Recht + Steuern Neue Courtage-Regeln: Immobilienmakler scheitern vor Gericht

Viele Vermieter beauftragen einen Makler, damit ein Mietvertrag zustande kommt. Ab 1. Juni müssen sie für diese Dienste zahlen - und nicht mehr der Mieter.

Viele Vermieter beauftragen einen Makler, damit ein Mietvertrag zustande kommt. Ab 1. Juni müssen sie für diese Dienste zahlen - und nicht mehr der Mieter.© eccolo / Fotolia.com

Hilft ein Makler bei der Wohnungsvermittlung, gilt künftig: Wer beauftragt, zahlt. Dagegen läuft die Branche Sturm. Zwei Makler zogen nach Karlsruhe - und scheiterten.

Zwei Immobilienmakler sind mit einem Eilantrag gegen das Inkrafttreten des so genannten Bestellerprinzips beim Bundesverfassungsgericht gescheitert. Die beiden hätten nicht ausreichend dargelegt, dass sie oder der gesamte Berufsstand durch das Gesetz wirtschaftlich bedroht seien, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss der Karlsruher Richter. (Az.: 1 BvQ 9/15)

Bestellerprinzip soll ab 1. Juni gelten

Das Bestellerprinzip („Wer bestellt, bezahlt“) tritt am 1. Juni in Kraft. Danach zahlt bei der Vermietung von Wohnraum künftig derjenige den Makler, der seine Dienste in Anspruch genommen hat – und das sind in der Regel die Vermieter. Bisher entrichten zumeist die Mieter die Courtage.

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Die neuen Regelungen bedrohten sie in ihrer Existenz, argumentierten die Immobilienmakler und reichten Eilantrag und Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe ein. Diesen Eilantrag wiesen die Karlsruher Richter nach einer Abwägung der möglichen Folgen nun ab: Die Gesetzesbegründung gehe von Umsatzeinbußen für Wohnungsvermittler in Höhe von insgesamt etwa 310 Millionen Euro aus, hieß es.

Das bedeute für die etwa 37.900 professionellen Immobilienmakler einen durchschnittlichen Verlust in Höhe von jährlich etwa 8200 Euro. Bei 451.000 Euro Jahresumsatz pro Unternehmen sei von einer Existenzbedrohung des gesamten Berufsstandes nicht auszugehen. Über die Verfassungsbeschwerde der beiden entschieden die Richter noch nicht.

4 Kommentare
  • Name Heinz Klandt 31. Mai 2015 11:04

    Und die Maklerlobby hat sich im Hintergrund eben doch durchgesetzt!
    Wie sonst ist es zu erklären, dass für Käufer weiterhin gelten soll, was für Mieter nicht mehr gilt?
    Hier dürfen nach wie vor Zwei (Verkäufer und Makler) zu Lasten eines Dritten (dem Immobilenerwerber) die Makler-lukrativen Bedingungen diktieren? Für zwei-dreimal Türaufschließen 7,14% (Berlin) des Kaufpreises abkassieren… In der aktuellen Marktphase fast besser als die Lizenz zum Gelddrucken!
    Und in den Medien totales Schweigen über diese Seite des Nicht-Bestellerprinzips.

  • Ein weiterer Unternehmer 29. Mai 2015 12:26

    @EinUnternehmer: Sind Sie fremdgesteuert oder wurden Sie anderweitig schon jemals gezwungen, etwas abzunehmen bzw. zu bezahlen, was Sie „nicht wollten“?
    Vom IHK-Beitrag mal abgesehen……..
    Es kann durchaus helfen, das Ding auf dem Hals auch mal zu benutzen.

  • Armin Wenzl 29. Mai 2015 11:49

    Was für eine hirnrissige Argumentation. Fielen Courtage-Zahlungen grundsätzlich weg, gäbe es u.U. einen realen Grund. So aber verschiebt sich lediglich die Richtung, aus der das Geld fliesst. Aber es fliesst. Nur eben nicht mehr vom zukänftigen Mieter, sondern vom Vermieter. Und keine Bange, der wird es sich schon über ein kreative Meitpreisgestaltung wiederholen. Ist das Einzige, was Makler befürchten, destruktive Diskussionen und Gejammer ihrer Kunden? Keine Vermittlungsaufträge mehr? kaum vorstellbar, zu vermietende Wohnungen gehen stündlich in den Markt, und kaum ein Service-verwöhnter Vermieter wird das ab sofort selbst makeln. Die Angst, das uralte Komfort-Zonen wegbrechen, scheint bei diesem Berufsstand phobische Depressionen auszulösen. Kaum vorstelbar, was passiert, wenn die mal ein echtes Problem bekommen.

  • EinUnternehmer 28. Mai 2015 12:29

    Was sind die Anzeichen für parasitäre Geschäftsmodelle? Nicht gebraucht, nicht gewollt, nichts Wert und doch muss man Sie bezahlen.

    „Die neuen Regelungen bedrohten sie in ihrer Existenz, argumentierten die Immobilienmakler und reichten Eilantrag und Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe ein.“

    Die Verfassungsbeschwerde ist ja praktische der Offenbarungseid der Branche. „Seht her man braucht uns nicht, und doch wollen wir von euch leben!“ Vielleicht sollten sich die Makler auf Schutzgelderpressung verlegen. Ist ja nicht so ein großer Schritt vom bisherigen Geschäftsmodell.

    Nicht gebraucht, nicht gewollt, nichts Wert und doch muss man Sie bezahlen.

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