Recht + Steuern Verwandtendarlehen: So können Sie Steuern sparen

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Auch bei Verwandtendarlehen gilt: Das Finanzamt will mitmischen.

Auch bei Verwandtendarlehen gilt: Das Finanzamt will mitmischen.© dpa

Verwandtendarlehen sind ein lohnendes Steuersparmodell, das durch neue Urteile noch attraktiver wird. Doch Vorsicht: Das Finanzamt achtet auf das Kleingedruckte.

Man kennt sich, man hilft sich – diese goldene Regel unter Verwandten gilt auch in der Familie von Klaus Olbertz*. Als der Unternehmer für seine Koblenzer Maschinenbau-GmbH eine neue Fertigungsanlage benötigte, bat er seinen Vater um ein Darlehen. Es ging nicht nur um ein paar Tausend Euro, sondern gleich um eine halbe Million. Ein Betrag, der bei der nächsten Betriebsprüfung umgehend auffiel – was Unternehmer Olbertz viele Scherereien bereiten sollte. Denn bei Krediten innerhalb von Unternehmerfamilien gibt es noch eine zweite Regel, die es zu beachten gilt: Das Finanzamt will mitmischen. Immer.

Das Misstrauen der Beamten hat einen Grund: Darlehensverträge zwischen Angehörigen sind von jeher ein beliebtes Steuersparmodell. Es bringt rasch ein paar Tausend Euro mehr netto in die Familienkasse. Im Fall von Klaus Olbertz mindert der Kreditaufwand den Gewinn; sein Vater kann mit den vom Sohn gezahlten Zinsen sein Privatvermögen mehren. Durch aktuelle höchstrichterliche Urteile sind Verwandtendarlehen jetzt noch attraktiver geworden. Aber nur, wenn man sich an die überaus komplexen Regeln hält.

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Beim Verwandtendarlehen wurde der Betriebsprüfer hellhörig

Bei Olbertz und seinem Vater fand der Betriebsprüfer zwei kritische Stellen, an denen er einhakte. Ihm erschien der vereinbarte Zinssatz von 6 Prozent zu hoch; er wollte nur 3,5 Prozent durchwinken und unterstellte für den Rest eine verdeckte Gewinnausschüttung, also einen Betrag, der bei der GmbH nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig ist – und beim Gesellschafter zusätzlich zu seinen anderen Einkünften zu versteuern ist. In diesem Fall war das ein Einkommensplus von 12.500 Euro, was beim Sohn zu einer zusätzlichen Steuer von rund 5000 Euro führte.

„Dem sind wir erfolgreich entgegengetreten“, erzählt der Koblenzer Rechtsanwalt und Steuerberater Andreas Fromm, der der Familie zur Seite steht. Sein Argument: Hätte der Vater seinem Sohn von vornherein ein zinsloses Darlehen gegeben, hätte das Finanzamt automatisch 5,5 Prozent Zinsen angesetzt. Also darf es bei einer ausdrücklichen Zinsvereinbarung ruhig etwas mehr sein.

Rückendeckung vom Bundesfinanzhof

Damit war es noch nicht vorbei. Der Prüfer kritisierte auch, wie der Vater des Firmenchefs die eingenommenen Zinsen versteuerte. Nach dem Willen des Finanzamtes kosten private Zinsen aus einem Verwandtendarlehen, etwa für Investitionen in den Familienbetrieb oder ein Mietshaus, volle Steuern. Und zwar zum persönlichen Satz, also maximal 45 Prozent plus Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer. Olbertz’ Vater wollte aber nur die sonst übliche Abgeltungsteuer zahlen.

Sein Argument: Wer bei seiner Bank ein üppiges Anlagenkonto unterhält, zahlt für seine Zinsen nur 25 Prozent plus Soli und eventuell den Obolus für die Kirche. Warum also die Ungleichbehandlung der Familien? „Das ist verfassungsrechtlich äußerst bedenklich“, sagt Berater Fromm. Auch dagegen ging er vor – und hat nun Ende August Rückendeckung von den obersten Finanzrichtern erhalten. Da veröffentlichte der Bundesfinanzhof (BFH) ein Urteil, in dem er für die Zinsen aus Familiendarlehen die Abgeltungsteuer zuließ (Az.: VIII R 31/11). Gut für Klaus Olbertz.

Das gleiche Problem haben etliche Familienbetriebe. Sie streiten sich mit dem Finanzamt um die korrekte Besteuerung der Zinseinnahmen. Mehr als 25 Prozent wollen die wenigsten zahlen. Experte Fromm empfiehlt daher, noch offene Steuerbescheide anzufechten und auf die neue Rechtslage hinzuweisen.

*Name auf eigenen Wunsch geändert

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