Public Viewing im Unternehmen Der Fiskus schaut mit

Mitfiebern schweißt zusammen: Das gemeinsame Public Viewing im Unternehmen hat vielerorts schon Tradition.

Mitfiebern schweißt zusammen: Das gemeinsame Public Viewing im Unternehmen hat vielerorts schon Tradition.© andrey-fo / photocase.de

Zur EM laden viele Unternehmen zum Public Viewing. Toll für die Mitarbeiter - aber auch für den Fiskus. Denn der kann die Kosten als Arbeitslohn werten.

Während der Europameisterschaft ist Fußball wieder das Thema Nummer eins.  Viele Unternehmen nutzen die Fußballeuphorie, um mit betrieblichem Public Viewing die Motivation der Mitarbeiter zu stärken oder den Kontakt zu Geschäftspartnern zu vertiefen. Ganz umsonst gibt es das allerdings nicht: Jede firmeninterne Veranstaltung kann steuerliche Auswirkungen haben.

„Auch nach den vergangenen Fußballgroßereignissen sind firmeninterne Feiern oft Thema von Betriebsprüfungen gewesen“, sagt Gerhard Geckle, Fachanwalt für Steuerrecht in Freiburg. Das dürfte nach dieser WM nicht anders sein. „Betriebsprüfer nehmen solche Feiern immer gerne unter die Lupe, “ so Friedrich Kötter-Boisserée von der Düsseldorfer Kanzlei W. Schuster und Partner.

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Public Paying
Einladung
Lädt ein Unternehmen die Belegschaft zum Fußballnachmittag ein, gilt das steuerlich als Betriebsveranstaltung. Davon sind aber nur zwei Veranstaltungen im Jahr erlaubt, ohne dass das Finanzamt Steuern kassiert. Wer seinen Mitarbeitern schon Weihnachtsfeier und Betriebsausflug bietet, muss auf das Public Viewing Lohnsteuer abführen.
Geschenke
Geschenke wie beispielsweise Fanartikel an Geschäftspartner müssen bis zu einem Wert von 35 € nicht versteuert werden.

Unerlässlich ist es deshalb, dass Betriebe eine eigene Buchhaltung zur WM erstellen. Sie müssen zeitnah alle Kosten dokumentieren, die im Zusammenhang mit dem Fußballfest anfallen. Wichtigster Punkt: Die Lohnsteuer muss ans Finanzamt abgeführt werden. Die fällt nicht nur an, wenn der Arbeitgeber am Monatsende das Gehalt ausbezahlt, sondern auch, wenn er seinen Mitarbeitern einen sogenannten geldwerten Vorteil gewährt.

Grundsätzlich gilt: Pro Angestellten darf der Arbeitgeber monatlich 40 Euro an Sachleistungen ausgeben, ohne dass Lohnsteuer anfällt. Hat der Chef für seine Mitarbeiter ein Fernsehgerät aufgestellt, damit sie WM-Spiele sehen können, wird diese Grenze regelmäßig nicht überschritten. „Die Überlassung wäre dann nicht als eine ins Gewicht fallende Bereicherung des Arbeitnehmers zu qualifizieren,“ so Geckle.

Problematischer wird es, wenn die ganze Belegschaft zusammen auf einer Großleinwand Spiele anschaut – viele WM-Partien fallen in die Nachmittagsstunden. Im Steuerrecht wird so ein Gemeinschaftsereignis als Betriebsveranstaltung bezeichnet. Zweimal im Jahr dürfen Unternehmen so ein Ereignis ausrichten, ohne dass das Finanzamt Lohnsteuern sehen will. In vielen Firmen dürften die Termine aber schon mit der Weihnachtsfeier und dem Betriebsausflug abgedeckt sein. Beim WM-Ereignis könnte das Finanzamt also prinzipiell zuschlagen. „Allerdings ist der Fiskus hier ziemlich großzügig“, sagt Anwalt Geckle.

Versteuern müssen Firmen nur Aufwendungen, die über 110 Euro pro Mitarbeiter hinausgehen. Um das zu errechnen, müssen alle Ausgaben für Verpflegung, Raummiete und Leinwand durch die Zahl der Teilnehmer der Veranstaltung geteilt werden. Kommen mehr als 110 Euro pro Beschäftigten zusammen, liegt Arbeitslohn vor.

Firmen dürfen Fußballschauen zur Arbeitszeit verbieten

Die einzelnen Mitarbeiter mit der auf Firmenfeste anfallenden Lohnsteuer zu belasten, ist für ein Unternehmen kaum praktikabel. Deshalb kann es die Lohnsteuer selbst übernehmen und pauschal 25 Prozent abführen (BFH, VI R 22/06).

Unternehmen, die zur Kontaktpflege Einladungen zum gemeinsamen WM-Gucken an Geschäftspartner verschickt haben, können die Kosten dafür grundsätzlich als Betriebsausgaben geltend machen. Bis zu 70 Prozent der Bewirtungskosten sind absetzbar. Geschenke an Geschäftspartner, Fanartikel beispielsweise, können bis zu einer Höhe von 35 Euro abgesetzt werden. Vollständig als Betriebsausgaben verbuchen kann der Unternehmer seine Kosten für Werbe- oder Repräsentationsaufwand. „Das sind etwa Ausgaben für einen Shuttle-Service oder für den Aufdruck des Firmenlogos auf der Fußballleinwand“, sagt Kötter-Boisserée.

Die Geschäftspartner müssen allerdings ebenfalls an den Fiskus denken, wenn sie die Einladung zum Fußballschauen annehmen. Denn auch sie müssen ihre Vorteile versteuern. So können Geschenke wie Fanartikel eine Betriebseinnahme darstellen, die der Geschäftspartner extra versteuern muss. „Häufig rechnen die Beschenkten gar nicht damit und sind hinterher erstaunt, dass sie diese Geschenke versteuern müssen“, sagt Kötter-Boisserée. Deshalb hat der Gesetzgeber eine einfache Berechnungsmethode für Sachgeschenke geschaffen. So können die Unternehmer, die Geschenke machen, diese versteuern. Der Beschenkte muss dann selbst nichts mehr tun. Allerdings gilt dies nur für Sachzuwendungen, Bargeschenke sind ausdrücklich davon ausgenommen. „Dies wird zwar für den Zuwendenden insgesamt etwas teurer, weil er die Steuer mit abführen muss. Allerdings entgeht er der Gefahr, seinen Geschäftspartner nachträglich zu düpieren, weil dieser Steuern aufs Geschenk zahlen soll“, so Kötter-Boisserée.

Weil Sport einen hohen Imagewert hat, ist beim Public Viewing auch das Sponsoring sehr beliebt. Grundsätzlich sind die Sponsoren- steuerlich voll als Betriebsausgaben absetzbar. Erhalten die Geldgeber im Gegenzug von den Veranstaltern VIP-Karten, kann der Abzug der Betriebsausgaben allerdings umständlich werden. Denn meist beinhalten diese Karten auch kostenlose Speisen und Getränke während des Spiels.

Anlässlich der Fußball-WM in Deutschland vor vier Jahren, als sich dieses Problem vor allem für VIP-Logen in Stadien ergab, hat das Bundesfinanzministerium eine vereinfachte Berechnung ermöglicht. Unternehmen müssen seither nicht alle Ausgaben einzeln belegen, sondern können Pauschalwerte nutzen. Sie können von der Gesamtsumme 40 Prozent als Werbeaufwand berechnen, der wiederum voll als Betriebsausgabe geltend gemacht werden kann. Zudem können sie 30 Prozent der Gesamtkosten für die VIP-Einladung als Bewirtungsausgaben und 30 Prozent als Aufwand für den Eintritt ausweisen und teilweise absetzen.

Natürlich sind Unternehmen nicht verpflichtet, ihren Mitarbeitern das Fußballschauen zur Arbeitszeit zu ermöglichen. Sie dürfen das sogar komplett untersagen – und sparen sich damit auch die gesonderte Buchhaltung zur WM.

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