Urteil zu Lockvogelwerbung Lager leer? Das dürfen Händler den Kunden nicht verschweigen

Bietet ein Händler Kunden Waren an, obwohl sein Lagerraum fast leer ist und er gar nicht mehr alles vorrätig hat, ist das unerlaubte Lockvogelwerbung.

Bietet ein Händler Kunden Waren an, obwohl sein Lagerraum fast leer ist und er gar nicht mehr alles vorrätig hat, ist das unerlaubte Lockvogelwerbung. © lchumpitaz / Fotolia.com

Der Slogan "Nur noch wenige Exemplare auf Lager" ist kein Freifahrtschein bei Lieferschwierigkeiten: Mit diesem Urteil schiebt ein Gericht Lockvogelwerbung im Onlinehandel einen Riegel vor.

„Nur noch wenige Exemplare auf Lager“: Mit diesen Worten warb ein Freiburger Händler online für ein Elektrofahrrad – und versprach, das E-Bike sei binnen zwei bis vier Tagen lieferbar. Als eine Kundin im Dezember 2014 das Rad bestellte, war es in der gewählten Rahmengröße jedoch nicht auf Lager. Der Händler bot ihr daraufhin an, im Januar 2015 das Folgemodell zu liefern.

Das Angebot des Internethändlers sei wettbewerbswidrig gewesen, entschied nun das Oberlandesgericht Hamm: Darüber, dass er das Rad nicht in allen Größen auf Lager habe, hätte der Händler seine Kunden ausdrücklich informieren müssen. (Az.: 4 U 69/15)

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ʺWenige Exemplare auf Lagerʺ suggeriert: schnell zuschlagen

Unternehmer dürfen Waren und Dienstleistungen nur dann zu einem bestimmten Preis anbieten, wenn sie sie in einem angemessenen Zeitraum und in angemessener Menge zur Verfügung stellen können, begründete das Gericht seine Entscheidung. Seien Waren nicht vorrätig oder kurzfristig zu beschaffen, müssten die Händler ihre Kunden darauf hinweisen. Da der Freiburger Händler das nicht tat, habe er gegen das Verbot von Lockangeboten verstoßen.

Der bloße Hinweis ʺnur noch wenige Exemplare auf Lagerʺ sei nicht ausreichend, um den Kunden über Lieferengpässe aufzuklären, urteilte das Gericht. Vielmehr suggeriere der Händler damit dem Kunden, er habe das nachgefragte Produkt noch vorrätig, der Kunde müsse aber schnell zuschlagen, um noch eines zu bekommen. Dass der Händler ein anderes E-Bike als Ersatz angeboten habe, entlaste ihn nicht: Auch dieses Modell hätte er nicht binnen der versprochenen zwei bis vier Tage liefern können.

Mit seinem Urteil bestätigte das Gericht eine Entscheidung des Landgerichts Bochum aus der ersten Instanz. Auf Unterlassung geklagt hatte eine Konkurrenzfirma aus Grafenau in Bayern, die ebenfalls E-Bikes verkauft. Sie hatte die Bestellung aufgegeben.

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