Steuerlast für Mittelständler Das deutsche Steuersystem: umständlich, zeitaufwändig, teuer

218 Arbeitsstunden Papierkrieg: Der enorme Zeitaufwand für die Steuererklärung vergrößert die Steuerlast für deutsche Unternehmen.

218 Arbeitsstunden Papierkrieg: Der enorme Zeitaufwand für die Steuererklärung vergrößert die Steuerlast für deutsche Unternehmen.© prokop / photocase.de

Die Steuerlast für Mittelständler ist einer aktuellen Studie zufolge in vielen europäischen Ländern niedriger als in Deutschland. Schuld daran sind nicht nur die hohen Steuersätze für Unternehmen.

Das Ende des Steuerjahres rückt näher, und mit ihm steigt bei Unternehmern die Unlust auf das, was dann unweigerlich ansteht: die Steuererklärung. Wie viel wertvolle Zeit dieser Papierkram doch immer frisst!

218 Arbeitsstunden, um genau zu sein: So lange kämpfen deutsche Mittelständler jedes Jahr mit der Steuer, wie aus der Langzeitstudie „Paying Taxes“ der Weltbank und der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC hervorgeht. Damit brauchen deutsche Unternehmer deutlich länger als die meisten ihrer europäischen Nachbarn. Im unbürokratischen Norwegen etwa sind Firmen schon nach durchschnittlich 83 Stunden fertig, die Briten brauchen 110 Stunden.

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Fast 8 Prozentpunkte mehr Steuern als im europaweiten Mittel

Das deutsche Steuersystem ist nicht nur komplexer als das vieler anderer EU-Staaten. Mittelständler in Deutschland zahlen auch vergleichsweise hohe Steuern: 48,8 Prozent des Gewinns. Das europaweite Mittel liegt mit 40,6 Prozent deutlich darunter.

Für die Berechnungen von Weltbank und PWC wurde die Steuerlast in 189 Ländern anhand von drei Kennziffern verglichen: Wie viele Steuern müssen Unternehmen insgesamt zahlen, wie lange brauchen Unternehmen, um alle steuerlichen Anforderungen zu erfüllen, und wie viele Zahlungstransaktionen sind dafür nötig?

Im weltweiten Gesamtranking landete Deutschland auf Platz 72 – und damit weit abgeschlagen etwa hinter Großbritannien (15), den Niederlanden (26) und Schweden (37), aber noch vor Frankreich (87) und Italien (137). Paradiesische Zustände in Sachen Steuern herrschen für Unternehmer in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten: Die beiden Länder teilen sich Platz 1 – hier ist die Steuerlast am geringsten.

Digitalisierung entlastet Mittelständler weltweit

Insgesamt ist die Steuerlast für Mittelständler in den vergangenen zehn Jahren weltweit gesunken. Grund hierfür sind nicht nur gesunkene Steuersätze. Zwar mussten kleine und mittlere Unternehmen im weltweiten Mittel nur noch 40,8 Prozent ihrer Gewinne an den Staat abführen – und damit 11,4 Prozentpunkte weniger als noch 2004. Noch stärker ist aber der positive Einfluss der Digitalisierung: Durch den Einsatz von Informationstechnologien brauchen Unternehmen für ihre Steuererklärung nicht mehr so lange wie früher.

Zum Vergleich: Brüteten kleine und mittlere Unternehmen weltweit im Jahr 2004 noch 322 Stunden im Jahr über den Steuerunterlagen, waren im vergangenen Jahr nur noch 261 Stunden nötig. Unternehmen mit Firmensitz in der EU oder einem Land der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA waren im Schnitt sogar noch schneller fertig mit der Steuererklärung: nach 173 Stunden.

Vor allem bei der Zahl der Transaktionen macht sich die Digitalisierung positiv bemerkbar: Dank der sehr viel effizienteren Steuererhebung kommen Unternehmen in der EU und im EFTA-Raum allerdings mittlerweile mit 11,6 Zahlungstransaktionen aus – zehn Jahre zuvor waren noch doppelt so viele nötig gewesen.

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2 Kommentare
  • Dr. Böhm 20. November 2015 15:15

    48.8% sind nicht 8% mehr als 40.6% sondern gut 20% mehr.
    Immer fein Prozent und Prozentpunkte unterscheiden!

    • Angelika Unger 20. November 2015 16:23

      Sehr geehrter Herr Dr. Böhm, vielen Dank für den Hinweis. Hier war mir tatsächlich in der Zwischenüberschrift ein Fehler unterlaufen.
      Herzliche Grüße
      Angelika Unger

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