Erreichbarkeit im Urlaub und nach Feierabend Wann Mitarbeiter in der Freizeit ans Telefon gehen müssen

Dürfen Mitarbeiter aus dem Feierabend oder Urlaub zurückgeholt werden, wenn es einen Notfall im Unternehmen gibt? Zur Erreichbarkeit von Mitarbeitern nach Feierabend oder im Urlaub gibt es einige Regeln, die Arbeitgeber beachten müssen.

Dürfen Mitarbeiter aus dem Feierabend oder Urlaub zurückgeholt werden, wenn es einen Notfall im Unternehmen gibt? Zur Erreichbarkeit von Mitarbeitern nach Feierabend oder im Urlaub gibt es einige Regeln, die Arbeitgeber beachten müssen.© andrafoto / photocase.de

Müssen Mitarbeiter erreichbar sein, wenn der Chef nach Feierabend oder im Urlaub anruft? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wenn am Abend oder in der Urlaubszeit Probleme im Unternehmen auftreten, stellt sich für Chefs immer wieder die Frage: Soll ich meinen Mitarbeiter anrufen, damit er sich der Sache annehmen kann? Darf ich das überhaupt? Und muss er dann auch ans Telefon gehen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Erreichbarkeit von Arbeitnehmern nach Feierabend und im Urlaub.

Müssen Mitarbeiter nach Feierabend erreichbar sein?

Grundsätzlich gilt: In der Regel sind Arbeitnehmer nicht verpflichtet, Anrufe nach Feierabend anzunehmen, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Arbeitnehmer schulden ihrem Chef keine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit. Eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag, die das von Mitarbeitern fordert, sei unwirksam, sagt Bredereck. Laut Arbeitszeitgesetz darf die werktägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Diese darf auf maximal zehn Stunden verlängert werden – aber nur, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder von 24 Wochen durchschnittlich nicht mehr als acht Stunden werktäglich gearbeitet wird.

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Nicht selten fühlen sich Beschäftigte aber dazu verpflichtet, nach Feierabend ans Telefon zu gehen, wenn der Chef anruft. Was als Kompromiss helfen könnte, sind klare Absprachen – zum Beispiel, dass der Arbeitgeber einen nur in bestimmten Notfällen anruft, die man konkret umreißt. Wenn es konkrete Absprachen in einem rechtlich zulässigen Rahmen für einen Anruf in einem bestimmten Zeitfenster gibt, sollten Mitarbeiter dann auch erreichbar sein, sagt Bredereck.

Was gilt für Führungskräfte?

Die Frage der Erreichbarkeit nach Feierabend hängt aber auch von der Position im Unternehmen ab. Von Angestellten mit viel Verantwortung könne man durchaus erwarten, dass sie auch nach Dienstschluss in Notfällen erreichbar sind, erklärt der Arbeitsrechtler. Dies stehe so explizit meistens nicht in Arbeitsverträgen. Es ergebe sich aber indirekt aus der Stellenbeschreibung und einer entsprechend hohen Vergütung.

Welche Ausnahmen gibt es noch?

Klar ist der Fall zum Beispiel bei Bereitschaftsdiensten: Da ist Erreichbarkeit Pflicht. Diese Dienste werden aber auch vergütet und gelten als Arbeitszeit, sagt Bredereck.

Was gilt im Hinblick auf die Erreichbarkeit im Urlaub?

Im Urlaub erreichbar zu bleiben, darf der Arbeitgeber nicht von seinen Mitarbeitern verlangen – auch nicht von den Führungskräften. Schließlich soll Urlaub der Erholung dienen – und die kann sich nicht recht einstellen, wenn sich der Chef jederzeit melden kann. Das hat auch das Bundesarbeitsgericht bestätigt: Demzufolge darf der Arbeitgeber nur bei „zwingenden Notwendigkeiten, welche einen anderen Ausweg nicht zulassen“ anrufen (Az. 9 AZR – 405/99). „Betriebliche Engpässe allein reichen hierfür sicher nicht, es müsste sich schon um eine Art Existenzbedrohung des Arbeitgebers handeln, die nur der Arbeitnehmer abwenden kann“, sagt Bredereck.

Hierbei spielt es übrigens keine Rolle, ob der Arbeitnehmer zuhause auf dem Balkon oder unter Palmen in der Karibik in der Sonne liegt. Mitarbeiter müssten ihre Freizeit uneingeschränkt selbstbestimmt nutzen können. „Das ist dann nicht gewährleistet, wenn der Arbeitnehmer trotz der Freistellung ständig damit rechnen muss, zur Arbeit abgerufen zu werden“, schrieben die Richter in ihrer Urteilsbegründung.

Das gilt allerdings nur für die Zeit, in der Mitarbeiter ihren gesetzlichen Mindesturlaub genommen haben (Bundesarbeitsgericht, Az. 9 AZR – 405/99). Laut Bundesurlaubgesetz (§ 3 Abs. 1 BurlG) haben Arbeitnehmer, die an fünf Tagen pro Woche arbeiten, Anspruch auf mindestens 20 Arbeitstage Urlaub (bei einer 6-Tage-Woche 24 Arbeitstage). Der darüber hinausgehende Urlaub ist in der Regel in Arbeits- oder Tarifverträgen vereinbart und beträgt meist zwischen 25 und 30 Tagen. Während vertraglich vereinbarter Urlaubstage dürfen Mitarbeiter sehr wohl aus dem Urlaub zurückgerufen werden. Wer hier Streit vermeiden will, muss daher vorher mit seinem Mitarbeiter klären, ob ein anstehender Urlaub nun der gesetzliche Mindesturlaub oder der vertragliche Urlaub ist.

Muss das Diensthandy im Urlaub anbleiben?

Auch das würde dem Urlaubszweck nach dem Bundesurlaubsgesetz widersprechen, wenn sich der Mitarbeiter dadurch gestört fühlt. Im Normalfall darf das Handy im Urlaub also ausgeschaltet bleiben. Das gleiche gilt für Emails oder Kurznachrichten, die darf man ignorieren.

 

1 Kommentar
  • Derek Finke 31. Juli 2016 13:16

    Vorausschauende Unternehmer sorgen dafür, dass ihre Mitarbeiter im Urlaub im Urlaub sind. Und für die dann eingehenden Telefonate kann man einen professionellen Dienstleister engagieren, der für übersichtliches Geld dafür sorgt, dass Kunden dennoch ihre Fragen und Probleme los werden können.

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