Recht + Steuern Mütze, Ohrschmuck, Schlüpfer: Wenn der Chef die Kleider bestimmt

Dürfen Männer auf der Arbeit Tattoos tragen?

Dürfen Männer auf der Arbeit Tattoos tragen? © kantver - fotolia.com

Ob Tattoo, Ohrring oder Pilotenmütze: Arbeitgeber können grundsätzlich Regeln für das Auftreten und die Kleidung von Mitarbeitern aufstellen. Die Vorschriften beschäftigen auch immer wieder die Arbeitsgerichte. Darüber haben Richter schon entschieden.

Darf ein Arbeitgeber seiner Mitarbeiterin kündigen, wenn sie sich den Kleidervorschriften widersetzt? Und müssen Piloten – anders als ihr weibliche Kollegen – zwingend eine blaue Schirmmütze tragen? Über solche und andere Fälle müssen immer wieder die Arbeitsgerichte entscheiden. Ein kleiner Überblick über Urteile aus den vergangenen Jahren.

Mütze: Ist die Mützenpflicht für Lufthansa-Piloten diskriminierend? Ja, hat das Bundesarbeitsgericht entschieden. Ein Pilot, der sich von der Mützenpflicht nur für Männer diskriminiert fühlte, hatte mit seiner Klage in der letzten Instanz Erfolg. Der Mann kritisierte, dass die blaue Cockpit-Mütze für Pilotinnen nur ein Uniform-Accessoire ist: Sie könnten die Mütze in der Öffentlichkeit tragen, für Männer sei das obligatorisch. Die Bundesrichter sahen in den Lufthansa-Argumenten – Tradition und die Besonderheiten von Damenfrisuren – keine ausreichenden Gründe für eine Ungleichbehandlung von Männern und Frauen.

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Tätowierung: Polizisten dürfen keine sichtbaren Tattoos tragen: Das Oberverwaltungsgericht Münster hat an diesem Montag die Klage eines tätowierten Bewerbers abgewiesen. Die Richter verwiesen auf die Verwaltungsvorschriften in NRW, wonach die Einstellung eines sichtbar großflächig tätowierten Bewerbers abgelehnt werden darf (Az.: 6 B 1064/14). Der Kläger trägt die Namen seiner beiden Töchter als Tattoo an den Unterarmen. Er hatte erfolglos argumentiert, dass er auch im Sommer langärmelige Uniformhemden tragen könne, um die Tattoos zu verdecken. Auch in anderen Fällen entschieden Richter ähnlich.

Einheitskleidung: Die Geschäftsführung eines Möbelhauses schrieb ihren Mitarbeitern 2011 einheitliche Kleidung während der Arbeit vor – schwarze Hosen oder Röcke, weiße Hemden oder Blusen, dunkelfarbige Schuhe. Eine Arbeitnehmerin weigerte sich und zog wie bisher ihre eigenen Sachen an. Ihr wurde gekündigt. Die Mitarbeiterin klagte vor dem Arbeitsgericht Cottbus – ohne Erfolg.

Blümchen-Unterwäsche: Mitarbeiter eines Unternehmens, das im Auftrag der Bundespolizei auch am Flughafen Köln-Bonn für die Fluggastkontrollen zuständig ist, müssen einfarbige Unterhosen in Weiß oder Hautfarbe tragen. Blümchenmuster sind verboten. Außerdem gilt für Frauen BH-Pflicht. Das schreibt der Arbeitgeber vor – und 2010 hatte das Kölner Landesarbeitsgericht gegen diese Anweisung keine Einwände.

Pferdeschwanz: Wie ein Polizist im Dienst aussehen darf, ist Sache des jeweiligen Bundeslandes. In Rheinland-Pfalz wollte ein Polizist 2003 entgegen einem Rundschreiben des Innenministeriums sein Recht auf einen schulterlangen Pferdeschwanz bei der Arbeit einklagen. Das Koblenzer Oberverwaltungsgericht verwehrte ihm den Wunsch.

Ohrschmuck: Ein Münchner Polizeibeamter, der im Dienst Ohrschmuck und lange Haare tragen wollte, bekam 1999 vor dem Bundesverwaltungsgericht Recht. Dies gehöre zur „freien Entfaltung der Persönlichkeit“. Seine Vorgesetzten wollten ihm den Schmuck per Dienstanweisung verwehren, weil das nicht zum gewünschten Erscheinungsbild der Polizei passe.

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