoch vermutlich tausende Angestellte zu spät zur Arbeit. Müssen Arbeitgeber das hinnehmen?

Ausgefallene Züge, Verspätungen, Ersatzfahrpläne: Wenn von Mittwochmorgen um 2 Uhr bis Donnerstagabend um 21 Uhr die Lokführer im Personenverkehr streiken, kommen tausende Pendler zu spät zur Arbeit. Arbeitgeber müssen das nicht hinnehmen – denn das so genannte Wegerisiko liegt beim Arbeitnehmer: Er muss dafür sorgen, dass er pünktlich bei der Arbeit ist.

Dass Personenzüge ab Mittwoch vom Streik betroffen sind, ist bekannt; die Bahn hat außerdem angekündigt, im Laufe des heutigen Dienstags einen Ersatzfahrplan bekanntzugeben. Pendler können also durchaus ihren Arbeitsweg heute so umplanen, dass sie pünktlich zur Arbeit kommen: etwa per Fahrgemeinschaft, mit dem Bus oder mit einem Ersatzzug. Das entspricht auch der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt (5 AZR 283/80): Sind die Ereignisse mindestens 24 Stunden vorher bekannt, gilt die Verzögerung auf dem Arbeitsweg als vorhersehbar.

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Welche Mühen Angestellte im Einzelnen auf sich nehmen müssen, entscheiden die Gerichte im Einzelfall: Früheres Aufstehen, um rechtzeitig bei der Arbeit zu sein, gilt als zumutbar. Im Hotel übernachten muss aber kein Arbeitnehmer, um seinen Dienst pünktlich antreten zu können.

Arbeitgeber darf den Lohn kürzen

Kommen Angestellte zu spät zur Arbeit, kann der Arbeitgeber den Lohn kürzen, es sei denn, im Tarifvertrag steht explizit etwas anderes. Er darf seine Angestellten sogar abmahnen – allerdings gilt das nur in Extremfällen, etwa wenn ein Mitarbeiter an aufeinanderfolgenden Tagen ohne Absprache mehrere Stunden zu spät kommt und sich jedes Mal auf den Bahnstreik beruft. Nicht planbare Ereignisse wie ein Unwetter rechtfertigen übrigens niemals eine Abmahnung.

Unabhängig davon, was im Gesetz steht, ist es für Unternehmer in Situationen wie dem Bahnstreik häufig ratsamer, vorher mit ihren Mitarbeitern zu reden, als hinterher auf das Gesetz zu pochen. So lassen sich oft einvernehmliche Lösungen finden, die allen im Unternehmen nutzen: Die Mitarbeiter könnten beispielsweise die durch den Streik verlorene Zeit später nacharbeiten, Überstunden abbauen oder gleich von vornherein von zu Hause aus arbeiten, falls das möglich ist.

5 Kommentare
  • Gunny 22. April 2015 15:29

    Wäre es nicht sinnvoll diesem Profilneurotiker Griselsky die Kosten zu berechnen, die durch seine persönlichen Probleme bei den Unternehmen (nicht nur bei der Bahn) entstehen?
    Zum anderen, die Grünen wollen einen zwingen mit der Bahn zu fahren, dann sollten sie auch dafür sorgen, dass man es kann. Die wissen doch immer alles wie man es richtig macht. (Wenn sie es nicht selbst machen müssen)

  • Joe 22. April 2015 12:26

    Ich finde das Streikrecht sollte mal unserem Jahrtausend angepasst werden. Vor 100 Jahren mag das mal ganz sinnvoll gewesen sein, wo die Arbeiter eben tatsächlich alles schlucken mussten was die Firmen mit ihnen veranstaltet hatte, aber ich finde heutzutage hat sich das ins krasse Gegenteil verschoben. Das was die GDL da veranstaltet ist reinste Erpressung, welche die Bahn Millionen kostet……und diese werden auf die Bahnkunden aubgewälzt. Die GDL bestreikt also nicht die Bahn, sondern die Bahnkunden. Nur können die Bahnkunden rein gar nichts dagegen tun, sie MÜSSEN für keine Leistung sogar noch blechen.
    Und sorry, das Gelaber von wegen Verantwortung kann ich nicht mehr hören. Ein Lokführer hat kaum noch Verantwortung hetzutage, er muss einen Hebel betätigen und muss grün / rot unterscheiden können.

    Lustig ist auch die Beschreibung des Ganzen als Arbeitskampf……mehr Geld für weniger Arbeit..und was bekommt die Bahn? Ein Arbeitsverhältnis ist ein beidseitiger Vertrag, wenn ich mehr Geld will, dann weil ich mehr geleistet habe.
    Ich würde allen Streikenden fristlos wegen Arbeitsverweigerung kündigen und die GDL verbieten.
    Es gibt ja schließlich auch die EVG.

  • Paul Meyer 22. April 2015 09:40

    Meiner Meinung nach kommt diese Situation den Fernbusnabietern zugunsten. Viele Bahnkunden sind gezwungen, die Fernbusse kennenzulernen und die Mehrheit von ihnen kehren zum Bahnhof nicht mehr. Vor zwei Tagen bin ich mit Postbus ( früher ADAC Post Mobility) gefahren, Fahrpläne hab ich hier gefunden:http://www.teroplan.de. Und ehrlich gesagt, bin ich schon ehemaliger Bahnkunde

  • Gerd W. 22. April 2015 08:07

    Zum Kommentar von Claudia E.
    Da stimme ich Ihnen zu. Über einen Streik freut sich niemand außer denen die Streiken und denen die ihn anzetteln. Nur die Firmen die davon durch fehlende Arbeitskräfte betroffen sind haben ja Kosten, die durch geleistete Arbeit bezahlt werden müssen. Wer soll die denn bezahlen? Wo soll den die Firma das Geld dafür her nehmen. Warum soll den eine Firma für das bezahlen was andere verursacht haben. Die Firmen sollen für alles sorgen und der Arbeitnehmer ist für nichts verantwortlich. So geht’s halt auch nicht.

  • Claudia E. 21. April 2015 16:52

    So ein Streik funktioniert doch nur, wenn man auch jemanden damit unter Druck setzen kann, oder? Da die Bahn aber das Geld für die Fahrkarten der Pendler schon im Säckl hat, ist sie nur eingeschränkt erpressbar. Und die Pendler sind zum großen Teil die Gelackmeierten. Die freuen sich bestimmt, wenn ihnen auch noch der Lohn gekürzt und/oder eine Abmahnung zugestellt wird, nachdem sie morgens zwei Stunden früher aufgestanden sind.

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