Arbeitszimmer absetzen Bundesfinanzhof bleibt streng bei privater Nutzung

Wer das häusliche Arbeitszimmer steuerlich absetzen will, muss es nahezu ausschließlich beruflich nutzen.

Wer das häusliche Arbeitszimmer steuerlich absetzen will, muss es nahezu ausschließlich beruflich nutzen.© fischer-cg.de / Fotolia.com

Wer das häusliche Arbeitszimmer steuerlich absetzen will, muss sich auch künftig an strenge Regeln halten. Das aktuelle Urteil des Bundesfinanzhofs macht zudem die Hoffnungen aller zunichte, die nur eine Arbeitsecke nutzen.

Tausende Selbstständige und Freiberufler – und auch immer mehr Angestellte – brauchen morgens nur ein paar Schritte bis zu ihrem Arbeitsplatz: Sie arbeiten von zu Hause aus; ihr Arbeitszimmer befindet sich im eigenen Haus, in der eigenen Wohnung.

Inwiefern Steuerzahler das häusliche Arbeitszimmer steuermindernd geltend machen können, darüber wird seit Jahren gestritten. Ein aktuelles Grundsatzurteil des Bundesfinanzhofs (Az. GrS 1/14) macht nun die Hoffnungen der Home-Office-Arbeitenden zunichte: Das Finanzamt beteiligt sich auf künftig nur dann an den Kosten, wenn das Arbeitszimmer fast nur beruflich genutzt wird. Wer nur zeitweise in dem Zimmer arbeitet und dort ansonsten Gäste unterbringt oder mit seiner Carrera-Bahn spielt, geht leer aus.

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Wie der Bundesfinanzhof am Mittwoch klar stellte, setzt „ein häusliches Arbeitszimmer neben einem büromäßig eingerichteten Raum voraus, dass es ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt wird“. 

Zeitenbuch diskutiert – aber verworfen

Geklagt hatte ein Immobilienbesitzer, der sich in seinem Einfamilienhaus ein Arbeitszimmer eingerichtet hatte. Darin kümmerte er sich auch um die Verwaltung seiner vermieteten Mehrfamilienhäuser. Die Kosten für das Arbeitszimmer machte der Mann in seiner Steuererklärung geltend, scheiterte damit aber beim Finanzamt. Der Fall landete vor dem Finanzgericht. Dieses kam zu dem Schluss, dass der Mann das Arbeitszimmer zu 60 Prozent für die Immobilienverwaltung nutzte. Diese anteiligen Kosten erkannte das Finanzgericht an und stellte sich damit gegen die bisherige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs. Im Jahr 2013 befasste sich deshalb erneut ein Senat des höchsten Steuergerichts mit der Frage und legte den Fall zur abschließenden Klärung dem Großen Senat vor, der nun seine verbindliche Entscheidung veröffentlicht hat.

Ein Teilzeit-Arbeitszimmer wird nicht anerkannt, weil sich nach Ansicht der Richter kaum überprüfen lässt, wie viel Zeit der Arbeitnehmer tatsächlich in dem Raum arbeitet: 20 Prozent seiner gesamten Arbeitszeit, oder doch eher 40 Prozent? Diskutiert haben die Juristen auch über ein Zeitenbuch, in dem der Steuerzahler seine Anwesenheit im häuslichen Arbeitszimmer dokumentiert. Sie sahen darin aber kein geeignetes Mittel – „da die darin enthaltenen Angaben keinen über eine bloße Behauptung des Steuerpflichtigen hinausgehenden Beweiswert hätten“.

Arbeitsecke lässt sich steuerlich nicht geltend machen

Ebenfalls nicht absetzen lassen sich die Kosten für eine Arbeitsecke, etwa ein beruflich genutzter Schreibtisch im Wohn- oder Gästezimmer. Damit scheiterte ein Kläger, der sein Arbeitszimmer nur zu 60 Prozent beruflich genutzt hatte, vor dem höchsten deutschen Steuergericht: Er kann die anteiligen Kosten, etwa für Miete und Strom, nicht steuerlich geltend machen.

Die Entscheidung des Großen Senats war mit Spannung erwartet worden, weil sie Auswirkungen auf Millionen Steuerzahler hat, die einen Teil ihrer Arbeit zu Hause erledigen.


Häusliches Arbeitszimmer absetzen: Das gilt grundsätzlich

  • nur möglich, wenn es sich um einen separaten Raum handelt, d.h. durch Wände und eine Tür vom restlichen Wohnraum getrennt ist
  • nur möglich, wenn der Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich (zu 90 Prozent) beruflich genutzt wird
  • nur möglich, wenn kein Arbeitsplatz außerhalb des häuslichen Arbeitszimmers zur Verfügung steht
  • grundsätzlich sind bis zu 1250 Euro absetzbar
  • höhere Kosten als 1250 Euro sind nur dann absetzbar, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet, d.h. die Erwerbstätigkeit in erster Linie von zu Hause aus ausgeübt werden kann (keine häufigen Termine außer Haus)
  • Selbstständige und Freiberufler setzen die Kosten für das Arbeitszimmer als Betriebsausgabe ab, Angestellte als Werbungskosten

Die oben genannten Punkte gelten für Arbeitszimmer, die sich in der selbst bewohnten Wohnung oder im selbst bewohnten Haus befinden. Im Gegensatz dazu sind die Kosten für außerhäusliche Arbeitszimmer bei beruflicher Nutzung immer steuerlich absetzbar.

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