Krankschreibung Irrtümer rund um Krankschreibungen: Wir klären auf!

Rund um die Krankschreibung von Mitarbeitern gibt es viele Mythen.

Rund um die Krankschreibung von Mitarbeitern gibt es viele Mythen.© gpointstudio - Fotolia.com

Rund um die Krankschreibung kursieren viele Mythen. Aber was stimmt tatsächlich - und was ist Unsinn? Und was müssen Arbeitgeber beachten?

Ein Mitarbeiter, der krankgeschrieben ist, darf nicht vorzeitig zur Arbeit zurückkommen.

Irrtum! „Ein Mitarbeiter darf natürlich schon früher zurückkommen, wenn er wieder gesund ist“, sagt Alexander Birkhahn, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Dornbach. Er muss sich dann übrigens auch nicht gesundschreiben lassen. „Der Arzt bescheinigt ja nur die voraussichtliche Arbeitsunfähigkeit – und eine Gesundschreibung gibt es gar nicht.“

Muss er sogar zur Arbeit zurückkommen, wenn er wieder arbeitsfähig ist?

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„Wenn er wieder arbeitsfähig ist, muss er auch wieder zur Arbeit erscheinen“, sagt Birkhahn. „Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gibt nur die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit an – endet diese tatsächlich früher, gelten die wahren Verhältnisse.“

Und wenn er nur ganz wenige Stunden arbeiten kann?

„Arbeitsfähigkeit bedeutet die volle Arbeitsfähigkeit“, sagt Arbeitsrechtler Birkhahn. „Wenn man noch keine acht Stunden arbeiten kann, sondern nur zum Beispiel drei, ist man noch nicht arbeitsfähig.“ Eine Teilarbeits(un)fähigkeit gibt es im deutschen Recht nicht.

Darf ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter auch wieder nach Hause schicken, wenn er ihn noch nicht für arbeitsfähig hält – auch gegen seinen Willen?

Das darf er natürlich schon. „Wenn der Arbeitnehmer nach sechs Wochen zurückkommt und sagt: Ich bin jetzt wieder fit. Der Arbeitgeber das aber anders sieht und ihn wieder nach Hause schickt, kann es aber kritisch werden“, sagt Birkhahn. „Denn wenn der Arbeitnehmer in Wahrheit arbeitsfähig war, muss der Arbeitgeber das Gehalt für diese Zeit zahlen – obwohl die Zeit der Lohnfortzahlung eigentlich vorbei ist.“

Andererseits: Wer einen arbeitsunfähigen Arbeitnehmer einsetzt, verstößt damit möglicherweise gegen seine Fürsorgepflicht und kann sich sogar schadensersatzpflichtig machen, falls ein Unfall passiert.

Wann muss er dem Mitarbeiter verbieten, vorzeitig zur Arbeit zurückzukommen?

Wenn eine Gefährdung eintreten würde – für den Arbeitnehmer selbst oder andere Mitarbeiter. Wenn dem Arbeitnehmer zum Beispiel noch schwindelig ist und eine erhöhte Unfallgefahr besteht, sollte der Arbeitgeber ihn wieder nach Hause schicken. „Wenn etwas passiert, hat der Arbeitgeber ein Problem“, sagt Birkhahn.

Der Arbeitnehmer muss immer erst ab dem dritten Tag eine Krankschreibung vorlegen.

Ist der Mitarbeiter krank und arbeitsunfähig, muss er den Arbeitgeber unverzüglich darüber informieren (etwa telefonisch spätestens zu Beginn der Arbeitszeit am ersten Tag der Erkrankung). Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage, hat der Mitarbeiter zusätzlich eine von einem Arzt ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen. Der Arbeitgeber darf die Vorlage aber auch schon am ersten Tag der Erkrankung verlangen – unabhängig davon, ob der Verdacht einer vorgetäuschten Erkrankung besteht (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14. November 2012 – 5 AZR 866/11).

Diese Anzeige- und Nachweispflichten bei Erkrankung sind im Entgeltfortzahlungsgesetz in Paragraf 5 vorgeschrieben. Ziel des Gesetzes ist es, Missbrauch zu bekämpfen und den Arbeitgeber über den Eintritt und die Dauer einer Arbeitsverhinderung zu informieren, damit dieser entsprechend planen kann.

Wenn ein Arbeitnehmer krankgeschrieben ist, kann man ihm nicht kündigen.

Irrtum! Arbeitsunfähigkeit ist kein Kündigungsschutz – einem krankgeschriebenen Arbeitnehmer kann der Arbeitgeber daher unter denselben Voraussetzungen kündigen wie alle anderen. Und nicht nur das: Angestellte können sogar gekündigt werden, WEIL sie krank sind. Häufige kurze Erkrankungen kommen für eine Kündigung wegen Krankheit ebenso in Frage wie chronische Erkrankungen.

Mehr als sechs Wochen Fehlzeiten im Kalenderjahr wegen Krankheit können als kündigungsrelevant angesehen werden, wie das Landesarbeitsgericht Mainz 2011 darlegte (Az.: 5 Sa 152/11). „Vorher ist es auf keinen Fall möglich“, sagt Arbeitsrechtler Birkhahn. Entscheidend für eine gerichtsfeste krankheitsbedingte Kündigung ist jedoch eine negative Gesundheitsprognose: Das Gericht muss davon ausgehen, dass beim Arbeitnehmer auch weiterhin oder regelmäßig mit Fehlzeiten zu rechnen ist. Außerdem muss durch die Krankheit eine betriebliche Belastung vorhanden sein. Eine Rolle spielt auch, wie lange der Mitarbeiter bereits im Unternehmen beschäftigt ist und ob er eine Familie hat oder alleinstehend ist.

Wer krankgeschrieben ist, darf nicht das Haus verlassen oder ins Kino gehen.

Irrtum! Mitarbeiter, die krankgeschrieben sind, dürfen sehr wohl das Haus verlassen – schließlich  müssen sie sich beispielsweise etwas zum Essen kaufen oder in der Apotheke Medikamente besorgen.

Darüber hinaus sind aber nicht nur notwendige Besorgungen erlaubt, sondern auch Freizeitvergnügen – so lange sie die Heilung nicht verzögern. „Wenn das nicht der Fall ist, kann der Mitarbeiter während der Arbeitsunfähigkeit machen, was er will“, sagt Birkhahn. Ein Mitarbeiter mit Gipsarm darf also durchaus ins Kino gehen. Anders sieht es aus, wenn der Arbeitnehmer etwa für die Konkurrenz arbeitet oder nächtelang durch die Kneipen zieht – das fällt dann womöglich unter Krankfeiern.

Wie hoch die Hürden für den Arbeitgeber hierbei sind, illustriert ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln aus dem Jahr 2011. Ein Kfz-Prüfingenieur war im Fitnessstudio gesehen worden, während er wegen eines grippalen Infekts krankgeschrieben war. Dennoch erklärte das Gericht die Kündigung seines Arbeitgebers für unwirksam (LAG Köln, 9 Sa 1581/10). „Die Gerichte sind da – das muss man sagen – sehr arbeitnehmerfreundlich“, sagt Birkhahn.

Arbeitnehmer dürfen nicht direkt nach Ende der Krankschreibung in den Urlaub gehen.

„Das ist Unsinn“, sagt Birkhahn. „Wenn der Urlaub genehmigt ist, kann der Mitarbeiter auch direkt nach einer Krankheit seinen Urlaub antreten.“

Lässt sich ein Arbeitnehmer im Urlaub krankschreiben, hat das keine Auswirkungen.

Irrtum. Kann der Arbeitnehmer eine Krankschreibung vorlegen, derzufolge er arbeitsunfähig war, gilt der Urlaub in den Tagen der Krankheit als nicht angetreten. Der Arbeitgeber muss ihn zu einem anderen Zeitpunkt gewähren. So steht es in Paragraf 9 im Bundesurlaubsgesetz.

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