Die Überschrift soll Sünder locken: "Konto im Ausland - die intelligente Selbstanzeige" prangt die Werbung des Münchner Anwalts Klaus Höchstetter in einer überregionalen Tageszeitung. Im zugehörigen Text geht der Jurist dann in die Vollen. "Steuer und steuerstrafrechtliche Verschärfungen (...) stellen ein Gruselkabinett an Folterinstrumenten auch für den Steuerehrlichen dar", ist da zu lesen.
Höchstetter verspricht den Gefolterten Hilfe beim Umgang mit den Steuerbehörden: Unter seiner Anleitung könnten sich Steuerflüchtlinge darauf verlassen, dass eine Selbstanzeige ordnungsgemäß über die Bühne geht und der Sünder straffrei bleibt. Eine Geld- oder Gefängnisstrafe entfällt nämlich, wenn die Tat angezeigt, bevor sie entdeckt wird. Der Betreffende muss nur die hinterzogenen Steuern an den Fiskus nachzahlen, plus Säumniszins. Der Staat belohnt tätige Reue.
Zeit drängt
Da nicht nur Steuererklärungen, sondern auch Selbstanzeigen kompliziert sind, herrscht derzeit bei Anwälten und Steuerberatern Hochbetrieb. In Hochstätters Kanzlei melden sich derzeit zahlreiche Reumütige, die "zitternd und mit Schweißperlen auf der Stirn" darum bitten, dass der Jurist die Anzeige so schnell wie möglich auf den Weg bringe, berichtet der Anwalt im "Bayerischen Fernsehen". Cool auf dem Stuhl sitze bei ihm keiner.
Denn die Zeit drängt: Schließlich wurde nicht nur der bayerischen Staatsregierung eine CD mit den Daten von Schwarzgeldbesitzern im Ausland zum Kauf angeboten, sondern auch anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen. Die öffentliche Debatte über den Kauf der Daten treibt so manchen zur Eile.
Entsprechend in die Höhe geschossen ist die Zahl der Selbstanzeigen in den vergangenen zwei Wochen. Allein in Bayern gingen nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) 291 Meldungen bei den Finanzbehörden ein, vor rund einer Woche waren es noch 20. In Hamburg stieg die Zahl der Fälle innerhalb von drei Tagen von 10 auf 88. Bundesweit haben sich bereits mehr als 2000 Steuersünder selbst angezeigt.
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