Recht + Steuern Verbaut der Jugend nicht die Zukunft!

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Azubi bei Schweißarbeiten

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Die Jobsituation für Jugendliche in Europa ist erschreckend: In Spanien ist jeder zweite arbeitslos. In Italien und Frankreich sieht es nicht viel besser aus. Deutschland steht im Vergleich noch gut da, vor allem Dank der Reformen der letzten Jahre, schreibt Unternehmerin Marie-Christine Ostermann. Umso irritierender findet sie die Pläne der kommenden großen Koalition und fordert: Denkt über die nächste Wahl hinaus!

Immer wieder treffen sich Politiker auf europäischen Gipfeln, zuletzt vor Kurzem in Paris, um Lösungen gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa zu finden. Außer einer Jobgarantie und Fördergeldern kam bisher aber nicht viel dabei heraus. Und leider bieten diese beiden politischen Instrumente keine nachhaltige Lösung. Die Probleme werden nicht an der Wurzel gepackt, sondern nur leicht abgemildert.

Um gute Lösungen zur Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa zu finden, muss man sich zuerst über die Ursachen im Klaren sein. Jobs kann man schließlich nicht politisch verordnen. Jobs und Ausbildungsplätze müssen geschaffen werden! Arbeitsplätze kann ein Unternehmen nur dann schaffen, wenn die Rahmenbedingungen, ein Unternehmen erfolgreich zu führen, in dem jeweiligen Land passen.

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Je höher der Mindestlohn, desto höher die Hürden

Dazu gehört vor allem ein flexibler Arbeitsmarkt, in dem Löhne durch den Markt von Arbeitgebern und Arbeitnehmern festgelegt und keine politischen Löhne vorgegeben werden. Politische Löhne orientieren sich bei der Lohnfindung weniger daran, was ein Unternehmen erwirtschaftet und somit verteilen kann, sondern eher an den Chancen der Politiker für die nächste Wiederwahl. Kaum ein Unternehmen kann zum Beispiel einem ungelernten Berufseinsteiger 9,43 Euro pro Stunde bezahlen, also den gesetzlichen Mindestlohn, der derzeit in Frankreich besteht.

Je höher der Mindestlohn, desto höher sind die Hürden gerade für junge Menschen mit schlechter oder gar keiner schulischen Ausbildung, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in einem Unternehmen zu finden. Der hohe Mindestlohn ist in Frankreich ein gewichtiger Grund, warum die Jugendarbeitslosigkeit dort bei über 25 Prozent liegt und die Aussichten auf einen Arbeitsplatz vor allem für junge Menschen so schlecht sind.

Kündigungsschutz benachteiligt Jugendliche

Nicht nur hohe Mindestlöhne, sondern auch die Unkündbarkeit von langjährig beschäftigten Mitarbeitern vermindern die Chancen für Jüngere, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu bekommen. Da zum Beispiel in Spanien und in Italien vor allem die Betriebszugehörigkeit zählt und es für die Unternehmen kaum Möglichkeiten gibt, sich von einem langjährigen Mitarbeiter trennen zu können, ist es für die jungen Menschen deutlich schwieriger, eine Stelle zu finden, weshalb die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien bei über 50 Prozent liegt. In Italien ist es bis heute für Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern fast unmöglich, einem Mitarbeiter zu kündigen. Die damit verbundenen Prozesse vor Gericht sind langwierig, oft willkürlich und sehr teuer. Mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt würde die Firmen dazu motivieren und ermutigen, auch mehr junge Menschen einzustellen und somit die Chancen der Jugend stark verbessern. Alte Besitzstände der Älteren müssen dazu aber aufgegeben werden.

Vor allem Familienunternehmen bilden viel aus

Firmen bilden dann selbst viel aus, wenn sie die Aussicht auf eine langfristig gute Zukunft haben. In Deutschland zum Beispiel bilden vor allem die Familienunternehmen aus: über 80 Prozent der Ausbildungsplätze werden hier von Familienunternehmen angeboten. Diese Firmen denken langfristig und haben das Ziel, die Unternehmen erfolgreich über mehrere Generationen zu führen. In Frankreich gibt es nur sehr wenige Familienunternehmen. Unternehmen werden dort überwiegend aufgebaut und vom Gründer irgendwann verkauft, weil die steuerrechtlichen Regeln bezüglich der Erbschaftsteuer so ausgerichtet sind, dass es sich für die nachfolgende Generation nicht lohnt, das Unternehmen weiterzuführen.

Insgesamt sind die Bedingungen in Frankreich, ein Unternehmen zu führen, so schwierig, dass es kaum Familienunternehmen dort gibt. Ob die 35 Stunden Woche, die 75-prozentige Reichensteuer, die hohen Lohnnebenkosten unter anderem durch die Rente mit 62 oder die hohe Bürokratie: es lohnt sich meistens nicht, ein Familienunternehmen in Frankreich zu führen. Die Aussichten auf eine gute Zukunft sind auch durch die hohe Staatsverschuldung schlecht, denn weitere Steuererhöhungen für die Unternehmer und auch die Arbeitnehmer sind aufgrund der mutlosen Regierung, die gar nicht erst versucht Ausgaben zu streichen und die Staatsverschuldung zu senken, wahrscheinlich. Somit werden auch keine Ausbildungs- und Arbeitsplätze geschaffen und Leistungsträger verlassen stattdessen lieber das Land. Zurück bleibt ein großer Schuldenberg, den die junge Generation bezahlen muss.

Was brauchen wir stattdessen, um die Chancen der Jungen auf Beschäftigung und eine gute Zukunft zu erhöhen? In Deutschland sind die wirtschaftlichen Bedingungen momentan überwiegend noch so, dass es sich für die Firmen lohnt, langfristig zu denken, selbst auszubilden und viele Nachwuchskräfte einzustellen. So ist es auch in unserem Familienunternehmen. Selbst auszubilden ist für uns in Anbetracht des Fachkräftemangels, aber auch aus anderen Gesichtspunkten, sehr wichtig: Die Mitarbeiter, die bei uns ihre Ausbildung gemacht haben, kennen das Unternehmen ausgesprochen gut und sind meistens sehr loyal gegenüber ihrem Ausbildungsbetrieb. Sie identifizieren sich mit ihrer Firma und gestalten das Unternehmen bis in die nächste Generation selbst mit. Somit sind in unserem Unternehmen auch die Führungspositionen überwiegend aus den eigenen Reihen besetzt.

Unsere Auszubildenden sind unsere Zukunft

Für unsere Auszubildenden tun wir viel, um die so gute Qualität unseres Personals zu erhalten. Die Einstellungsgespräche werden durch mich, die Firmeninhaberin, und unsere Ausbildungsleiterin geführt. Durch Schulkooperationen haben wir engen Kontakt zu den Schulen und den Schülern. Wir achten sehr darauf, Menschen für unsere Ausbildung zu finden, die in die Welt und in unser Team passen. Ein guter Charakter ist uns dabei wichtiger als Verstand und fachliche Qualifikation.

Unser Ausbildungsplan sieht vor, dass alle Abteilungen im Unternehmen durchlaufen und gut kennengelernt werden. Durch Quartalsbeurteilungen bekommen die Auszubildenden das Feedback, das sie brauchen, um sich zu verbessern. Außerdem findet regelmäßig durch unsere Mitarbeiter, aber auch durch die Hersteller, Warenkundeunterricht für die Auszubildenden statt, so dass sie über alle Produkte, die wir verkaufen, sehr gut Bescheid wissen.

Workshops, in denen unsere Nachwuchskräfte ein Warenkundethema selbst präsentieren müssen, schulen sie für gutes Auftreten und die mündliche Prüfung vor dem IHK-Prüfungsausschuss. Aufgaben wie die Leitung des Weihnachts-Süßwarensortiments, das unsere Auszubildenden alleinverantwortlich über alle Prozesse im Betrieb betreuen, sorgen für ganzheitliche Kenntnisse des Unternehmens. Regelmäßige Besuche von Messen und Betriebsbesichtigungen der Lebensmittelproduzenten geben noch einen Blick über den eigenen Tellerrand unseres Großhandelsunternehmens hinaus.

Vorteile der dualen Ausbildung

Vorteilhaft ist in Deutschland dabei das Modell der dualen Ausbildung. Die Nachwuchskräfte machen eine Ausbildung im Betrieb und gehen gleichzeitig 2 Tage in der Woche oder blockweise auch einige Monate zur Schule. Den anderen Teil der Ausbildungszeit sind sie im Betrieb eingesetzt. Somit kann das theoretische Wissen gleich praktisch angewandt werden und die Firmen bekommen so schneller und effizienter gut ausgebildete Fachkräfte, als wenn sie den Nachwuchs nach der theoretischen Ausbildung im Betrieb ganz neu einarbeiten müssten.

Natürlich ist aber auch die schulische Bildung vor der dualen Ausbildung wichtig. Hier kommt es in Zukunft noch mehr darauf an, die Schulabbrecherquoten zu reduzieren, damit möglichst viele junge Menschen für die Betriebe ausbildungsfähig sind und zum Beispiel gut schreiben, rechnen und lesen können sowie gute Sprachkenntnisse haben.

Flexibilität durch Zeitarbeit

Dass Deutschland wirtschaftlich momentan so gut dasteht, liegt vor allem daran, dass die Löhne in den letzten zehn Jahren an die Produktivität gekoppelt waren und nicht politisch vorgegeben wurden. Das Instrument der Zeitarbeit hat den Firmen eine gewisse Flexibilität gegeben, auf Nachfrageschwankungen reagieren zu können. Durch Minijobs konnten auch viele ungelernte und langzeitarbeitslose Menschen einer Beschäftigung nachgehen.

Die Agenda 2010 hat viel dazu beigetragen, dass es den Firmen in Deutschland so gut geht und somit auch viele Mitarbeiter und Auszubildende beschäftigt werden. Auch für sehr schlecht Qualifizierte wurden dadurch viele Chancen auf Beschäftigung geschaffen. Aber nicht nur die duale Ausbildung und die Agenda 2010 sind für die niedrige Jugendarbeitslosigkeit und die gute wirtschaftliche Lage verantwortlich. Das Erbschaftssteuerrecht ist bisher noch so ausgestaltet, dass viele Nachfolger in Familienbetrieben durch die Behaltefrist und damit verbundene Befreiung von der Erbschaftssteuer die Motivation haben, das Familienunternehmen in die nächste Generation zu führen, anstatt die Firma zu schließen oder zu verkaufen. Dadurch können die Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen werden.

Und es gibt weitere Gründe für unsere gute Beschäftigungslage. Die längere Beschäftigung älterer Arbeitnehmer durch die Rente mit 67 sowie der Nachhaltigkeitsfaktor in unserem Rentensystem sorgen dafür, dass auch die Lohnnebenkosten im immer älter werdenden Deutschland mit immer weniger Arbeitnehmern und immer mehr Rentnern nicht zu stark ansteigen und sich das Schaffen von Arbeit somit für viele Firmen noch lohnt.

Reformen für mehr Jobs werden zurückgedreht

Leider sieht es so aus, dass die meisten Reformen der letzten Jahre nun durch die kommende Große Koalition zurückgedreht werden. Die sehr schädliche Vermögensteuer, die Firmen Kapital entziehen und dadurch Investitionen sowie Arbeitsplätze mindern würde, liegt vorerst auf Eis. Aber ein gesetzlicher Mindestlohn soll kommen, die Zeitarbeit soll stark reguliert, die Rente mit 63 wiedereingeführt und die Erbschaftssteuererleichterungen für Nachfolger in Familienunternehmen wieder abgeschafft werden neben vielen weiteren Maßnahmen, welche die Chancen auf Jobs für die Jugend stark einschränken statt verbessern werden. Durch die teuren Pläne der großen Koalition werden daher vermutlich auch bald wieder Steuererhöhungen auf den Tisch kommen, obwohl Deutschland mit seiner auch sehr hohen Staatsverschuldung ein Ausgaben- und kein Einnahmenproblem hat und besser darüber nachdenken sollte, welche Ausgaben zur Schuldensenkung gestrichen werden könnten. Jobs schafft man so nicht!

Deshalb ist eine europäische Jobgarantie mit den damit verbundenen Subventionen ein Hohn für die jungen Menschen. Würden es unsere Politiker in ganz Europa wirklich ernst damit meinen, der Jugend aussichtsreiche Chancen auf eine gute Zukunft zu geben, so würden sie sich endlich an die dringend nötigen, unbequemen Strukturreformen heranwagen, die Europa so dringend braucht.

Dazu gehören Reformen für einen flexiblen Arbeitsmarkt, so dass die Firmen sich auch trauen, mehr Personal einzustellen und auszubilden. Dazu gehört ein Rentensystem, das die demographische Entwicklung berücksichtigt, damit die Lohnnebenkosten den Faktor Arbeit nicht zu teuer und unrentabel machen. Dazu gehört ein Bildungssystem, welches die jungen Menschen optimal auf das Berufsleben vorbereitet und Hand in Hand praxisorientiert mit den Unternehmen arbeitet. Dazu gehört ein Steuersystem, welches Eigenkapitalbildung, Investitionen und somit auch Arbeitsplatzschaffung fördert. Und dazu gehört ein Staat, der nicht nur bequem Subventionen verteilt und dadurch die Staatsverschuldung weiter in die Höhe treibt. Wir brauchen stattdessen dringend mutige Politiker, die langfristig über die nächste Wahl hinaus denken und unbequeme Reformen durchsetzen, so dass die junge Generation nicht verloren ist, sondern die Chance auf eine gute Zukunft zurückbekommt.

1 Kommentar
  • Ulrike Gaedecke 25. November 2013 15:32

    Frau Ostermann spricht mir aus der der Seele. Die populistischen Maßnahmen der großen Koalition kosten bei uns bereits jetzt Arbeitsplätze. Wir sind ein in dritter Generation geführter Familienbetrieb in der Immobilienbranche und mussten bereits jetzt Mitarbeitern kündigen, weil die Vermittlung von Mietwohnungen nun nach dem Willen der Politik von den Vermietern bezahlt werden soll. Der Eingriff in einen gesunden Markt mit Angebot und Nachfrage bedeutet für unsere Branche zunächst einmal einen Umsatz- und Gewinnrückgang von ca. 50 Prozent.

    Gerade für unsere Auszubildenden sind die Arbeitsplätze nicht mehr sicher, weil sie bislang diese Nachweisvermittlung für kleinere Mietwohnungen übernommen hatten.

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