Recht + Steuern Telearbeit: Das ist arbeitsrechtlich zu beachten

  • Serie
Für Telearbeit sind Selbstdisziplin und Zuverlässigkeit  neben gegenseitigem Vertrauen unabdingbar.

Für Telearbeit sind Selbstdisziplin und Zuverlässigkeit neben gegenseitigem Vertrauen unabdingbar. © dpa / picture-alliance

Für Telearbeit gibt es gute Gründe, etwa die Zeitersparnis. Doch in der Umsetzung lauern jede Menge Fallstricke. Worauf Arbeitgeber achten sollen, erläutert Rechtsanwältin Antje-Kathrin Uhl.

Flexible Arbeitszeitmodelle und insbesondere auch die Arbeit von einem Home Office aus haben in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, auch für Mitarbeiter außerhalb des Vertriebs. Kürzlich wurde bekannt, dass IBM in Deutschland mehrere tausend Stellen abbauen würde, vor allem aber will das Unternehmen auch seine Struktur radikal verändern: es soll nur noch eine eher kleine Kernbelegschaft und sonst nur nicht festangestellte Projektmitarbeiter geben, die von zuhause oder irgendwo – jedenfalls nicht aus einem vom Unternehmen gestellten Büro arbeiten.

In der Schweiz führen derzeit viele Unternehmen einen Home-Office-Day ein, auch aus Gründen des Umweltschutzes (weniger Autofahrer im Berufsverkehr). Beide Modelle passen sicher nur auf bestimmte Unternehmen und Arbeitsplätze, aber eines zeigt sich deutlich: durch die technologische Entwicklung auf der einen und die geänderten Vorstellungen von Arbeitnehmern auf der anderen Seite wird sich die Arbeitswelt in den nächsten Jahren stark verändern. Die Entwicklung geht weg vom klassischen Prinzip „fester Arbeitsort, feste Arbeitszeit“ hin zu flexiblen Arbeitszeiten- und -orten.

Anzeige

Telearbeit schützt die Umwelt

Abgesehen vom Umweltschutz ist zum Beispiel die Zeitersparnis ein gutes Argument für die Arbeit im Home Office. Nicht im Berufsverkehr verbrachte Zeit lässt sich deutlich sinnvoller nutzen. Die Möglichkeit, nicht nur in der Firma zu arbeiten, zieht zudem qualifizierte Fachkräfte an, die flexibler arbeiten möchten oder müssen, um die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen sicherzustellen.

Allerdings sind nicht nur nicht alle Arten von Arbeitsplätzen, sondern auch nicht alle Arbeitnehmer für ein Home Office geeignet. Selbstdisziplin und Zuverlässigkeit sind neben gegenseitigem Vertrauen unabdingbar. Von Arbeitgeberseite muss das ständige Vertrauen in gute Arbeitsleistung vorhanden sein, von Arbeitnehmerseite aus das Vertrauen, darauf dass die Arbeit aus dem Home Office nicht zu Nachteilen führen könnte. Personalentwicklung bedeutet hier: „Karriere auch trotz oder gerade wegen Home Office möglich“, Entwicklungsmöglichkeiten müssen also auch dem Arbeitnehmer im Home Office aufgezeigt werden.

Bei Telearbeit bestimmt der Betriebsrat mit

Eine Vereinbarung zur Telearbeit sollte schriftlich getroffen werden. Die Vereinbarung muss in Betrieben mit Betriebsrat zunächst mit diesem abgestimmt werden und in einer Betriebsvereinbarung niedergelegt werden. Der Betriebsrat hat ein erzwingbares Mitbestimmungsrecht in Fragen der Arbeitszeit, Zeiterfassung und bei technischen Einrichtungen, die zur technischen Überwachung des Arbeitnehmers geeignet sein können, also bei jedem Computer.

Abgesehen davon kann ein erfolgreiches Home-Office-Programm in der betrieblichen Realität nicht ohne die Unterstützung des Betriebsrats eingeführt werden. Mit dem betroffenen Arbeitnehmer selbst sollte, sofern dies nicht schon Gegenstand der Betriebsvereinbarung ist, vor allem geregelt werden, wer die Kosten der Einrichtung des Arbeitsplatzes trägt. Dabei ist denkbar, dass der Arbeitgeber die Einrichtung, Büromöbel, technische Ausstattung und Telefon bezahlt.

Man könnte aber auch vereinbaren, dass der Arbeitnehmer seine eigenen Arbeitsmittel benutzt und der Arbeitgeber sich an den Kosten beteiligt. An sich besteht auch ein Anspruch des Arbeitnehmers auf Beteiligung an den Mietkosten, in der Praxis wird das häufig nicht gesondert vereinbart, sondern „der Schreibtisch steht da ohnehin“. Da Datenschutz, Vertraulichkeit und Loyalität besonders wichtig sind, muss mit der Vereinbarung auch sichergestellt werden, dass Daten von Kunden, Geschäftspartnern entsprechend aller datenschutzrechtlichen Vorschriften geschützt werden.

Die Vereinbarung kann der Arbeitgeber jedoch nicht einfach durch einen Besuch kontrollieren: Bei einem Home Office ist die Kontrolle des Arbeitnehmers eingeschränkt. Ein Zutrittsrecht des Arbeitgebers kann zwar vertraglich vereinbart werden, der konkrete Besuch – etwa auch um die gestellten Geräte zu warten – kann aber nur im Einvernehmen mit dem Arbeitnehmer erfolgen, denn auch für den Chef gilt: die Wohnung ist unverletzlich.

Der Arbeitnehmer muss auch zu Hause sorgsam und pfleglich mit den ihm überlassenen Arbeitsmitteln umgehen und zum Beispiel aufpassen, dass die Kinder nicht daran herumspielen. Kommt es zu einer Beschädigung, gelten die allgemeinen Grundsätze der Arbeitnehmerhaftung: Die Haftung ist für die Arbeitnehmer begrenzt, wenn die Beschädigung im Zusammenhang mit der betrieblichen Tätigkeit erfolgte. Für die Vereinbarung über Telearbeit kann es ausreichen, diese Haftungsbegrenzung auch auf die im Haushalt lebenden Familienangehörigen auszuweiten.

Telearbeit funktioniert am besten mit festen Arbeitszeiten

Nicht selten führt die Arbeit im Home Office zu einer unerwünschten Vermischung von Arbeits- und Privatleben und zu dem Gefühl des Arbeitnehmers, ständig erreichbar sein zu müssen. Auch hier empfehlen sich klare, schriftlich festgehaltene Absprachen. Ganz konsequent geht beispielsweise Volkswagen vor, wo nach Feierabend keine dienstlichen E-Mails mehr bearbeitet werden dürfen und schlicht der Server abgeschaltet wird.

Man kann natürlich auch bei Telearbeit feste Arbeitszeiten oder Gleitarbeitszeit mit einer festen Kernarbeitszeit vereinbaren. Dann müssen die Arbeitnehmer zu diesen Zeiten, oft synchron zu der Anwesenheitszeit im Betrieb selbst, erreichbar sein. Sind sie das nicht, ist die Abmahnung die arbeitsrechtliche Konsequenz. Und wenn alles nicht hilft, das Vertrauen in gute Arbeitsergebnisse verloren gegangen ist, sieht eine gute, vollständige Home-Office-Vereinbarung die Möglichkeit des Widerrufs vor und der Arbeitnehmer muss wieder an seinen angestammten Platz im Unternehmen zu festen Uhrzeiten zurückkehren. Weil die meisten aber genau das nicht wollen, sondern die Vorteile der Telearbeit schätzen, sind diese Fälle in der betrieblichen Praxis glücklicherweise nur eine Ausnahme.

Rechtsanwältin Antje-Kathrin Uhl ist Fachanwältin für Arbeitsrecht und Partnerin bei CMS Hasche Sigle

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.