Recht + Steuern Kann man Sanierungsarbeiten steuerlich absetzen?

Kann man Sanierungsarbeiten steuerlich absetzen, werden mehr Hausbesitzer sich für Wärmedämmungen  an der Fassade entscheiden, planten Bund und Länder.

Kann man Sanierungsarbeiten steuerlich absetzen, werden mehr Hausbesitzer sich für Wärmedämmungen an der Fassade entscheiden, planten Bund und Länder.© picture alliance / dpa Themendienst

Sanierungsarbeiten steuerlich absetzen: Das sollte ab 2015 möglich sein. Doch die Koalition hat den Steuerbonus vorerst gestoppt.

Sanierungsarbeiten steuerlich absetzen und mit der Gebäudesanierung einen Betrag zum Umweltschutz leisten. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel unterstützte den von Bund und Ländern geplanten Steuerbonus. Er selbst hat auch schon mal gedämmt. Sein Haus in Goslar. Der Bundeswirtschaftsminister war mit der Sanierung zufrieden: „Ich hab‘ in der Tat hinterher weniger Energie verbraucht.“ Jetzt sollen viele Hausbesitzer seinem Beispiel folgen.

Drei Milliarden Euro wollte die Regierung für Anreize zur Gebäudesanierung spendieren, um die Klimaschutzziele bis 2020 noch zu schaffen. Zweifel an der Sinnhaftigkeit, Deutschlands Häuser massenhaft in Styropor zu packen, wischt Gabriel zur Seite. Das sei eine „putzige Debatte“. Fakt sei, dass in vielen alten Häusern „im Winter mehr der Garten als das Wohnzimmer geheizt wird“.

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Der Steuerbonus für die Gebäudedämmung, CO2-Gebäudesanierungsprogramm genannt, war schon so gut wie beschlossen. Überraschend wurde der Entwurf im Februar 2015 von der Koalition dann doch noch gestoppt.

Warum wurde der Steuerbonus für Sanierungsarbeiten gestoppt?

Das neue CO2-Gebäudesanierungsprogramm sollte eigentlich von Januar 2015 an für fünf Jahre laufen. Aber: Bevor es in Kraft treten konnte, musste sich der Bund mit den Ländern über die Kosten von einer Milliarde Euro pro Jahr einigen, weil die Steuerausfälle beide Seiten betreffen. Auf dem Bund-Länder-Gipfel im Kanzleramt einigte man sich mehrheitlich für die Sanierungspläne. Die Regierung strebte bis spätestens Ende Februar eine Lösung an, die rückwirkend zum 1. Januar 2015 gelten soll. Das ist wichtig, weil viele Verbraucher in den nächsten Wochen Aufträge an Handwerker verschieben könnten, bis sie die Details kennen.

Zu einer Einigung kam es jedoch nicht. „Über eine steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung konnte im Koalitionsausschuss keine Einigung erzielt werden“, heißt es in einem Brief von SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann an seine Abgeordneten. Damit gelten vorerst die bisherigen Regeln zur Steuer-Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen weiter. Die Grünen kritisierten den Stopp. Nun wird nach Alternativen gesucht.

Wie hätte man Sanierungsarbeiten steuerlich absetzen können?

Wer sich eine neue Heizung, die weniger Gas oder Öl verbraucht, einbaut, sollte für eine Einzelbaumaßnahme künftig 10 Prozent seiner Kosten über zehn Jahre von der Steuer absetzen können. Ein Beispiel: Der neue Heizkessel kostet 5000 Euro. Absetzbar in der Steuererklärung sind dann 50 Euro pro Jahr, macht nach zehn Jahren 500 Euro Erstattung beim Finanzamt. Saniert ein Haus- oder Wohnungsbesitzer im großen Stil – Heizung, Dämmung, Fenster, Dach – hätte er sogar bis zu 25 Prozent der Kosten steuermindernd geltend machen können.

Wäre der Klimaschutzbonus eine Konkurrenz zu laufenden Förderprogrammen der staatlichen KfW-Bank gewesen?

Nein. Es handelt sich um ein zusätzliches Angebot. Der Bund will damit zum Beispiel Immobilienbesitzer ansprechen, die Kredite und den damit verbundenen Papierkram scheuen. Gerade Ältere zahlen eine neue Heizung oder das Dach lieber aus eigener Tasche. Sie können dann den Bonus von 10 bis 25 Prozent mit der Steuererklärung geltend machen.

Wäre mit dem Steuerbonus die KfW-Förderung für Sanierungsarbeiten aufgestockt worden?

Ja. Schon die Vorgängerregierung hatte die Mittel für die Gebäudesanierung von 936 Millionen Euro pro Jahr auf 1,8 Milliarden Euro nahezu verdoppelt. Jetzt soll die Förderung noch einmal auf insgesamt 2 Milliarden Euro erhöht werden. Maximal gefördert werden von der Staatsbank KfW 50.000 Euro pro Wohneinheit. Neu ist, dass auch Sanierungen von Gewerbegebäuden oder Pflegeheimen unterstützt werden. Die Laufzeit des Kredits beträgt bis zu 10 Jahre bei einem festgeschriebenen Zinssatz für die Gesamtkreditlaufzeit.

Warum wollte die Regierung im Gegenzug die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerker-Rechnungen kürzen?

Es geht ums Geld. Um die neuen Sanierungsanreize für Hausbesitzer zu finanzieren und die Steuerausfälle aufseiten der Länder zu begrenzen, sollen nur noch Handwerker-Leistungen oberhalb von 300 Euro beim Finanzamt von der Steuerschuld abziehbar sein. Auch will die Politik, dass eben mehr in energiesparende Maßnahmen investiert wird und nicht mehr der Einbau einer neuen Badewanne begünstigt ist. Der Mieterbund kritisiert, dass das Millionen Mieter treffen würde, während Hausbesitzer bei der Gebäudesanierung fein raus seien. Auch die CSU mäkelt: Der Plan könnte wie eine heimliche Steuererhöhung bei den Bürgern ankommen.

3 Kommentare
  • Stefan 11. Dezember 2014 23:59

    Hallo, es ist hier von einem 10%-igen Steuerabzug bei der ESt die Rede und das über 10 Jahre, d.h. bei dem Heizkesselbeispiel werden 10 Jahre 50,- EUR bei der Steuererklärung erstattet.. Die Regelung ist gut. Ich möchte für 110 TEUR energieeffizient Sanieren und bekomme über 10 Jahre hinweg 11 TEUR erstattet und kann jedes Jahr eine Sondertilgung leisten, die der Staat mitfinanziert. Prima !

  • Joram Ludwig 5. Dezember 2014 18:51

    Erklär mir das bitte jemand!

    In Artikelbeispiel baut jemand einen neuen Heizkessel für 5000€ ein, davon kann er 10% über 10 Jahre absetzen: 50€ pro Jahr, 10 Jahre lang. Daraus errechnet der Autor eine Erstattung von 500€ in 10 Jahren? Vermutlich ist der Autor einer von den armen Menschen die 100% Einkommensteuer bezahlen müssen….

    Gehe ich von derzeit 45% als Spitzensteuersatz aus, werden maximal 225€ Steuern gespart, verteilt über 10 Jahre, also 22,50€ im Jahr. Ein echter Anreiz, vielleicht lohnt dann sogar ein Kredit für die Anschaffung des neuen Kessels 😉

    Gleichzeitig bekommt das Finanzamt aber allein schon 19% MwSt. für den Heizkessel das sind so rund 798€ (die weiteren in Zusammenhang stehenden Steuereinnahmen mal unbeachtet).

    Mehreinnahme des Staates 573€, ohne Zinsvorteil und so komplizierte Sachen.

    Und jetzt beraten dann die uns regierenden bald darüber wie die „Aufwendungen/Kosten“ von geschätzten 1 Milliarde Euro pro Jahr verkraftet werden können, hier steht das als Steuerausfall im Artikel.

    Bleiben wir beim Beispiel-Heizkessel, entspräche dies 44.444.444 neuen Heizkessel, fern alle den Spitzensteuersatz bezahlen, sonst werden es noch mehr!

    So viele Häuser gibt es in Deutschland gar nicht!

    Und die Mehreinnahme des Staates „betrüge“ etwa 25.466.666.666,67 €

    In Worten „Fünfundzwanzigmilliardenvierhundertsechsundsechzigmillionensechshundertsechsundsechzigtausendsechshundertsechsundsechzig €uro“, die paar Cent mal weggelassen…

    Ich fürchte die beraten darüber was sie mit dem Geld machen…. Vielleicht investieren, in Steuersubventionen z.B. 🙂

    Erklärs mir bitte einer!

  • Rainer Sitzmann 4. Dezember 2014 17:37

    Es war schon längst Zeit, den Soli ersatzlos abzuschaffen und die Versprechen einzuhalten, auch wenn diese von Politikern früherer Zeit gegeben wurden. Wir brauchen weder den Soli, noch mit viel rhetorischen Turnübungen herbeigeredete und meist rein ideologisch bedingte indirekte bzw. direkte Steuererhöhungen, s. z.B. „Mittelstandsbauch“. Die Lösung ist sehr einfach:

    Politik und öffentl. Hand müssen lediglich, aber auch endlich und konsequent , verantwortungsvoll mit den ihnen von den Bürgern treuhänderisch anvertrauten Steuern und Abgaben umgehen! Dann wäre vermutlich sogar noch bedeutend mehr Spielraum vorhanden. Dafür ist für diese Couleur allerdings dringend ein verbindliches Haftungsrecht (leider nicht vorhanden) längst notwendig: z.B. von dirkter monitärer Haftung, über disziplinarische Komponenten wie Pensions-kürzungen/-verlust bis hin zum zeitbegrenzten oder gänzlichen Verlust des passiven Wahlrechts.

    Frage: Worin besteht vom Sachverhalt her eigentlich der Unterschied zwischen Steuerhinter-ziehung und Verschwendung von Steuergeldern?? Kein nennenswerter! In beiden Fällen wird faktisch der treuhänderische Grundsatz adäquat grob verletzt. Lediglich ist der eine strafbar, der andere -leider- nicht.

    MfG R. Sitzmann

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