Steuerbescheid prüfen Wie Sie Ihren Steuerbescheid auf Fehler prüfen

Es lohnt sich, seinen Steuerbescheid genauer zu prüfen. Denn darin kommen immer wieder Fehler vor, gegen die Sie Einspruch einlegen können.

Es lohnt sich, seinen Steuerbescheid genauer zu prüfen. Denn darin kommen immer wieder Fehler vor, gegen die Sie Einspruch einlegen können.© Bits and Splits - Fotolia.com

In vielen Steuerbescheiden stecken Fehler. Wer gegen diese Einspruch beim Finanzamt einlegt, hat gute Karten. Wir erklären, was Sie dabei beachten müssen.

Wer seinen Steuerbescheid bekommt, heftet ihn oft einfach ab. Doch es kann sich lohnen, einen genauen Blick auf das Dokument zu werfen und ihn zu überprüfen. Denn darin schleichen sich immer wieder Fehler ein. Werden diese aufgedeckt, können Steuerzahler in vielen Fällen auf eine Rückzahlung vom Finanzamt hoffen.

Wie viele Steuerbescheide sind fehlerhaft?

Fast zwei Drittel der angefochtenen Steuerbescheide waren in den vergangenen Jahren fehlerhaft und mussten geändert werden, berichtet die Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest (Heft 8/2017) – zugunsten der Steuerzahler. Deshalb lohnt es sich eigentlich fast immer, den Steuerbescheid unter die Lupe zu nehmen.

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Und zwar nicht nur, weil das Finanzamt etwas übersehen hat. „Auch ich selber kann ja vergessen haben, Kosten geltend zu machen“, erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Mit einem Einspruch können solche Posten noch nachgereicht werden. „Die Korrektur funktioniert also in zwei Richtungen.“

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Wie können Steuerzahler den Steuerbescheid prüfen?

Auch wenn es mühsam erscheint: „Zum Abgleich der Daten sollten Steuerzahler eine Kopie ihrer eingereichten Einkommenssteuererklärung neben den Bescheid legen und alles Punkt für Punkt durchgehen“, empfiehlt Katharina te Heesen vom Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen. Alte Belege sind für den Vergleich ebenfalls hilfreich. Tauchen Widersprüche auf, sollten Betroffene beim Finanzamt nachfragen und gegebenenfalls Einspruch einlegen. Das gilt auch, wenn der Fiskus Ausgaben gestrichen oder an anderer Stelle eingetragen hat.

Oft steckten die Fehler im Detail. „Das können Zahlendreher, eine falsch berechnete Steuerschuld oder falsch veranlagte Aufwendungen sein“, sagt te Heesen. Häufige Fehlerquellen sind auch Daten, die Dritte übermittelt haben – zum Beispiel wenn der Rentenversicherungsträger, die Krankenversicherung oder die Bank Beträge dem Fiskus meldet.

Aber auch die Rechtsprechung stellt dem Finanzamt mitunter eine Falle beim Erstellen der Steuerbescheide. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) vom Januar beispielsweise können Steuerzahler nun mehr Ausgaben als außergewöhnliche Belastung in ihrer Steuererklärung geltend machen als bisher. So gilt zwar weiterhin eine zumutbare Eigenbelastung. Allerdings kann der Eigenanteil laut BFH gestaffelt nach den Prozentsätzen der gesetzlich vorgegebenen Stufen ermittelt werden (Az.: VI R 75/14). Bis zu diesem Urteil hatten die Finanzämter beim Berechnen des Eigenanteils den jeweils höchsten Prozentsatz angewandt.

Zwar hat das Bundesfinanzministerium am 1. Juni mitgeteilt, die günstigere Rechenregel grundsätzlich anzuwenden. Allerdings fehlt ein Stichtag, ab wann die Finanzämter die geänderte Berechnungsweise berücksichtigen. „Sie sollten sich nicht darauf verlassen, dass das Finanzamt die neue Rechtsprechung berücksichtigt hat“, so Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Wer prüfen möchte, ob das Finanzamt die neue Rechenweise angewendet hat, kann zum Beispiel diesen Onlinerechner zur zumutbaren Eigenbelastung nutzen.

Wichtig bei der Steuererklärung für 2016: Wenn Sie zusätzliche Belege an das Finanzamt geschickt haben, kann es passieren, dass diese nicht berücksichtigt wurden. Der Grund: „Oft landen die Steuererklärungen nicht mehr auf dem Schreibtisch eines Bearbeiters“, erklärt Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine in Berlin. Denn elektronische Erklärungen werden meist automatisch verarbeitet. Für die Steuererklärungen ab dem Veranlagungszeitraum 2017 soll das vereinfacht werden: „Dann kann man in den elektronischen Formularen einen Vermerk machen, dass zusätzliche Dokumente an das Finanzamt geschickt wurden“, so Rauhöft.

Auch gegen Auflagen in Steuerbescheiden können Steuerpflichtige Einspruch einlegen, zum Beispiel wenn das Finanzamt regelmäßige Steuervorauszahlungen für das laufende Jahr festsetzt.

Wie lange können Steuerzahler Einspruch einlegen?

Hat das Finanzamt zum Beispiel Ausgaben nicht anerkannt, muss der Steuerzahler innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Bescheids Einspruch beim Finanzamt einlegen. Die Frist beginnt meinst drei Tage nach dem Versand der Bescheide. Maßgeblich hierfür ist das Datum auf den Unterlagen. Ein elektronischer Bescheid gilt am dritten Tag nach Absendung der elektronischen Benachrichtigung als bekanntgegeben.

Fällt ein Fehler erst später auf oder stehen Gerichtsurteile zu Streitfällen noch aus, kann er korrigiert werden, so lange der Steuerbescheid noch nicht rechtskräftig ist. Das ist häufig der Fall, wenn der Bescheid einen sogenannten Vorläufigkeitsvermerk in den Erläuterungen enthält. Dann wird über die aufgeführten Punkte in einem Musterverfahren noch entschieden. „Fällt das Urteil der Richter zugunsten der Steuerzahler aus, erhalten diese gegebenenfalls bereits gezahlte Steuern zurück“, sagt te Heesen.

Der Hinweis, in welchen Punkten der Steuerbescheid nur vorläufig ergeht, steht in den Erläuterungen am Ende des Steuerbescheids. Das betrifft Klagen, die etwa noch vom Europäischen Gerichtshof, dem Bundesverfassungsgericht oder dem Bundesfinanzhof entschieden werden müssen. Ein Einspruch in diesen Punkten ist nach Angaben der Deutschen Steuer-Gewerkschaft nicht erforderlich. Von anderen als den im Bescheid angesprochenen Verfahren könne dagegen nur profitieren, wer unter Verweis auf einen vergleichbaren Streitfall Einspruch einlegt.

Steht der Bescheid unter dem Vorbehalt der Nachprüfung, ist er in allen Punkten noch offen. „Theoretisch sind auch noch Jahre später Nachforderungen möglich“, sagt Wolfgang Wawro vom Deutschen Steuerberaterverband. Änderungen sind hier denkbar, bis das zuständige Finanzamt den Vorbehalt aufhebt oder bis die Festsetzungsverjährungsfrist von in der Regel vier Jahren abgelaufen ist. Die Frist beginnt mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Einkommensteuererklärung eingereicht wurde. Wenn man die Steuererklärung für 2016 also im Mai 2017 abgegeben hat, endet die Frist am 31. Dezember 2021.

In welcher Form muss Einspruch gegen den Steuerbescheid eingelegt werden?

Ein Einspruch muss schriftlich eingelegt werden. Ein formloses Schreiben genügt; der Bund der Steuerzahler bietet dafür Musterbriefe an. Laut einem Urteil des Bundesfinanzhofs ist der Einspruch auch per E-Mail gültig. Eine Begründung kann entweder sofort mitgeliefert oder nach kurzer Zeit nachgereicht werden. Wenn die Zeit drängt, sollten Sie also lieber den Einspruch fristgerecht ans Finanzamt und die Begründung nachliefern.

Muss ich trotzdem zahlen, auch wenn ich Einspruch eingelegt habe?

Müssen Steuerzahler eine Nachzahlung leisten, müssen sie in der Regel ihre Steuerschuld sofort begleichen, sagt te Heesen. Und zwar unabhängig davon, ob sie Einspruch eingelegt haben oder der Bescheid noch nicht rechtskräftig ist. Unter Umständen bekommen sie später das Geld zurück, etwa wenn ein Musterverfahren im Sinne der Steuerzahler entschieden wurde.

Mit dem Einspruch können Sie aber auch eine sogenannte Aussetzung der Vollziehung beantragen. Das bedeutet, dass der strittige Steuerbetrag so lange nicht bezahlt werden muss, bis die Finanzbehörde über den Einspruch entscheidet.

Was gilt, wenn ich am Ende sogar mehr zahlen muss?

Sollte der Fiskus den Bescheid nachträglich ändern und sollten dadurch höhere Steuern anfallen, muss der Steuerzahler dies nicht immer hinnehmen, hat das Niedersächsische Finanzgericht entschieden (Az.: 3 V 226/14). Das gilt besonders dann, wenn er in seiner Erklärung alles richtig eingetragen hat, aber der Finanzbeamte Daten von Dritten falsch übernommen hat – ohne diese mit den Angaben des Steuerzahlers abzugleichen. Der Fiskus kann dann den Bescheid nicht nachträglich zuungunsten des Steuerzahlers ändern.

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