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03.06.2009

Steuerberater: Kann guter Rat billig sein?

Von: Jörn Petring (Hamburg)
Sie hassen teuer: Das Onlineportal Steuerberaten.de bietet seine Dienste weit unter den Sätzen der Gebührenordnung an - deswegen haben seine Macher jetzt ein Strafverfahren am Hals.

Wenn ein Steuerberater alter Schule über die neue Billigkonkurrenz von der Internetseite Steuerberaten.de vom Leder zieht, hört sich das so an: "Wir haben uns mal die Bilanz von denen angesehen. Die haben einen Wahnsinnsbetrag in ihre Website gesteckt. Wer mit Verstand macht denn bitte so was?"

Dann schallt stammtischfähiges Gelächter durch den Telefonhörer, gefolgt von dem Hinweis darauf, dass die Gründer von Steuerberaten.de bisher nur 300 Mandanten mit ihrer Schnapsidee an Land gezogen hätten. Das Telefongespräch endet so: "Ach übrigens, in der Fachliteratur spielt Steuerberaten.de eh keine Rolle."

Die Branche ist nervös

So reden also Steuerberater mit klassischem Innenstadtbüro über die Discountkonkurrenz aus dem Internet. Rund zehn Millionen Menschen lassen sich in Steuerdingen deutschlandweit beraten, und genau diesen Markt wollte das Portal Steuerberaten.de mit einem neuen Discountangebot aufmischen. Das hat seinen Gründern jetzt ein Strafverfahren eingebracht.

Das Internetportal steuerberaten.de
Das Internetportal steuerberaten.de
© www.steuerberaten.de

Denn so selbstsicher das Urteil arrivierter Platzhirsche und ihrer Standesvertreter über die Onlineberater auch klingen mag, die Branche ist nervös - und schießt scharf gegen die Neuankömmlinge. Kurz nachdem die Seite vor einem halben Jahr den Betrieb aufnahm, schickte die Kölner Steuerberaterkammer prompt eine Abmahnung. Jetzt schaltet sie sogar die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf ein, die Ermittlungen gegen Steuerberaten.de aufgenommen hat. Der Vorwurf: Die Angebote auf der Website sind zu günstig. Zumindest günstiger, als es die Gebührenordnung der Steuerberater erlaubt.

In einem Fall, den die Kammer bemängelt, geht es um den Auftrag für eine Finanzbuchhaltung: Der Kostenvoranschlag auf dem Internetportal sieht dafür eine Gebühr von etwa 400 Euro pro Monat vor und liegt damit fast 700 Euro unter der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestgebühr. Unzulässige Lockangebote nennen das die Rivalen.

Ralf Müller von Baczko, der gemeinsam mit seinen Kollegen Axel Utecht und Stefan Eichhorn aus Köln den Onlinediscounter betreibt, setzt noch einen drauf: "Wir könnten noch günstiger!", sagt er. Um zumindest in die Nähe der vom Gesetz geforderten Mindestgebühr zu kommen und sich nicht noch mehr Ärger einzuhandeln, rechnet Steuerberaten.de einige seiner Preise derzeit sogar künstlich hoch.

Ein ähnliches Billigkonzept gab es in einer verwandten Branche schon einmal: Vor einigen Jahren mischte die Discount-Kanzleikette Juraxx den Anwaltsmarkt auf - und verschwand 2007 wieder, weil sie in finanzielle Schieflage geraten war.

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© 2009 ftd

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