Verblüffende Fälle vor Gericht Die skurrilsten Gerichtsurteile im Jahr 2015

Die Werbung sollte ein Hingucker sein - doch der Mitarbeiter der Kaffeefirma fand seinen neuen Firmenwagen anstößig.

Die Werbung sollte ein Hingucker sein - doch der Mitarbeiter der Kaffeefirma fand seinen neuen Firmenwagen anstößig.© picture alliance / dpa

Puffauto, Kondome, Stehpinkler: Unglaublich, womit sich deutsche Gerichte 2015 beschäftigen mussten. Die skurrilsten Fälle im Überblick.

Wenn Teenager Sex im Erlebnisbad haben, Knöllchen-Horst gegen Dolly Buster vorgeht oder ein Lieferfahrer kein „Puffauto“ benutzen will – dann sind häufig sie gefragt: Juristen. Sie bekommen immer wieder Fälle auf den Tisch, die zumindest dem Laien schräg vorkommen mögen. Auch im Jahr 2015 kamen so einige Skurrilitäten zusammen. Eine kleine Auswahl:

Stehpinkler: „Trotz der (…) Domestizierung des Mannes ist das Urinieren im Stehen durchaus noch weit verbreitet“, hält der Düsseldorfer Amtsrichter Stefan Hank im Januar fest. „Jemand, der diesen früher herrschenden Brauch noch ausübt, muss zwar regelmäßig mit bisweilen erheblichen Auseinandersetzungen mit – insbesondere weiblichen – Mitbewohnern, nicht aber mit einer Verätzung des im Badezimmer oder Gäste-WC verlegten Marmorbodens rechnen“, erklärt der Jurist. Mit dieser Urteilsbegründung sorgte Hank bundesweit für Aufsehen – und sicher auch für ein Schmunzeln.

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Was war passiert? Ein Mieter hatte sich dagegen gewehrt, dass seine Vermieterin ihm nach seinem Auszug 2000 Euro von der Kaution abzog, weil die edlen Böden rund um die Toiletten stumpf geworden waren. Auch in zweiter Instanz bekam er Anfang Oktober Recht – auch wenn diesmal eine Richterin den Vorsitz hatte.

Puffauto: Nackte, aus Kaffeebohnen herausragende Frauenbeine mit halb ausgezogenen roten Pumps – dieses Bild zierte einen Lieferwagen, mit dem ein Mitarbeiter eines Kaffeevertriebs aus Mönchengladbach fahren sollte. Doch der weigerte sich, ein solches „Puffauto“, wie er selbst sagte, zu benutzen – und bekam die Kündigung. Vor Gericht wehrte er sich dagegen. Die Arbeitsrichter sagten aber im Oktober: Der Arbeitgeber habe grundsätzlich die Möglichkeit, einem Arbeitnehmer ein nach seinen Vorstellungen gestaltetes Fahrzeug zuzuweisen.

Raucher: Mit Hilfe Düsseldorfer Gerichte hat der Raucher Friedhelm Adolfs eine gewisse Berühmtheit erlangt – mit Kippe im Mund ließ er sich bereitwillig von Pressefotografen ablichten. Dem Rentner war nach 40 Jahren die fristlose Kündigung für seine Parterrewohnung ins Haus geflattert. Er soll seine Nachbarn mit Zigarettenrauch unzumutbar belästigt haben. Mit seiner Klage scheitert er zwar in erster und zweiter Instanz, aber der Bundesgerichtshof rügte Rechtsfehler und gab den Fall nach Düsseldorf zurück.

„Knöllchen-Horst“: Er hat in den vergangenen Jahren Zehntausende Parksünder angezeigt, jetzt geriet Ex-Pornostar Dolly Buster in sein Fadenkreuz. Ein als „Knöllchen-Horst“ bekannt gewordener Frührentner verlangte mehrere Hundert Euro Schmerzensgeld, weil Dolly Buster in einer RTL-Fernsehsendung gesagt habe, er geile sich am Anzeigen von Falschparkern auf. Das Amtsgericht im niedersächsischen Osterode am Harz wies das Begehren im Januar zurück – auch weil das Wort „geil“ aus dem Munde einer früheren Pornodarstellerin nicht unbedingt eine Beleidigung sein müsse.

Kondome: „1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“ – diese spaßige Rechnung auf Kondomverpackungen geht nach Ansicht des Landgerichts Düsseldorf nicht auf. Die Richterin befürchtete, man könne den Werbespruch missverstehen und die Kondome mehrfach benutzen. Per einstweiliger Verfügung wurde der Satz am 27. Oktober verboten.

Sex in der Erlebnisgrotte: Zwei Wochen Dauerarrest für ihn, Wochenendarrest plus 32 Stunden soziale Hilfsdienste für sie – das ist die Quittung für ein junges Paar, das in Bayern beim Sex in einem Erlebnisbad erwischt wurde. Eine Unterwasserkamera hatte den 19-Jährigen und seine 18 Jahre alte Freundin in flagranti gefilmt. Vor Gericht versuchte sich der junge Mann noch damit herauszureden, dass ihm die Hose heruntergerutscht sei. Doch die Richter sahen das sowohl in erster als auch zweiter Instanz anders.

Quicklebendig: 1984 verschwindet in Braunschweig eine 24-Jährige Studentin – die Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus. 1989 wird sie für tot erklärt. Im Jahr 2015 folgt dann die große Überraschung: Die Frau taucht quicklebendig in Düsseldorf auf, nachdem bei ihr eingebrochen wurde und sie deshalb mit der Polizei spricht. Weshalb sie damals abtauchte, bleibt ein Rätsel.

Knabberfische: In manchen Kosmetikstudios gibt es Fische, die Hornhaut von Füßen abknabbern. Die Stadt Köln meint, die Nutzung von Fischen zu reinen Wellness-Zwecken sei nicht mit dem Tierschutz vereinbar. Das Verwaltungsgericht Köln entschied im Juli jedoch: Fische dürfen Füße anknabbern.

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