Recht + Steuern Sal.Oppenheim-Prozess: Der große Fehler von Matthias Graf von Krockow

Im Prozess vor dem Landgericht Köln hat der ehemalige Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Sal.Oppenheim, Matthias Graf von Krockow, Fehler eingeräumt.

Im Prozess vor dem Landgericht Köln hat der ehemalige Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Sal.Oppenheim, Matthias Graf von Krockow, Fehler eingeräumt. © dpa

Als Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter war Matthias Graf von Krockow das Gesicht der einst größten Privatbank Europas: Sal. Oppenheim. Nach zwei Jahren Prozess brach er jetzt sein Schweigen.

Am Tag vor Weiberfastnacht gibt es in Köln nur ein Thema: Karneval. Das Landgericht ist da keine Ausnahme. Eine besondere Anspannung ist Matthias Graf von Krockow vor Verhandlungsbeginn nicht anzumerken. Nach zwei Jahren hat sich auch bei ihm Prozessroutine eingestellt. Man schaut nicht mehr starr vor sich hin, so wie am Anfang. Jeder grüßt jetzt jeden im Sal. Oppenheim-Prozess. 

Doch so gesprächig „der Graf“ – wie er mitunter genannt wird – in den Sitzungspausen auch sein mag: Im Prozess hat der große Mann mit dem Einstecktuch bisher geschwiegen. Doch das ändert sich an diesem Mittwoch. Der Graf legt los.

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„Ich bekenne mich zu meinem Teil der Verantwortung. An dieser Verantwortung trage ich schwer, emotional und finanziell.“ Wie auch die anderen drei angeklagten Bankchefs war er persönlich haftender Gesellschafter – was bedeutet, dass er mit seinem Vermögen für seine unternehmerischen Entscheidungen einstand.  

„Was der Bank nützte, nützte der Familie“

„Es ist nicht leicht, derjenige zu sein, mit dessen Namen der Niedergang des Bankhauses untrennbar verbunden ist.“ Der Graf spricht über die ganz spezielle Kultur bei der einst größten Privatbank Europas. Dort habe man nach dem Leitsatz gehandelt: „Was der Bank nützte, nützte der Familie“. Diese „Verwobenheit“ habe die Gefahr mit sich gebracht, bei geschäftlichen Entscheidungen auch persönliche Interessen zu berücksichtigen.

Der Graf spricht über die fortgesetzten Rettungsversuche der Bank für die angeschlagene Arcandor AG (Karstadt/Quelle) im Herbst 2008 – dem Herbst der Finanzkrise. Der Vorwurf, dass er seine damaligen Entscheidungen auf einer unzureichenden Informationsgrundlage getroffen habe, sei leider richtig. „Dies war nicht in Ordnung – und ist auch aus meiner Sicht nicht mit dem Zeitdruck zu erklären.“

Heute wünscht er sich, dass er die Kreditabteilung stärker eingebunden hätte. Dass er die Zeit zurückdrehen könnte. Dann würde er vieles ganz anders machen. Aber: „Ich vertraute Herrn Dr.
Middelhoff und verließ mich auf seine besonderen Fähigkeiten.“ So hat man es in diesem Prozess schon öfters gehört – von Zeugen, von Angeklagten. Immer wieder „Dr. Middelhoff“ – Thomas Middelhoff war der ehemalige Arcandor-Chef.

Zerknirschtes Bekenntnis

„Nun zu meinen Motiven“, sagt Krockow. Er müsse sich heute vorwerfen, keine klare Trennung zwischen den Interessen der Bank und seinen persönlichen Interessen vorgenommen zu haben. Im Zuge der Arcandor-Insolvenz geriet Sal. Oppenheim an den Rand des Ruins und wurde 2010 stark verkleinert von der Deutschen Bank übernommen. Krockow sagt, vor allem mit Blick auf die vielen fleißigen Mitarbeiter, die dadurch ihre Stelle verloren hätten, „bereue“ er sein Verhalten und „trage schwer daran“. Er habe das in ihn gesetzte Vertrauen nicht gerechtfertigt.

Seine Erklärung ist aber nicht nur zerknirschtes Bekenntnis. Sie ist gespickt mit Spitzen gegen Mitangeklagte. Denn die anderen persönlich haftenden Gesellschafter haben bisher versucht, Krockow und ihren einstigen Geschäftspartner Josef Esch als die großen Entscheider hinzustellen. Wenn Krockow nun die fachliche Kompetenz von Friedrich Carl Janssen herausstellt, die er so „sehr geschätzt“ habe, dann ist das ein durchaus vergiftetes Kompliment.

Es möge stimmen, dass er einigen als „durchsetzungsstark“ und aufgrund seiner Sprecherrolle auch als das Gesicht der Bank erschienen sei. Aber die Entscheidungen seien immer von allen Gesellschaftern mitgetragen worden: als einem „band of brothers“ – einem Band von Brüdern.

So scheint Krockow dem Gericht an diesem Tag zweierlei sagen zu wollen: Er ist bereit, sich seiner Verantwortung zu stellen. Aber die „Brüder“ sollen es auch tun.

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