Recht + Steuern Retour-Guide: Das sind die neuen Regeln für Internetshops

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Schwierige Kiste: Das neue Onlinehandelsrecht soll sowohl Händler als auch Verbraucher glücklicher machen.

Schwierige Kiste: Das neue Onlinehandelsrecht soll sowohl Händler als auch Verbraucher glücklicher machen.© ra2 studio - Fotolia.com

Es sind gigantische Zahlen: Alleine beim Branchenriesen Zalando soll die Retourquote bei 50 Prozent liegen. Von Mitte Juni an dürfen Internetshops ihren Kunden alle Rücksendungen in Rechnung stellen. Ein Überblick, welche Risiken die neuen Regeln mit sich bringen - und welche Chancen.

Wer bei Jens Baumgarten eine Wandleuchte, einen Boiler oder eine Anschlussdose bestellt, darf die Lieferung kostenlos zurückschicken, sofern der Warenwert über 40 Euro liegt. So steht es im Gesetz über den Onlinehandel – und in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des ENS ElektroNetShops mit vier Beschäftigten, den Baumgarten mit seinem Kompagnon in der pfälzischen Kreisstadt Bad Dürkheim betreibt.

Noch. In wenigen Wochen müssen Baumgartens Kunden die Kosten für jeglichen Rückversand übernehmen, egal was die Bestellung gekostet hat. Mitte Juni tritt die neue EU-Verbraucherrichtlinie in Kraft, die das Porto für Retouren grundsätzlich dem Verbraucher auferlegt. Eine von mehreren Neuerungen, mit denen sich Onlinehändler vertraut machen müssen, um rechtliche Risiken zu vermeiden.

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Das deutsche Recht sieht bislang vor, dass bei geringwertigen Bestellungen der Kunde die Rücksendung bezahlt, bei teuren der Händler. Viele Internetshops übernehmen allerdings die Kosten, ganz gleich, wie hoch der Kaufpreis war. Die Retourquoten sind folglich enorm. An die 50 Prozent sind es nach eigenen Angaben beim Branchenriesen Zalando, die Otto Group kommt über alle Sparten hinweg auf 10 bis 40 Prozent. Für die Versender ist dies mit erheblichen Kosten verbunden: Mindestens 7,93 Euro zahlt der Händler für die Abwicklung einer Retoure, haben Forscher der Uni Bamberg errechnet.

Gleiche Bedingungen für ganz Europa

Reform hin oder her – viele Unternehmen, vor allem große, wollen dennoch alles so belassen, wie es ist. Sie fürchten Umsatzeinbußen, wenn sie die neuen Regeln eins zu eins in ihre AGB übernehmen. „Man kann nicht per Gesetz die Uhr zurückdrehen“, sagt etwa Michael Jacobs, Marketingchef beim Schuhhändler Görtz aus Hamburg. „So wie sich der E-Commerce in den vergangenen Jahren entwickelt hat, erwarten die Kunden einfach, dass sie bestellte Ware kostenlos zurücksenden können. Darauf bauen wir unser Geschäftsmodell auf.“ Auch bei der Otto Group trägt man die Retourkosten mit Fassung. „Im stationären Handel müssen Unternehmen die Ladenmiete zahlen, im Onlinegeschäft die Versandkosten“, heißt es dort. „Jeder Vertriebsweg hat nun mal seine spezifischen Kosten. Das gehört zum Business dazu.“

Mit der Gesetzesnovelle wird das Fernabsatzrecht jetzt den Gepflogenheiten in ganz Europa angepasst. Versandhändler liefern längst über die Staatsgrenzen hinweg, da soll sich der Verbraucher auf einheitliche Standards verlassen können. Nicht nur die Frage der Rücksendekosten wurde harmonisiert. Die EU-Staaten haben überdies neu definiert, unter welchen Voraussetzungen Kunden einen Kaufvertrag widerrufen können, welche Fristen dabei gelten, welche Zahlungsoptionen bei einer Bestellung möglich sind und – vor allem – welche Angaben auf der Homepage beziehungsweise in der Bestellbestätigung verpflichtend sind.

So müssen Unternehmen genau benennen, welche Zahlungsarten sie ihren Kunden anbieten und mit welchen Kosten diese verbunden sind. Im neuen Gesetz steht ausdrücklich, dass Onlinehändler nur den Aufwand weitergeben dürfen, der ihnen selbst entsteht, etwa durch eine Kreditkartenabrechnung.

Außerdem gilt im E-Commerce bald eine einheitliche Widerspruchsfrist von 14 Tagen. Und während der Kunde Ware bislang kommentarlos zurückschicken konnte, muss er den Widerruf nun ausdrücklich erklären.

 
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