Bewertungsportale Müssen Firmen mit schlechten Bewertungen im Internet leben?

Die Richter in Karlsruhe haben entschieden: Negative Bewertungen im Internet sind durch die Meinungsfreiheit geschützt.

Die Richter in Karlsruhe haben entschieden: Negative Bewertungen im Internet sind durch die Meinungsfreiheit geschützt.© phoenix021 / Fotolia.com

Eine Immobilienfirma sträubte sich, die Kaution auszuzahlen - da schrieb ein Ex-Mieter eine schlechte Bewertung im Internet. Nun hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, ob das Unternehmen dagegen vorgehen kann.

Ein Firmeninhaber muss es akzeptieren, dass ein früherer Geschäftspartner im Internet in Bewertungsportalen negative Erfahrungen schildert. Das ergibt sich aus einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Die beiden Männer hatten vor Jahren einen Streit um die Rückzahlung einer Mietkaution für eine Werkstatt. Die Immobilienfirma rückte das Geld erst heraus, als die Zwangsvollstreckung drohte. Der Ex-Mieter bewertete die Firma später im Internet entsprechend schlecht. Er schilderte den Ablauf des Rechtsstreits und schrieb: „Mit Herrn … werde ich bestimmt keine Geschäfte mehr machen.“

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Der Firmeninhaber hatte ihm diese Äußerungen gerichtlich verbieten lassen. Zu Unrecht, entschieden nun die Karlsruher Richter. Die Schwelle zu einer Persönlichkeitsverletzung sei erst überschritten, wenn der Schaden „außer Verhältnis zu dem Interesse an der Verbreitung der Wahrheit steht“. Die Gerichte dürften hier durchaus ein Kundeninteresse bejahen. Das Landgericht Hamburg muss nun noch einmal entscheiden und das berücksichtigen. (Az. 1 BvR 3487/14)

1 Kommentar
  • Franziska 5. August 2016 10:44

    Eine kritische Entscheidung. Anders als in der Offline-Welt gibt es Online kein automatisches Vergessen. Oft sind Bewertungen und Kommentare nicht mit einem Datum versehen. Sie sind also unbegrenzt im Netz verfügbar und werden für „bare Münze“ gehalten.

    Zudem fehlt bei zufriedenen Kunden bzw. Mitarbeitern oft die Motivation zur positiven Bewertung. Letztlich entscheidet daher immer noch der Markterfolg, ob ein Unternehmen zufriedene Kunden und Mitarbeiter hat und ob es langfristig existiert – und nicht die Meinung Einzelner im Netz.

    Auch Arbeitgeberbewertungsportale oder Arztbewertungsportale bleiben daher im Zweifel ein Forum für Frustierte oder die PR-Botschaften von Unternehmen – nicht so sehr von Durchschnitts-Mitarbeitern oder Durchschnitts-Kunden.

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