Recht + Steuern Steuertipp für Studenten

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Mit den richtigen Tipps lassen sich viele Steuern sparen.

Mit den richtigen Tipps lassen sich viele Steuern sparen.© Isabell Klett

Der Bundesfinanzhof macht's möglich: Studenten können ihre Studienaufwendungen bei der Steuer geltend machen. Wer keine Einkünfte hat, kann über Jahre Verluste ansammeln und sie beim ersten Gehalt auf einen Schlag abziehen.

Wer nach dem Abitur jetzt ein Studium startet, sollte die Ausgaben dafür beim Finanzamt geltend machen. Zum Beispiel die Kosten für Fachliteratur, Schreibtisch, Laptop, Praktika und für Fahrten. Ebenso die Miete für die Studentenbude, wenn man am Heimatort eine eigene Wohnung hat. Dazu gibt man jedes Jahr eine Steuererklärung ab, in der alle Ausgaben aufgelistet sind – als Werbungskosten bei den Gehaltseinkünften (in Steuerdeutsch: „Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit“).

Da Studierende meist weder Lohn noch Gehalt beziehen, produzieren sie auf diese Weise negative Einkünfte (Verluste), die sich Steuer sparend etwa mit Miet- oder Kapitaleinkünften verrechnen lassen. Wer solche nicht hat, sammelt über die Jahre reichlich Verluste an. Und die zieht er später auf einen Schlag ab – etwa vom ersten Jahresgehalt im Job.

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Steuererklärungen für 2011 bis 2014 können nachgereicht werden

Klar, dass den Finanzämtern das nicht gefällt. Sie pochen auf geltendes Recht: Demnach sind die Studienaufwendungen nicht als Werbungskosten absetzbar, sondern nur in engen Grenzen als „Sonderausgaben“. Davon jedoch können Studierende meist nicht profitieren. Aber: Diese Vorschrift steht nicht mit dem Grundgesetz im Einklang. So sieht es jedenfalls der Bundesfinanzhof (BFH) und schaltete das Bundesverfassungsgericht ein (BFH-Beschluss Az.: VI R 2/12, 8/12).

Daraus folgt: Gegen Steuerbescheide Einspruch einlegen, falls das Finanzamt den Werbungskostenabzug ablehnt, und den Hinweis auf den BFH-Beschluss nicht vergessen. Zugleich die Behörde auffordern, die Bescheide offenzuhalten – bis ein Urteil aus Karlsruhe vorliegt. Übrigens: Wer bereits studiert, kann bis Ende 2015 noch Steuererklärungen für 2011 bis 2014 nachreichen.

 

Vorteilsrechnug
In einem vereinfachten Beispiel studiert ein Unternehmersohn Betriebswirtschaftslehre. Die Ausbildung kostet insgesamt 40.000 Euro; Studentenwohnung und Auslandspraktikum inklusive. Steuerpflichtige Einkünfte hat er während des Studiums nicht. Anschließend heuert er bei einem Geschäftsfreund seines Vaters an. Sein erstes Jahresgehalt beträgt 60.000 Euro. So viel Steuern spart er, wenn die Ausgaben schließlich als Werbungskosten absetzbar sind:

 

Absetzbar als Sonderausgaben
Jahresgehalt 60.000 Euro
Absetzbare Studienkosten 0 Euro
Zu versteuern * 60.000 Euro
Steuer 17.894 Euro

Absetzbar als Werbungskosten
Jahresgehalt 60.000 Euro
Absetzbare Studienkosten 40.000 Euro
Zu versteuern* 20.000 Euro
Steuer ** 2.779 Euro
Steuern gespart 15.115 Euro

* ohne sonstige Sonderausgaben und Werbungskosten

** Grundtabelle inklusive Solizuschlag

 

Roswitha Schelp ist Mitbegründerin und Partnerin der Kanzlei Schelp, Klein & Partner in Köln. Die Steuerberaterin ist auf Unternehmensbesteuerung und internationale Besteuerung spezialisiert.

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