Recht + Steuern Neue Lebensmittelkennzeichnung: Hier lauern Tücken

Nicht nur die Zutaten, sondern auch Allergene müssen gesondert bei Lebensmitteln gekennzeichnet werden.

Nicht nur die Zutaten, sondern auch Allergene müssen gesondert bei Lebensmitteln gekennzeichnet werden.© airborne77 - Fotolia.com

Seit Mitte Dezember 2014 gilt die neue Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel der EU. Restaurants, Bäcker, Metzger, aber auch Onlineshops müssen Verbraucher nun ausführlich über Inhaltsstoffe und Allergene informieren. Rechtsanwalt Max-Lion Keller erklärt, worauf es bei der Umsetzung ankommt.

In Österreich ist seit dieser Woche die „Schonfrist“ vorbei. In Wien werden Gastronome, die noch nicht über die 14 Allergene in ihren Speisen und Getränken kennzeichnen, abgestraft. Rund 80 Prozent der Wirte hätten die Verordnung bereits umgesetzt, teils noch mit Mängeln, sagte Alexander Hengl, Sprecher des Wiener Marktamts der Zeitung „Die Presse“. Über 500 Kontrollen wurden in der Hauptstadt durchgeführt, die Wirte bekämen, so Hengl, eine Frist, die Fehler zu beheben. Danach drohe eine Strafzahlung rund 300 Euro.

Auch in Deutschland beschäftigt die Lebensmittelkennzeichnung die Gastronomie und dem Versandhandel. „Eine Schonfrist gibt es nicht, die Kennzeichnung müssen mittlerweile alle beachten“, sagt Max-Lion Keller, Rechtsanwalt der IT-Kanzlei in München.

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Seit dem 13. Dezember 2014 gilt die sogenannte Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) der EU. Sie vereinheitlicht die europäische Lebensmittelkennzeichnung. Vorgaben zur besseren Lesbarkeit, eine klare Kennzeichnung von Lebensmittelimitaten sowie – bei verpackter und loser Ware – die Allergenkennzeichnung sollen es den Verbrauchern erleichtern, mehr über die Inhaltsstoffe der Produkte zu erfahren.

Onlinehandel: Droht eine Abmahnwelle?

Die neuen Regeln gelten auch für den Onlinehandel. Für die Website-Betreiber bedeutet dies eine große Erweiterung ihrer Produktbeschreibungen. Konnten die neuen Vorgaben in den vergangenen Monaten umgesetzt werden?

„Die Kennzeichnung bereitet den Internethändlern viel Arbeit“, sagt Max Lion Keller. Für sie sei es mitunter schon sehr aufwendig, an die notwendigen Informationen zu kommen. „Zum Beispiel brauchen sie die Firma und die genaue Anschrift des Lebensmittelunternehmers“, erzählt der Rechtsanwalt. „Diese Angaben stehen aber nicht immer auf dem Etikett der Weinflasche, sondern müssen recherchiert werden.“

Viele Abmahnungen im Onlinehandel gebe es derzeit wegen der neuen Kennzeichnung noch nicht. „Ein Onlineshopbetreiber der andere abmahnt, muss ja selber alles richtig machen, aber die meisten sind noch gar nicht so gut aufgestellt“, schätzt Keller. Dabei seien die 500 bis 1000 Euro Strafe gar nicht das Problem, sondern vielmehr der Umstand, dass der abgemahnte Händler innerhalb der meist einwöchigen Frist, die Lebensmittel online korrekt kennzeichnen muss. „Schafft man es nicht, muss der Shop vorerst vom Netz genommen werden.“

Zutaten kennzeichnen: Die häufigsten Fehler

Der Zeitaufwand, um die neuen Daten für alle Produkte einzutragen sei enorm, ist Keller überzeugt. Auch sei die Fehlerquote hoch. Als klassische Fehler nennt der Rechtsanwalt, dass die Inhaltsstoffe als solche und nicht als „Zutaten“ gekennzeichnet seien. „Es muss das Wort Zutaten vorkommen“, betont er. Auch bei den Allergenen hapert es: Sie sollten separat stehen oder in der Zutatenliste fett markiert sein.

Zentral für laut der EU-Verordnung die Kennzeichnung sind die Bezeichnung des Lebensmittels, die Zutatenliste mit den Allergenen, das Mindesthaltbarkeitsdatum, die Nettofüllmenge, Name/Firma und Anschrift des Herstellers sowie ab Dezember 2016 die Nährwertkennzeichnung.

Dabei steckt der Aufwand im Detail: Zum Beispiel muss das Zutatenverzeichnis geordnet sein, sagt Max-Lion Keller. „Die Hauptzutat steht an erster Stelle, die gewichtsmäßig am wenigsten vorhandenen Zutaten am Ende.“ Auch die Nettofüllmenge muss angegeben werden – zumindest bei allen Produkten, bei denen die Menge über 5 Gramm oder 5 Milliliter liegt.

Neue Speisekarten in der Gastronomie

Als „Brennpunktthema“ bezeichnet der Deutsche Gaststätten- und Hotelverband (Dehoga) die Kennzeichnung von Allergen. Denn auch in den Speisekarten sollen die Gäste über die 14 Allergene informiert werden. Die zwingende Verschriftlichung sämtlicher allergener Zutaten, auch im Falle mündlicher Auskunft, bedeute einen enormen bürokratischen Mehraufwand, sagt Stefanie Heckel, Dehoga-Pressesprecherin. „Besonders für kleine und mittelständische Unternehmen.“

Der Verband empfiehlt die Schulung von Mitarbeitern und bietet Allergen-Listen für Speisekarten an. „Die schriftliche Auskunft zum Beispiel in einer separaten Kladde oder in Form einer speziellen Allergikerkarte erfolgen“, so Heckel. Wie die Umsetzung in den Betrieben klappe, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Eine Umfrage sei aber geplant.

Die 14 Allergene im Überblick:
1. Glutenhaltiges Getreide (namentlich zu nennen: Weizen wie Dinkel und Khorasan-Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Hybridstämme davon)
2. Krebstiere
3. Eier
4. Fische
5. Erdnüsse
6. Sojabohnen
7. Milch (einschließlich Laktose)
8. Schalenfrücht (namentlich zu nennen: Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Kaschunüsse, Pecannüsse, Paranüsse, Pistazien, Macadamia- oder Queenslandnüsse)
9. Sellerie
10. Senf
11. Sesamsamen
12. Schwefeldioxid und Sulfite (ab 10 Milligramm pro Kilogramm oder Liter)
13. Lupinen
14. Weichtiere

1 Kommentar
  • Steinweg 2. April 2015 15:05

    Man sollte auch Kritik an solch Buerokratische Wahnsinns-Taten in diesen Artikel einfliessen lassen. Dies vorsaetzliche Zerstoerung von kleinen Gewerbe-Betrieben durch fuerstlich bezahlte EU-Beamte ist ganz schlimm, und das Europa-weit.

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