Diebstahl am Arbeitsplatz Haftet der Arbeitgeber bei Diebstahl?

Diebstahl am Arbeitsplatz: Haftet der Arbeitgeber wenn Uhren und Schmuck am Arbeitsplatz verschwinden?

Diebstahl am Arbeitsplatz: Haftet der Arbeitgeber wenn Uhren und Schmuck am Arbeitsplatz verschwinden? © Constantinos / Fotolia

Ein Mitarbeiter bringt Uhren und Schmuck mit zur Arbeit. Kurze Zeit später ist alles geklaut. Ob der Arbeitgeber für einen Diebstahl am Arbeitsplatz haftet, wurde jetzt gerichtlich geklärt.

Zwei geknackte Schlösser, ein geklauter Generalschlüssel und fehlender Schmuck im Wert von 20.000 Euro standen im Mittelpunkt einer Klage vor dem Landesarbeitsgericht Hamm: Ein Mitarbeiter forderte Schadensersatz von seiner Arbeitgeberin, weil sie einen Diebstahl am Arbeitsplatz nicht verhindert hatte.

Was war genau passiert? Ein Mitarbeiter eines Krankenhauses im Ruhrgebiet gab an, ihm seien Uhren und Schmuck im Wert von rund 20.000 Euro aus dem Rollcontainer seines Schreibtisches gestohlen worden. Er habe geplant, die Wertsachen am Abend zu einem Bankschließfach zu bringen – das jedoch vergessen. Erst einige Tage später sei ihm aufgefallen, dass die üblicherweise verschlossene Bürotür aufgeschlossen, der Rollcontainer aufgebrochen und die Wertsachen entwendet worden seien.

Anzeige

Der Generalschlüssel, mit dem die Bürotür geöffnet wurde, war einer anderen Kollegin aus dem aufgebrochenen Spind gestohlen worden. Der Kläger war daher der Ansicht, die Arbeitgeberin hätte durch klare Anweisungen oder Vorkehrungen für eine sichere Aufbewahrung des Generalschlüssels sorgen und den Diebstahl so verhindern müssen.

Keine Obhuts- und Verwahrungspflicht

Das Landesarbeitsgericht Hamm argumentierte, dass der Arbeitgeber nur dann eine Schutzpflicht habe, „wenn es sich um Sachen handelt, die ein Arbeitnehmer zwingend, mindestens aber regelmäßig mit sich führe oder aber unmittelbar oder mittelbar für die Arbeitsleistung benötige“. Dann habe der Arbeitgeber zumutbare Maßnahmen zu ergreifen, um die Gegenstände zu schützen (Az.: 18 Sa 1409/15).

Gegenüber Wertgegenständen, die ohne jeden Bezug zum Arbeitsverhältnis und ohne Kenntnis und Einverständnis des Arbeitgebers mitgebracht werden, habe der Arbeitgeber keine Obhuts- und Verwahrungspflichten. Vor allem um den Arbeitgeber keinen unerwarteten und unkalkulierbaren Haftungsrisiken auszusetzen. Mit dieser Argumentation bezog sich das Gericht auf die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Der Kläger nahm daraufhin seine Berufung zurück.

impulse-Akademie: Strategie & Inspiration für Ihr Unternehmen
Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *
Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.