Krankmeldung Diese Rechte haben Arbeitgeber, wenn Mitarbeiter krank sind

Der Mitarbeiter schnieft und fiebert und ist deswegen krankgeschrieben? Ein Recht, nach dem Grund der Krankmeldung zu fragen, hat der Arbeitgeber jedoch nicht.

Der Mitarbeiter schnieft und fiebert und ist deswegen krankgeschrieben? Ein Recht, nach dem Grund der Krankmeldung zu fragen, hat der Arbeitgeber jedoch nicht.© jokebird / photocase.de

Die Zahl der Krankschreibungen steigt auf ein neues Rekordhoch. Das ist nicht nur unschön für kranke Mitarbeiter, sondern auch für deren Chefs. Diese Rechte rund ums Thema Krankmeldung sollten Arbeitgeber kennen.

Die Krankschreibungen in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2016 eine Rekordmarke erreicht. Nach einer Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit lag der Krankenstand bei 4,4 Prozent – 0,3 Prozentpunkte höher als im ersten Halbjahr 2015.

Mehr als jeder dritte Berufstätige (37 Prozent) wurde demnach mindestens einmal krankgeschrieben. Im Schnitt dauerte eine Erkrankung 12,3 Tage. Dabei war die Zahl der Krankheitstage unter Berufstätigen in den östlichen Bundesländern mit zehn Fehltagen pro Arbeitnehmer deutlich höher als im Westen mit knapp 7,6 Krankheitstagen.

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Für die kranken Arbeitnehmer ist das bitter – für deren Arbeitgeber allerdings auch. Welche Rechte haben sie, wenn ihre Mitarbeiter wegen Krankheit fehlen?

Wie schnell muss ein Mitarbeiter seinen Arbeitgeber über seine Krankheit informieren?

Ist der Mitarbeiter krank und kann nicht arbeiten, dann muss er seinem Arbeitgeber unverzüglich Bescheid geben – spätestens aber bis zu Beginn seiner Arbeitszeit am ersten Krankheitstag. Die Krankmeldung kann per Telefon erfolgen.

Ab wann kann der Arbeitgeber ein ärztliches Attest verlangen?

Grundsätzlich muss der Mitarbeiter eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen, wenn er länger als drei Tage nicht arbeiten kann.

Kann der Arbeitgeber schon früher eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen?

Ja – sogar bereits am ersten Tag der Krankheit und zwar unabhängig davon, ob er den Verdacht hegt, dass der Mitarbeiter die Erkrankung nur vortäuscht (BAG, Az: 5 AZR 866/11). Aber: Wenn der Arbeitgeber generell anordnet, dass ein Krankenschein bereits früher eingereicht werden muss, dann braucht er die Zustimmung des Betriebsrats.

Kann ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter kündigen, wenn dieser häufig krank ist?

Ja. Dass eine Krankheit zu einem Kündigungsschutz führt, gehört zu den weit verbreiteten Irrtümern rund ums Thema Krankschreibung. Arbeitgeber können kranken Mitarbeitern unter denselben Voraussetzungen kündigen wie andere Mitarbeiter auch.

Aber auch die Krankheit an sich kann ein legitimer Kündigungsgrund sein. Fehlt ein Mitarbeiter mehr als sechs Wochen im Jahr wegen Krankheit, kann dies als kündigungsrelevant betrachtet werden.

(Ein entsprechendes Urteil fällte das Landesarbeitsgericht Main, Az.: 5 Sa 152/11). Eine Kündigung wegen Krankheit ist allerdings nur möglich, wenn der Mitarbeiter eine negative Gesundheitsprognose hat, also immer wieder krankheitsbedingte Fehlzeiten zu erwarten sind. Zudem muss die Krankheit des Mitarbeiters nachgewiesenermaßen zu einer betrieblichen Belastung führen. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel: „Kündigung wegen Krankheit: Was tun, wenn ein Mitarbeiter dauernd ausfällt?“

Darf der Arbeitgeber Auskunft über die Art der Erkrankung verlangen?

Der Arbeitnehmer muss dem Arbeitgeber nicht im Detail mitteilen, woran er erkrankt ist – das ist Privatsache. Sehr wohl muss der Mitarbeiter aber vor einem Arztbesuch subjektiv einschätzen, wie lange seine Erkrankung dauern könnte. Nach dem Arztbesuch muss er die Prognose des Arztes, wie lange die Arbeitsunfähigkeit andauert, dem Arbeitgeber mitteilen.

Ein Mitarbeiter ist zwei Wochen krankgeschrieben, aber nach einer Woche wieder fit. Muss er wieder zur Arbeit kommen?

Ja. Wer arbeitsfähig ist, muss auch zur Arbeit kommen. Es gelten die wahren Verhältnisse.

Kann der Arbeitgeber ein Attest anzweifeln?

Ja. Hat der Arbeitgeber den Eindruck, dass das ärztliche Attest nur eine Gefälligkeitsbescheinigung ist, so kann er den Mitarbeiter abmahnen oder ihm sogar kündigen. Welche Voraussetzungen dafür nötig sind, erfahren Sie in unserem Artikel „Krankfeiern: Diese Rechte haben Arbeitgeber bei Verdacht auf Blaumachen“.

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