Gehalt im Praktikum Fünf Jahre Praktikum: Arbeitgeberin muss nachzahlen

Welches Gehalt steht einem Mitarbeiter mit einem Praktikumsvertrag zu, wenn er über lange Zeit in einer Firma arbeitet ? Darüber hat nun das Landesarbeitsgericht in München entschieden.

Welches Gehalt steht einem Mitarbeiter mit einem Praktikumsvertrag zu, wenn er über lange Zeit in einer Firma arbeitet ? Darüber hat nun das Landesarbeitsgericht in München entschieden.© Fotolia.com - Jörg Hackemann

Darf ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter jahrelang für einen Stundenlohn von 1,62 Euro beschäftigen, weil der Mitarbeiter einen Praktikumsvertrag unterschrieben hat? Über diese Frage hat nun das Landesarbeitsgericht in München entschieden.

Mehr als fünf Jahre lang und 43 Stunden pro Woche hat eine ursprünglich als Praktikantin angestellte Arbeitnehmerin für ein Monatsgehalt von nur 300 Euro gearbeitet. Nun muss ihre frühere Arbeitgeberin knapp 50.000 Euro an Vergütung, Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen nachzahlen. Das entschied das Landesarbeitsgericht München am Montag und bestätigte damit eine Entscheidung des Arbeitsgerichts (Az 3Sa 23/16).

Die Arbeitgeberin und ihre Angestellte hatten 2009 einen „Praktikumsvertrag“ mit einer Wochenarbeitszeit von 43 Stunden und einer monatlichen Vergütung von 300 Euro geschlossen. Unter diesen Bedingungen hatte die Mitarbeiterin fünf Jahre lang gearbeitet. Nachträglich klagte sie dann auf eine Vergütung von 8,50 Euro pro Stunde und begründete dies damit, dass eine Ausbildung lediglich an den Montagabenden und gelegentlich an Samstagen stattgefunden habe. In der übrigen Zeit habe sie normal gearbeitet. Der vereinbarte Stundenlohn von 1,62 Euro sei sittenwidrig und damit nichtig. Die Arbeitgeberin hielt dagegen, dass ein Praktikum für die Ausbildung zur Finanzfachwirtin vereinbart gewesen sei.

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Das Landesarbeitsgericht gab nun der Arbeitnehmerin Recht. Die Klägerin habe wie andere Arbeitnehmer eine Arbeitsleistung erbracht. Diese sei auch als solche zu vergüten. Die Bezeichnung des Vertrags als „Praktikumsvertrag“ ändere daran nichts und sei unzutreffend. Denn eine Ausbildung habe ganz überwiegend nicht stattgefunden.

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