Recht + Steuern Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Sind Sie auf Klagen vorbereitet?

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Richter haben aktuell über unter anderem illegale Handwerker entschieden.

Richter haben aktuell über unter anderem illegale Handwerker entschieden.© Kzenon - Fotolia.com

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz schädigt nicht nur den Ruf der Firma, sondern kann auch teuer werden. Was Unternehmer bei Anzüglichkeiten im Betrieb wissen müssen.

Definition: Was ist sexuelle Belästigung?

Laut Paragraf 3 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) gilt jedes „unerwünschte, sexuell bestimmte Verhalten“, das der Betroffene als beleidigend oder abwertend empfindet, als sexuelle Belästigung. „Ein fahrlässiges Verhalten reicht hier aus“, sagt der Stuttgarter Arbeitsrechtler Tilo Neuner-Jehle. Heißt: Auch vermeintlich versehentliche Berührungen, ein Klaps auf den Po, Anbringen oder Versenden von Porno-Bildern sowie Anstarren oder Hinterherpfeifen können geahndet werden.

Entscheidend sei „immer das Opferempfinden und eine objektiv sexuelle Handlung“, sagt Arbeitsrechtler Neuner-Jehle. Bei einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) gab die Hälfte der Befragten an, schon einmal von Kollegen unerwünscht pornografische E-Mails erhalten zu haben oder gar zu sexuellen Handlungen aufgefordert worden zu sein. Gleichzeitig stuften nur 17 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer diese Vorfälle als Belästigung ein.

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Kündigung wegen sexueller Belästigung

Generell ist eine sexuelle Belästigung Grund für eine fristlose Kündigung. Je nach Schwere der Tat, Betriebszugehörigkeit und Reue des Täters können in Einzelfällen jedoch auch mildere Maßnahmen – „wie eine Abmahnung oder die Versetzung des Täters an einen anderen Betriebsstandort“ – gerechtfertigt sein, sagt Jurist Neuner-Jehle.

Schadensersatz wegen sexueller Belästigung

Tut ein Unternehmer nach einer sexuellen Belästigung nichts oder zu wenig – etwa, wenn er zwar die Beteiligten anhört, aber keine Konsequenzen zieht –, kann der Belästigte seine Arbeitskraft voll bezahlt zurückhalten. Ist der Unternehmer selbst Belästiger, kann das Opfer fristlos kündigen und Schadensersatz fordern. „Der Anspruch kann bis zum Zwölffachen des Bruttomonatsentgelts betragen“, sagt Anwalt Neuner-Jehle. Hinzu können Schmerzensgeldansprüche kommen.

Beschwerdestelle bei sexueller Belästigung

„Arbeitgeber sind verpflichtet, ihre Mitarbeitenden zu schützen“, sagt ADS-Leiterin Christine Lüders. Dazu gehört, dass jedes Unternehmen eine Beschwerdestelle gegen Benachteiligungen einrichten muss – eine Pflicht, der nur wenige Kleinbetriebe nachkommen. „Es muss keine gesonderte Stelle geschaffen werden“, erklärt Lüders. Bei kleinen Firmen kann also auch der Arbeitgeber selbst die Beschwerdestelle sein. Entscheidend ist, dass jeder Mitarbeiter über die Anlaufstelle informiert ist.

Fristen für Klagen wegen sexueller Belästigung 

Drei Monate Zeit haben Betroffene lediglich, eine sexuelle Belästigung vor ein Arbeitsgericht zu bringen, innerhalb von zwei Monaten müssen Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber wie etwa Schadensersatz siehe auch „Schadensersatz“ geltend gemacht werden. „Die Frist beginnt zu laufen, sobald der Schaden für den Belästigten feststellbar ist“, sagt Anwalt Neuner-Jehle – also in der Regel direkt nach der sexuellen Belästigung.

 

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