AGG-Hopper Wenn der Bewerber das Unternehmen anzeigt

Von einer Stellenausschreibung zur nächsten: AGG-Hopper bewerben sich  bei Unternehmen und verklagen diese danach auf Schadenersatz wegen Diskriminierung.

Von einer Stellenausschreibung zur nächsten: AGG-Hopper bewerben sich bei Unternehmen und verklagen diese danach auf Schadenersatz wegen Diskriminierung.© Andriy Petrenko / Fotolia.com

Plötzlich verklagt: Wegen angeblicher Diskriminierung erstattete ein Bewerber Anzeige gegen den Unternehmer Wolfram Koller. Wie er mit dem AGG-Hopper umgeht.

Es gibt ja so Tage.

Vielleicht habe ich früher zu viel Science Fiction geguckt oder gelesen, Matrix und so, aber manchmal denke ich, dass ich irgendwo in so einem ollen Raumschiff in einer Nährflüssigkeit liege und mein freundlicher Betreuungs-Alien hat einen schlechten Tag und mir einfach mal so ganz miese Träume eingespielt. Richard David Precht wird mit mir jetzt diskutieren wollen, welches „Ich“ denn da wohl liegt, aber das lassen wir jetzt auch mal so stehen.

Anzeige

So ein Tag also.

Ich komme einigermaßen gut gelaunt aus der Mittagspause, da empfängt mich meine sonst immer sehr freundliche Assistentin mit düsterer Miene, wedelt mit einem gelbem Umweltschutzpapierbehördenumschlag und spricht mit Grabesstimme: „Ich bin geschockt.“

In Wirklichkeit macht sie keine Pause vor dem nächsten Satz, aber mein Gehirn rattert los. Was kann in dem Umschlag sein? Kompromittierende Fotos? Nein, aus dem Alter bin ich raus. Wobei – Blitzerfotos kommen mir in den Sinn, die beweisen könnten, dass ich rücksichtsloser Raserrowdy nicht nur meines, sondern auch die Leben armer, unschuldiger Witwen, Waisen und Wauwis gefährde. Aber nein, auch da war in letzter Zeit nichts, was sie „schocken“ könnte. Also was?

„Wir sind verklagt worden.“

Es gibt nicht nur so Tage, sondern auch so Momente. Momente, in denen dieses großartige Meisterwerk der Evolution, die Krone der Krone der Schöpfung sozusagen, nämlich unser Gehirn, in einem gewaltigen Kraftakt blitzartig Höchstleistungen vollbringt. Dies war bei mir so ein Moment. Ich sage: „Hä?“

Es stellt sich heraus, dass wir von einer Person verklagt wurden, weil wir sie angeblich wegen des Geschlechts, des Alters und der Herkunft diskriminiert hätten. Da wir uns in einem laufenden Verfahren befinden, lasse ich das mal so vage stehen. Spielt aber auch gar keine Rolle, wie wir später sehen werden.

Unser angebliches Vergehen: Wir hatten die Person nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Nicht, als wir 2007 nach Programmierern suchten, nicht 2011, als wir wieder nach Programmierern suchten, und auch nicht 2014, als – okay, Sie haben verstanden. Der für diese Person daraus einzig mögliche zu ziehende Schluss war dann: Die diskriminieren mich.

Drei Bewerbungen seit 2007

Nun war diese Person für die von uns ausgeschriebene Position schon im Jahr 2007 überhaupt nicht qualifiziert. Es gab zwar ein paar passende Buzzwords im Lebenslauf, aber Schwerpunkte und Dauer der Beschäftigung mit den für uns wichtigen Dingen waren eben nicht ausreichend. Sah man sofort. Auf jeden Fall hatten wir glücklicherweise etwas Auswahl an Bewerbern. Ein paar haben wir eingeladen und dann auch einen oder zwei eingestellt. 2011 und 2014: dieselbe Situation.

Und nun werden wir verklagt. Wegen Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Alter und Herkunft. In Kombination.

Zuerst haben wir uns gefragt: Kann es sein, dass wir tatsächlich etwas falsch gemacht haben? Nein, bestätigt mir meine sonst so freundliche Assistentin. Es ist tatsächlich so, wie wir auf unserer Webseite schreiben: Wir sind bunt, und das ist auch gut so. Bei uns haben gearbeitet oder arbeiten noch: Männer und Frauen in Voll- oder Teilzeit, mit deutscher, deutsch-russischer, deutsch-brasilianischer, rumänischer, chinesischer, iranischer und ruandischer Herkunft, von noch im Studium bis kurz vor der Rente. Selbst Leute aus Pinneberg und Borussia-Fans arbeiten bei uns.

Wir haben also, was Diskriminierung angeht, kein schlechtes Gewissen. Was hat diese Person für ein Problem?

AGG-Hopper: Anzeigen als Geschäftsmodell

Nach kurzer Internetrecherche bekommen wir es heraus: Wir haben es mit einem sogenannten „AGG-Hopper“ zu tun. AGG-Hopper sind Menschen, die sich auf Stellenanzeigen bewerben, um die Firmen, die sie dann ablehnen, unter fadenscheinigem Bezug auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) auf Schadensersatz zu verklagen.

Unser AGG-Hopper ist berühmt, meine Linksammlung zu der Person ist bald recht lang. Bis zum EuGH und zurück ist die Reise schon gegangen. Ersten Schätzungen nach hat diese Person ständig zehn bis zwanzig Verfahren zeitgleich laufen, später stellt sich heraus, dass es bis zu hundert sind.

Schnell entscheiden: Vergleich oder Gerichtskosten?

Die Auskunft einer der Kanzleien, die in dem Zusammenhang die Gegenseite unseres Hüpfers vertreten hat: „Herr Koller, ich kenne zwei Vorgehensweisen, wie die Firmen damit umgehen. Die einen fechten das aus. Die anderen machen eine betriebswirtschaftliche Abwägung und vergleichen sich sofort, das heißt, sie zahlen dem AGG-Hopper eine kleine Summe, damit er sie in Ruhe lässt.

Bei Arbeitsgerichtsprozessen zahlt in den ersten Instanzen jede Partei ihre eigenen Anwaltskosten, egal, ob die Klage gewonnen oder verloren wird. Ein paar tausend Euro Anwaltskosten kommen da auf jeden Fall zusammen, dazu die Zeit, die man damit verbringt. Da kann so ein Vergleich günstiger sein.“

Zeit für einen kurzen Disclaimer: Ich finde es gut, dass wir in einem Rechtsstaat leben. Ich finde es auch gut, dass Menschen, die wegen irgendetwas diskriminiert werden, sich juristisch dagegen zur Wehr setzen können. Ich finde es auch gut, dass sie dies auch wiederholt tun können.

Aber: Was mich total nervt, sind Typen, die im Prinzip gute Regeln missbrauchen, aus dem Missbrauch ein Geschäftsmodell machen, damit das ganze System belasten und es damit – und das ist für mich das Schlimmste – letzten Endes für die wirklich Schwachen und die, die wirklich die Unterstützung brauchen, versauen.

Bisher konnte mir noch niemand sagen, ob – und wenn ja: wie – man so einem Treiben legal ein Ende setzen kann, obwohl der Rechtsmissbrauch anscheinend offensichtlich ist. Es scheint erste Ansätze zu geben, diese Personen (es sind ein paar, die ein ähnliches Geschäftsmodell haben), von Amts wegen aus dem Verkehr zu ziehen, beziehungsweise die Klagen nicht mehr zuzulassen. Aber noch ist es nicht ausgestanden.

Wenn Sie ähnliche Erfahrungen gemacht und vielleicht einen besseren Ansatz zum Umgang damit gefunden haben als die beiden oben genannten, dann würde mich das sehr interessieren.

Ich halte Sie auf dem Laufenden, wenn es interessante Neuigkeiten gibt. Dass ein Vergleich für uns nicht infrage kommt, ist, glaube ich, klar geworden.

impulse-Akademie: Strategie & Inspiration für Ihr Unternehmen
12 Kommentare
  • Dr. Böhm 13. Oktober 2015 08:03

    AGG streichen. Jeder Waschlappen fühlt sich diskriminiert, wenn er nicht die Wunschstelle bekommt. Ich wäre gern Fußballprofi, hätte gern ein Millioneneinkommen, fette Autos, Sozialprestige… Wenn ich mich jetzt bei Bayen München bewerbe und die sagen mir ab, dann wahrscheinlich doch deshalb, weil ich 52 Jahre alt bin und noch nie Fußball gespielt habe.
    Soll ich dann wirklich klagen? Vermutlich würden mich dann selbst Gewerkschafter, Linkspolitiker und Arbeitsrichter (mit Recht) fragen, ob ich ganz klar im Kopf bin.
    Merkwürdigerweise gilt das bei anderen Jobs nicht, Personen ohne Berufserfahrung oder nach mehreren Kündigungen bewerben sich, werden abgelehnt und klagen. Sofort wird vermutet es liegt an Rasse, Geschlecht, Herkunft, Religion.
    Abgesehen davon: Warum wird einem Firmenchef das Recht genommen zu sagen: Das Gesicht, die Hautfarbe, der Akzent passt mir nicht und darum stelle ich die Person nicht ein? Wenn der Sachse keinen Schwaben mag (oder ihn nicht versteht) müßte das doch O.K. sein.
    Also weg mit dem unsinnigen Gesetz. Der Arbeitnehmer darf ja auch frei entscheiden wo er sich bewirbt.

  • Gastbeitrag71 9. Oktober 2015 14:40

    Es kann durchaus sein, daß sich hier Meinungsmacher tummeln. Was die Anwendbarkeit des AGGs und dessen Sinn und Zweck angeht, wurde das Gesetz seit dessen Inkrafttreten von „unseriöser Meinungsmache“ attackiert. Hervorgehoben hat sich hierbei die FAZ als legitimer Nachfolger der BILD-Zeitung. Scheinbar fallen hierauf auch einige leicht zu beeinflussenden Richter herein.

    Ich kann vorliegend nur vor zu viel Überheblichkeit warnen. Auch wir hatten mit der Klägerin schon zu tun und es ist keineswegs so, dass jedes ihrer Verfahren ein Selbstläufer sei. Sie hat es imemrhin schon zum EuGH gebracht. Zwar waren auch wir die „Glücklichen“, die eine Klage abwähren konnten. Ein Kollege aus einem Konkurrenzunternehmen berichtete mir doch, dass sie an die Klägerin EUR 7.000,- als Entschädigung zahlen mussten. Wie hoch die Anwalts -und Gerichtskosten waren, habe ich nicht erfragt.

    Wir haben jedenfalls unsere Lektion gelernt. Jemanden als AGG-Hopper zu stigmatisieren halte ich für fehlgeleitet. Sehr schön finde ich den Ansatz von „Huibert“. Ich denke, er dürfte mit seiner Einschätzung „gold-richtig“ liegen.

    Das wir tatsächlich überall Vollbeschäftigung haben und jeder eine Stelle finden kann ist i.Ü. ein Ammenmärchen. Die Agentur für Arbeit verfälscht seit Jahren für die Regierung die Zahlen. Angesichts der Behandlung der Flüchtlingsproblematik durch unsere Kanzlerin, scheint es so, als ob sie selber von diesen Manipulationen der Statistik nichts weiß

  • Helmut 8. Oktober 2015 16:53

    Für mich stellt sich bei den vorliegen Kommentaren die Frage „woher wissen diese Personen, dass es sich um eine weibliche Person handelt“. Im Text wird stets nur von “ Person “ ganz allgemein geschrieben! Handelt es sich um professionelle Meinungsmacher?

  • Huibert 8. Oktober 2015 14:26

    Schwer, dazu einen Kommentar zu schreiben. Aber ich will es versuchen.

    Diese Frau hat nicht (mehr) die innere Ruhe, eine Absage oder sogar ein Nichtreagieren einer Firma einfach wegzustecken und steigert sich dabei sogar in eine Anzeige.

    Entweder, das kann ich von vollkommen außen nicht beurteilen, ist sie jemand, der das, wie die bekannten Abmahnanwälte (die es als Spezies tatsächlich in sich geschlossen gibt), als Prinzip nutzt, etwas Geld zu verdienen … aber mal ehrlich. Wie viel wollte man damit verdienen, wenn man immer wieder mal im Vergleich ein paar Euros bekommt? Im Schnitt einen Hunni pro Monat? Zwei? Sogar drei? Wäre das diesen Stress und die Anwalts- und Gerichtsgänge wert? Da lohnen doch Abmahnungen von Tonträger-Anwälten mehr … aber dazu bedarf es einer Kanzlei und eines „Geschädigten“, der dazu das ok gibt.

    Oder aber sie ist in einer seelischen Situation, dass sie gar nicht anders kann, als mit dieser kämpferischen Verbitterung gegen ihr angefühltes Unrecht anzugehen. Das ist allerdings bedauernswert und es wäre gut, wenn sie da Hilfe suchen würde.

    Dieser Chef dagegen lehnt sich recht behäbig und Ironie verbreitend, um Zustimmung heischend, souverän in die Runde der Impulse-Unternehmer nickend, zurück und genießt geradezu seine Coolness, diesem (hier kommt das dann neu gelernte Stichwort xy-Hopper) seinen ironischen Stinkefinger, natürlich das alles über den Dingen schwebend, zu zeigen.

    Diese Frau täte gut daran, das Leben an sich heranzulassen und zu versuchen, ihre Verbitterung zu überwinden.

    Dieser Chef täte gut daran, die Welt draußen mehr wahrzunehmen. Dazu gehört auch, die Verzweiflung der Menschen, die, oft seit Jahren, einen Job suchen … nicht mehr daran glauben … und dann auch in die Falle des „alle Chefs wollen mir nur Böses“ tappen.

    Eine gut laufende Firma ist ein wenig wie ein Reservat.
    Man merkt nicht mehr die Brandung, die außen tost.

  • Peter Flu 8. Oktober 2015 13:48

    Über die beiden Kommentare von „FieseFriede“ und „Gast79“ kann man nur den Kopf schütteln. Erst lasen sich die Texte wie geschrieben von „Forenknechten“ gewisser Gewerkschaften oder ultralinker Parteien. Aber selbst die hätten vermutlich mehr Wissen in die Kommentare gepackt.

    Wer (angeblich) seit 2007 keinen Job findet – trotz aktuell boomender Konjunktur – oder bereits mehrere Jobs zwischenzeitlich verloren hat, wird wohl kaum wegen Herkunft oder Religion diskriminiert, sondern eher wegen miserabler Arbeitsqualität, fehlendem Wissen oder fragwürdiger Motivation – und das ist in der Marktwirtschaft auch gut so.

    Wir hatten ebenfalls mehrfach AGG-Hopper – teilweise sogar studiert. Da wir im Arbeitgeberverband sind (kann ich nur jedem Arbeitgeber empfehlen; Mitgliedbeitrag für KMU im dreistelligen, maximal unteren vierstelligen Bereich p.a.; Nutzen gigantisch, weil Flatrate bei Arbeitsgerichtsverfahren), haben wir es in jedem Fall auf einen Prozess ankommen lassen und auch die gütliche Einigung konsequent abgelehnt.

    Es war ein Fest: Im Gerichtssaal haben wir vor den Augen und Ohren der Richterin bzw. des Richters jeweils ein Mini-AC mit dem angeblich hochqualifizierten Bewerber durchgespielt. Er konnte nichts, wirklich nothing. Dann war es auch egal, ob die 3 M’s vorlagen (= Migrationshintergrund, Moslem und allein erziehende Mutter).

    Mein Rat: Führen Sie die angeblich Diskriminierten vor. Laden Sie per Pressemitteilung die Lokalpresse ein. Die kam bei uns dreimal wirklich – und hat berichtet. Dann merken auch die (eher linken) Arbeitsrichter, dass die Personen sich selbst diskriminieren – durch miserable Leistung, große Klappe, maximalem Gehaltsprofil bei minimaler Leistung und Motivation.

    Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Dumm nur, dass bei unseren 7 (in Worten: sieben) AGG-Verfahren, keine einzige dabei war.

    So liebe „Forenknechte“, jetzt dürft Ihr ordentlich schimpfen.

    • LuckyDuke 8. Oktober 2015 19:29

      sehr gut gemacht/geschrieben!

  • Laura Müller 8. Oktober 2015 13:08

    Sehr geehrter Herr Koller,

    ich würde Ihnen sehr gerne ein Tempotaschentuch schicken, um Ihre Tränen zu trocknen.

    Allein Ihrer Überschrift ist schon zu entnehmen, dass Sie offenbar lediglich wie ein „Lemming“ der öffentlichen Meinung Ihres Standes bzw. Ihrer Verbände hinterhertrotten.

    Anders wäre nicht zu erklären, wie Sie auf die Idee kommen, dass Sie von einer „AGG-Hopperin“ „angezeigt“ worden sind. Entgegen vieler anderer Länder verfolgt in Deutschland nämlich nicht der Staat „Diskriminierer“, sondern der Einzelne selbst muss dies vornehmen. Dies bedeutet, dass es am Einzelnen seiner Mühe, seinem Enthusiamus und seinem Geldbeutel liegt, dass Diskriminierungen aufgedeckt und verfolgt werden.

    Wenn Sie die europarechtlichen Vorgaben zum Diskriminierungsschutz nicht beachten wollen bzw. sich dem nicht aussetzen wollen, steht es Ihnen frei, das Unionsgebiet zu verlassen und in einem Land Ihren Betrieb zu führen, in dem es keinen Diskriminierungsschutz gibt. Der Schutz vor Diskriminierung ist ein Menschenrecht und es pervertiert unsere Rechtsordnung, dass Menschen an den Pranger gestellt werden, wenn sie sich gegen Diskriminierung zur Wehr setzen.

    Wenn Sie niemanden diskriminiert haben, dann verstehe ich Ihr Problem nicht. Dass sie es offensichtlich als Majestätsbeleidigung empfinden, sich hiergegen zur Wehr setzen zu müssen, verstehe ich nicht. Ich rege an, dass Sie sich von den gängigen Presseartikeln zu diesem Thema nicht manipulieren lassen. Diese Presseartikel verfolgen ein diffamierendes Ziel und entsprechen nicht der weitläufigen Meinung unserer Bevölkerung.

  • Nico Bischoff 7. Oktober 2015 22:54

    Von solchen Menschen gibt es leider zu viele. Wenn man als Bewerber abgelehnt wird hat das meist echte Gründe. Und wenn ein Unternehmer der Meinung bin das ich nicht der richtige bin, dann ist das leider so. Kein Grund zu Klagen ! Allerdings ist in Sachen Menschlichkeit bei einigen Chef ’s noch Luft nach oben.

  • Gast79 6. Oktober 2015 11:33

    Man sollte vorsichtig mit der Bezeichnung als „AGG-Hopper“ sein, denn nur weil ein paar unseriöse Presseunternehmen gegen eine Klägerin „hetzen“, heißt dies noch lange nicht, dass dies auch der Wahrheit entspricht. Das Wort „AGG-Hopper“ ist ohnehin nur eine Erfindung eines Arbeitsrichters aus Potsdam und wird zwischenzeitlich versucht, auf jede AGG-Klage wegen einer abgelehnten Bewerbung anzuwenden.

    Vielleicht sind Sie anwaltlich auch nicht so gut beraten, wenn Ihnen die Alternativen „Prozess“ oder „Vergleich“ vorgerechnet werden. Vor den Arbeitsgerichten müssen Sie sich nicht anwaltlich verteten lassen. Sie können auch selbst dort hingehen und müssen dann keinen Rechtsanwalt bezahlen. Dann können Sie dort ihre Argumente vortragen.

    Das AGG wurde ins Leben gerufen, um bestehende gesellschaftliche Missstände auch im Bereich der Einstellungsdiskriminierung zu beseitigen. Jeder „Personaler“ wird Ihnen ( hinter vorgehaltener Hand) bestätigen, dass diese Missstände bei der Bewerberauswahl tatsächlich flächendeckend fortbestehen.

    Wenn Sie darlegen, dass es „Ansätze“ gäbe, AGG-Kläger von Amts wegen aus dem Verkehr zu ziehen, dann ist dieser Satz sehr bemerkenswert. Unionsweites Ziel ist es, für einen diskriminierungsfreien Zugang zum Erwerbsleben zu sorgen und diejenigen zu sanktionieren, die diskriminieren. Ich halte es geradezu für „pervers“, dass diejenigen aus dem Verkehr gezogen werden sollen, die sich auf das Gesetz berufen.

    Wenn Sie also niemanden diskriminiert haben und auch keine „Angriffsflächen“ für Diskriminierung geschaffen haben, dann gehen Sie doch ganz entspannt zum Arbeitsgericht. Lassen Sie Ihren Rechtsanwalt daheim, denn den müssten Sie tatsächlich selbst bezahlen

  • FieseFriede 6. Oktober 2015 10:54

    Sehr rührselige Geschichte. Da kehrt ein Unternehmer, der sich für den Quell des Guten hält, von der Mittagspause zurück und muss die Folter der Nachricht einer Klage über sich ergehen lassen. Der Schock sitzt tief, eine Reihe von Psychotherapie-Stunden werden nötig sein, um dieses Verbrechen zu verarbeiten. Mein Mitleid, Herr Koller, hält sich dennoch in Grenzen. Aus folgenden Erwägungen:

    Wenn die böse Frau es nur aufs Geld abgesehen hat, warum verklagte Sie sie nicht bereits 2007 oder 2011, sondern wartete insgesamt sieben Jahre, um Ihr Paradies für Frauen, Ausländer und Alte zu verklagen? Und was für ein Geschäftsmodell soll das sein, wenn man in jedem von Frau M. erstrittenem Urteil nachlesen kann, dass sie nichts bekommen hat? Spricht da der Unternehmer aus Ihnen oder nicht doch entgegen aller Beteuerungen ein Feind des Rechtsstaates?

    Frau M. versucht seit Jahren verzweifelt einen Job zu erhalten. Der Umstand, dass meist keine Indizien für eine Diskriminierung wegen des Alters oder der Herkunft zu Tage treten, bedeutet nicht, dass sie nicht tatsächlich diskriminiert wird. Sie kann es vor Gericht nur nicht nachweisen. Fernliegend ist jedenfalls nicht, dass ältere Menschen, zumal ausländischer Herkunft, diskriminiert werden. Diese Frau ist die „wirklich Schwache die, die wirklich die Unterstützung braucht“.

    Wenn selbst Borussia-Fans bei Ihnen arbeiten, dann bieten Sie der Frau einfach einen Job, den sie gerne hätte, an. Das hätte zwei Vorteile: Sie müssten kein Gerichtsverfahren führen und andere Arbeitgeber würden nicht mehr verklagt. Aber irgendetwas sagt mir, dass Sie sich lieber als Opfer stilisieren (es ist das ganz normale Unternehmerrisiko verklagt zu werden; nichts Anrüchiges ist dabei), statt wirklich etwas Gutes zu tun.

    • LuckyDuke 8. Oktober 2015 19:25

      wahrscheinlich wurde sie über Jahre aufgrund von Unfähigkeit diskriminiert, die arme…

    • Kantig 22. Oktober 2015 00:08

      Bei aller Nächstenliebe, wer will welchem Arbeitgeber vorschreiben wen er zum Vorstellungsgespräch einlädt? Wie im Artikel erwähnt, reist er oder sie auf diese Tour. Das vielleicht auch noch mittels Prozesskostenhilfe auf Kosten Aller?

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.