Recht + Steuern Oppenheim-Banker: Ende des Verhandlungsmarathons in Sicht

Dem Oppenheim-Banker Matthias Graf von Krockow droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Dem Oppenheim-Banker Matthias Graf von Krockow droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe.© picture alliance / dpa

Sie waren die Banker der oberen Zehntausend - nun droht den ehemaligen Chefs von Sal. Oppenheim Gefängnis. Ob sie mit einer Bewährungsstrafe davonkommen, könnte nach jetzigem Stand davon abhängen, ob sie sich zu einem Geständnis durchringen können.

Mit verschränkten Armen sitzt Matthias Graf von Krockow (65) im Gerichtssaal und starrt vor sich hin. Nun hat er es gehört: Ihm könnte Gefängnis drohen. Nicht die Staatsanwaltschaft hat das gesagt. Sondern die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker persönlich hat ihm das nach mehr als 100 Verhandlungstagen im Kölner Landgericht am Donnerstag in Aussicht gestellt.

In einem sogenannten Rechtsgespräch hat Grobecker drei der fünf Angeklagten im Sal. Oppenheim-Prozess ein Verständigungsangebot unterbreitet. Für den ehemaligen Bankchef von Krockow bedeutet das: Er muss sich nach jetzigem Stand des Prozesses auf eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei und maximal drei Jahren einstellen. Er weiß: Zwei Jahre könnten noch auf Bewährung ausgesetzt werden. Alles was darüber liegt, nicht mehr.

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Das Angebot gilt nur für den Fall, dass von Krockow nicht weiter seine Unschuld beteuert, sondern ein Geständnis ablegt – sich „nackig macht“, wie es ein Jurist formuliert, der den Prozess seit langem beobachtet. Krockow müsste sich der schweren Untreue für schuldig bekennen. Und dies nicht nur mit einem formaljuristischen Satz, sondern in einer persönlichen Erklärung. Dann hätte er die Chance, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen.

Wobei sich auch die Staatsanwaltschaft mit diesem Vorgehen einverstanden erklären müsste – was noch nicht sicher ist. Bisher pochen die Staatsanwälte darauf, dass die Schwere der Taten sowohl bei Graf Krockow wie auch bei Christopher von Oppenheim (49) keine Bewährungsstrafe zulässt.

Josef Esch: Strippenzieher der Bank

In der letzten Anklagereihe herrscht dagegen aufgeräumte Stimmung. Dort verabschiedet sich der Angeklagte Josef Esch (58) mit einem lauten „Vielen Dank!“ und einem besonders festen Händedruck von seinen Anwälten. Er muss wohl kaum mehr eine Gefängnisstrafe befürchten, denn das Gericht hält ihn nach Würdigung der bisher erbrachten Beweise nur des Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz für schuldig.

Ein Anwalt einer der anderen Parteien reagiert darauf mit einem gewissen Unverständnis. Wenn der bisherige Verhandlungsmarathon eines gezeigt habe, dann den ehemals überragenden Einfluss des Josef Esch. Zeugen wie der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff oder die einstige Großaktionärin Madeleine Schickedanz schilderten den gelernten Maurerpolier als Strippenzieher der Bank.

Demnach war er es, der die Kontakte hatte und die Deals einfädelte. Nur: Da er in der Bank keine offizielle Funktion besaß, hatte er auch keine Verpflichtungen gegenüber den Teilhabern. Und so sagt Grobecker, zwar hätten Zeugen Esch als „Graue Eminenz“ dargestellt, aber im Verfahren „hat das schlicht keinen Raum“.

Aufsichtsrat und der Aktionärsausschuss kontrollieren die Bank kaum

Dieter Pfundt (62) und Friedrich Carl Janssen (70), die beiden anderen mitangeklagten Ex-Gesellschafter, sind nach derzeitiger Einschätzung des Gerichts ebenfalls schuldig. Alle vier Gesellschafter haben der Bank demnach einen „Schaden im hohen zweistelligen, wenn nicht dreistelligen Millionenbereich“ zugefügt, allerdings nicht, um sich persönlich zu bereichern.

Vielmehr habe in der größten europäischen Privatbank ein Klima geherrscht, „das von einer durchaus nachlässigen Ausübung der Kontrollfunktion geprägt war“, wie Grobecker ausführt. Der Aufsichtsrat und der Aktionärsausschuss hätten von ihren Kontrollmöglichkeiten kaum Gebrauch gemacht. Es war eben letztlich noch immer die Bank einer vornehmen Familie. Man kannte sich von der Rennbahn.

Es ist nun an den Angeklagten, zu entscheiden, ob sie das Angebot des Gerichts annehmen wollen. Sie mögen dabei vielleicht auch an ihren ehemaligen Geschäftspartner Thomas Middelhoff denken, der in ihrem Prozess zweimal als Zeuge aufgetreten ist. Auch er war lange ganz oben. Und jetzt sitzt er schon seit Wochen im Gefängnis.

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