Arbeitsvertragsrecht 3 Mythen rund um den Arbeitsvertrag

Sobald er unterschrieben ist, gilt der Arbeitsvertrag - egal, ob alle Klauseln rechtens sind. Oder etwa nicht?

Sobald er unterschrieben ist, gilt der Arbeitsvertrag - egal, ob alle Klauseln rechtens sind. Oder etwa nicht?© B. Wylezich/Fotolia

Wird eine unwirksame Klausel im Arbeitsvertrag mit der Unterschrift eigentlich gültig? Um den Arbeitsvertrag ranken sich viele Mythen. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht klärt die drei wichtigsten auf.

Mythos 1: Eine unwirksame Klausel im Vertrag wird mit der Unterschrift gültig.

Arbeitsverträge sind oft komplexe Schriftstücke. Da kann es passieren, dass aus Versehen eine veraltete oder unzulässige Formulierung übernommen wird. Entdeckt einer Ihrer Mitarbeiter eine Klausel in seinem Vertrag, die er für unzulässig hält, ist die Aufregung oft groß. Wird sie etwa automatisch wirksam, wenn man den Vertrag unterschreibt? Normalerweise können Sie Ihren Mitarbeiter in diesem Fall beruhigen. Eine unwirksame Klausel im Arbeitsvertrag gilt in der Regel einfach nicht, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Berlin.

Ein Beispiel: Der Mitarbeiter wird per Arbeitsvertrag verpflichtet, eine Vertragsstrafe von drei Monatsgehältern zu zahlen, falls er den Vertrag vorzeitig kündigt. Die Höhe so einer Strafe sei unzulässig, sagt Bredereck. Unterschreibt Ihr Mitarbeiter den Vertrag trotzdem, gilt die Klausel nicht.

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Mythos 2: Der Verzicht auf die Probezeit führt zum Kündigungsschutz.

Neue Mitarbeiter wünschen sich häufig sofort Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz und hoffen, dies durch einen Verzicht auf die Probezeit zu erreichen. Das ist jedoch ein Irrtum. Probezeit und Kündigungsschutz sind zwei verschiedene Dinge, erläutert Bredereck.

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Kündigungsschutz bestehe immer erst, wenn das Arbeitsverhältnis seit sechs Monaten besteht. Falls Ihr Mitarbeiter tatsächlich einen Kündigungsschutz vom ersten Tag an genießen soll, müssten Sie dies separat vereinbaren. Mit der Probezeit hat das nichts zu tun.

Mythos 3: Arbeitsverträge gelten nur schriftlich.

Viele glauben, ein Arbeitsvertrag gilt nur dann, wenn er schriftlich abgeschlossen wurde. Wenn Sie also einem Mitarbeiter eine zusätzliche Aufgabe mit einer zusätzlichen Vergütung übertragen – etwa eine Leitungsposition – und das noch nicht im Arbeitsvertrag steht, sind Sie laut Bredereck an Ihr Versprechen gebunden. Es gebe bei Arbeitsverträgen keine Schriftformerfordernis. Die Schriftform diene vor allem Beweiszwecken. Damit die Vereinbarung gültig ist, brauche es nicht zwingend einen Arbeitsvertrag.

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