Kündigung wegen Krankheit Was tun, wenn ein Mitarbeiter dauernd ausfällt?

Schon wieder eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung? Bei mehr als sechs Wochen Fehlzeit im Jahr kann eine Kündigung wegen Krankheit gerechtfertigt sein - allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

Schon wieder eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung? Bei mehr als sechs Wochen Fehlzeit im Jahr kann eine Kündigung wegen Krankheit gerechtfertigt sein - allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.© Matthias Buehner / Fotolia.com

Ist ein Mitarbeiter ständig krank, sorgt das für Unmut im Team. Was Arbeitgeber in einem solchen Fall tun können – und wann eine Kündigung wegen Krankheit gerechtfertigt ist.

„Der ist schon wieder krank?“ – Mitarbeiter sind oft nicht begeistert, wenn ein Kollege dauernd ausfällt. Wenn sie dann deswegen auch noch Überstunden schieben müssen, ist das Gemurre schnell groß. Damit nun die Stimmung nicht kippt, ist der Chef gefragt. Kommunikationsberaterin Sabine Neuwirth gibt drei Tipps.

Rasch ansprechen
Viele Vorgesetzte hätten die Tendenz, das Problem auszusitzen, denn ein Gespräch mit dem betroffenen Kollegen sei unangenehm. Das delegiere jedoch die Verantwortung für das Problem an das Team. „Das Team allein kann so etwas nicht lösen”, sagt Neuwirth. Wichtig sei, dass der Vorgesetzte vorangeht – fehlende Führung demotiviere die Abteilung.

Anzeige

Unterstützung anbieten
Wirth rät, dass der Chef dem Mitarbeiter, der ständig krank ist, in einem Gespräch zunächst einmal Unterstützung anbietet. Was können er oder die Kollegen machen, damit sich die Situation ändert? Möglicherweise gibt es Probleme im Team, die der Chef lösen kann. In vielen Fällen bringt das schon eine Verbesserung. Häufig kommt dabei auch heraus, dass der Kollege gerade etwa private Probleme hat, dass das aber eine Phase ist, die irgendwann auch enden wird.

Transparent machen
In einem dritten Schritt sollte der Vorgesetzte dann das Team mitnehmen. Hier ist es gut, wenn er von dem Mitarbeiter die Zustimmung erhält, die Gründe für die vielen Fehltage in der Abteilung zu kommunizieren. Denn muss jemand zum Beispiel gerade einen kranken Angehörigen pflegen und ist an der Belastungsgrenze, haben viele Kollegen Verständnis und unterstützen denjenigen. Chefs sollten dann klarmachen: „Wir müssen zusammenhalten und das geht bis dann und dann”, sagt Wirth. Wichtig sei, den Teamgeist hochzuhalten.

Wann ist eine krankheitsbedingte Kündigung möglich?

In einigen Fällen jedoch lässt sich das Problem durch klärende Gespräche nicht aus der Welt schaffen: Der Mitarbeiter fällt weiterhin ständig aus, die Stimmung im Team sinkt auf den Nullpunkt und der Arbeitgeber ärgert sich, weil er Lohn zahlen muss, aber keine Arbeitsleistung erhält.

Häufige kurze Erkrankungen kommen für eine Kündigung wegen Krankheit ebenso in Frage wie chronische Erkrankungen. Mehr als sechs Wochen Fehlzeiten im Kalenderjahr wegen Krankheit können als kündigungsrelevant angesehen werden, wie das Landesarbeitsgericht Mainz 2011 darlegte (Az.: 5 Sa 152/11). Entscheidend für eine gerichtsfeste krankheitsbedingte Kündigung ist jedoch eine negative Gesundheitsprognose: Das Gericht muss davon ausgehen, dass beim Arbeitnehmer auch in Zukunft mit Fehlzeiten von mehr als sechs Wochen im Jahr zu rechnen ist.

Aus diesem Grund wies das Bundesarbeitsgericht im Jahr 1999 die Klage eines alkoholabhängigen Maschinenführers ab, der in vier aufeinanderfolgenden Jahren 42, 38, 43 und 15 Arbeitstage krank ausgefallen war und in Folge dessen die Kündigung erhielt. Das Gericht sah keinen Wiedereinstellungsanspruch für den Mann (Az.: 2 AZR 639/98).

Anders entschieden die Richter im Falle einer Frau, die wegen einer Fußverletzung binnen drei Jahren insgesamt 222 Arbeitstage krankgeschrieben war. Da seit der letzten Operation an diesem Fuß keine Probleme mehr aufgetreten seien, sei die Gesundheitsprognose als positiv zu werten und die krankheitsbedingte Kündigung folglich nicht rechtens (Az.: 5 Sa 152/11).

Bei Krankfeiern ist eine fristlose Kündigung möglich

Insgesamt ist der Erfolg einer krankheitsbedingten Kündigung von vielen Faktoren abhängig. Arbeitgeber sollten sich unbedingt arbeitsrechtlich beraten lassen, bevor sie diesen Schritt machen.
Anders sieht die Sache aus, wenn sich der Arbeitnehmer krankgemeldet hat, obwohl er gar nicht krank ist: Das ist ein Betrugsversuch, der eine fristlose Kündigung rechtfertigt. Mehr Infos dazu finden Sie in dem Artikel „Krankfeiern: Diese Rechte haben Arbeitgeber bei Verdacht auf Blaumachen“.

impulse-Akademie: Strategie & Inspiration für Ihr Unternehmen
Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.