Urlaub Müssen Angestellte für Heiligabend und Silvester Urlaub einreichen?

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An Heiligabend wollen die wenigsten gern arbeiten, daran ändert auch Weihnachtsdeko im Büro nichts. Aber wer frei haben will, muss Urlaub nehmen - ebenso wie an Silvester.

An Heiligabend wollen die wenigsten gern arbeiten, daran ändert auch Weihnachtsdeko im Büro nichts. Aber wer frei haben will, muss Urlaub nehmen - ebenso wie an Silvester.© VRD / Fotolia.com

Über den Urlaub an Heiligabend und Silvester gibt es oft Streit. Wie viele Urlaubstage sind zu nehmen, wer muss arbeiten? Das gilt laut Arbeitsrecht.

Arbeiten an Weihnachten und Silvester: Was ist gesetzlich geregelt?

Der erste und der zweite Weihnachtsfeiertag sind gesetzliche Feiertage, ebenso Neujahr. An diesen Tagen ist die Sache klar: Alle Arbeitnehmer haben frei – es sei denn, ihre Arbeit fällt unter Paragraf 10 im Arbeitszeitgesetz. Das betrifft beispielsweise Pflegedienste, Kinos oder Restaurants.

Anders sieht es an Heiligabend und Silvester aus: Obwohl wohl die wenigsten Menschen Lust haben dürften, in dieser Zeit zur Arbeit zu gehen, sind sie keine gesetzlichen Feiertage. Das bedeutet: Der Arbeitgeber kann verlangen, dass die Arbeitnehmer an Heiligabend und Silvester genauso antreten wie an anderen Tagen. Wer frei haben will, muss also Urlaub einreichen – wie an jedem anderen Arbeitstag auch.

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Das gilt nicht nur für Branchen, in denen Heiligabend oder Silvester Umsatz gemacht wird, wie im Einzelhandel, der von denen profitiert, die noch auf den letzten Drücker Weihnachtsgeschenke kaufen wollen. Urlaubsanträge ausfüllen müssen auch Angestellte in Unternehmen, die an diesen Tagen nicht unbedingt besetzt sein müssten – ob Schreinereien oder Anwaltskanzleien, Autowerkstätten oder Architekturbüros.

Gibt es keine abweichenden Regelungen, gilt für 2016 folglich:

  • 24. Dezember – Heiligabend: Samstag, Arbeitstag nur bei Sechs-Tage-Woche
  • 25. Dezember – 1. Weihnachtsfeiertag: gesetzlicher Feiertag (und Sonntag)
  • 26. Dezember – 2. Weihnachtsfeiertag: gesetzlicher Feiertag
  • 27. bis 30. Dezember: 4 Arbeitstage
  • 31. Dezember – Silvester: Samstag, Arbeitstag nur bei Sechs-Tage-Woche
  • 1. Januar – Neujahr: gesetzlicher Feiertag (und Sonntag)

In Betrieben mit Sechs-Tage-Woche müssen die Arbeitnehmer also sechs Tage Urlaub nehmen, wenn sie zwischen Weihnachten und Silvester frei haben wollen. In Betrieben mit Fünf-Tage-Woche sind vier Urlaubstage nötig.

Haben Arbeitnehmer an Heiligabend und Silvester Anspruch auf Feiertagszuschlag?

Da Heiligabend und Silvester nicht als Feiertage gelten, müssen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern keinen Feiertagszuschlag zahlen.

Wo kann Urlaub an Heiligabend und Silvester noch geregelt sein?

Im Tarifvertrag oder im Arbeitsvertrag können Urlaubsregelungen für Heiligabend und Silvester festgeschrieben sein, die von den gesetzlichen Regelungen abweichen. So sind beispielsweise in vielen Tarifverträgen sind der 24. und 31. Dezember als halber Arbeitstag definiert und in der Regel auch Feiertagszuschläge vorgesehen.

In Betrieben mit einem Betriebsrat können diese Fragen auch in einer Betriebsvereinbarung festgelegt sein.

Gilt betriebliche Übung für die Urlaubsregelung an Heiligabend und Silvester?

Gibt der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern an Heiligabend und/oder Silvester drei Jahre in Folge frei, können diese vor dem Arbeitsgericht aufgrund der so genannten betrieblichen Übung einen künftigen Anspruch auf Freistellung geltend machen.

Wer als Arbeitgeber auf Nummer Sicher gehen will, nimmt in die Bekanntmachung am Schwarzen Brett oder die E-Mail an die Mitarbeiter den Vorbehalt auf, dass die Freistellung nur für das jeweilige Jahr gilt. Das Bundesarbeitsgericht hat 1994 entschieden, dass unter dieser Voraussetzung keine betriebliche Übung entsteht (Az.: 9 AZR 672/92). Als Formulierung kommt beispielsweise infrage: „Die Freistellung an Heiligabend und Silvester erfolgt freiwillig und ohne Rechtsanspruch für die Zukunft.“

Reicht ein halber Urlaubstag für Heiligabend und Silvester?

Halbe Urlaubstage sind im Bundesurlaubsgesetz nicht vorgesehen. Angestellte, die an Heiligabend oder Silvester frei haben wollen, müssen also streng genommen einen ganzen Tag Urlaub einreichen. Tatsächlich wird das aber in vielen Firmen anders gehandhabt – welcher Chef will schon an Weihnachten ein Unmensch sein?

Zeigen sich Arbeitgeber beim Weihnachtsurlaub kulant und geben sich mit halben Urlaubstagen zufrieden, gilt allerdings „Gleiches Recht für alle“: Wer die arbeitenden Mitarbeiter an Heiligabend schon mittags in den Feierabend schickt, darf auch jenen, die an dem Termin Urlaub angereicht hatten, nur einen halben Tag Urlaub abziehen.

Wie sieht es mit Urlaub „zwischen den Jahren“ aus?

Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester sind grundsätzlich gewöhnliche Arbeitstage, an denen Arbeitnehmer Urlaub einreichen müssen, wenn sie nicht arbeiten möchten. Arbeitgeber, die ihren Betrieb „zwischen den Jahren“ schließen wollen, sollten die rechtlichen Rahmenbedingungen für Betriebsferien kennen. Alle Details hierzu erfahren Sie in unserem Artikel: „Betriebsferien: Kann der Arbeitgeber Zwangsurlaub anordnen?“.

Wer muss an Weihnachten arbeiten?

Heiligabend und Silvester sind ohne Frage bei den meisten Arbeitnehmern unbeliebte Arbeitstage. In Betrieben, in denen an diesen Tagen gearbeitet wird, kommt es daher oft zu Streit, wer Urlaub nehmen darf und wer die Stellung halten muss.

Nach Paragraf 106 der Gewerbeordnung hat der Arbeitgeber grundsätzlich ein Direktionsrecht. Das bedeutet in diesem Fall: Er kann bestimmen, wer an Heiligabend arbeiten muss; niemand hat einen Anspruch auf Urlaub. Nach dem Willen des Gesetzgebers soll der Arbeitgeber bei seiner Entscheidung „nach billigem Ermessen“ vorgehen – das heißt, er muss versuchen, unnötige Härten, beispielsweise für alleinerziehende Arbeitnehmer, zu vermeiden. Ob er das im Einzelfall getan hat, entscheidet bei einem Rechtsstreit das Gericht.

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