Recht + Steuern Was die elektronische Bilanz ändert

Bilanz_Friedberg-Fotolia_620

© Friedberg - fotolia.com

Lange verschoben, aber jetzt ist sie da: Mit der elektronischen Bilanz ändert sich für Unternehmer viel beim Jahresabschluss - nicht nur der Versandweg. Was zu beachten ist.

Ausreden gelten nicht mehr. Im vergangenen Jahr konnte Nikolas Härdtner die Datensätze für die elektronische Bilanz noch bei sich im Haus behalten. „Ich gebe doch nicht mehr Daten heraus, als ich unbedingt muss“, sagt er. Der studierte Jurist ist Vorstand einer mittelständischen Bäckerei aus Neckarsulm mit 50 Filialen, die er von seinen Eltern übernommen hat.

Den Jahresabschluss für 2012 schickte er also noch ganz konventionell per Post an das Finanzamt. Eine „Nichtbeanstandungsregelung“ machte es möglich, dass Unternehmer die E-Bilanz noch ein Jahr hinauszögern konnten, ohne Ärger mit dem Fiskus zu bekommen. Doch damit ist es nun vorbei. Für das Jahr 2013 muss Härdtner – wie alle anderen Unternehmer – die vorgeschriebenen Datensätze elektronisch an die Behörde übermitteln.

Anzeige

Ursprünglich war das eigentlich schon für den Jahresabschluss 2011 geplant. Die Einführung der E-Bilanz verzögerte sich aber auch wegen technischer Probleme immer wieder. Jetzt ist die Schonfrist vorüber. „Wer sich nicht bereits das ganze Jahr über vorbereitet hat,
bekommt Probleme“, warnt Josef Bühlmaier, Steuerberater bei Lehleiter + Partner in Neckarsulm. Denn die E-Bilanz ist umfassender als ihre Schwester auf Papier, mit einem deutlich erweiterten Kontenrahmen und neuen Buchungsposten. Die entscheidendste Neuerung: Auch Mittelständler müssen jetzt zwischen Handels- und Steuerbilanz unterscheiden – bislang galt dies nur für Großunternehmen. Das könnte vor allem bei Unternehmen für Probleme sorgen, die ihre Buchhaltung nicht an professionelle Institutionen ausgelagert haben, sondern selber machen.

Elektronisch übermittelt werden müssen neuerdings neben etlichen Stammdaten zu Unternehmen und Gesellschaftern vor allem die Handelsbilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung sowie eine Überleitungsrechnung. Letztere macht aus den Handelsbilanzwerten solche, die das Finanzamt auch für die Steuer akzeptiert. Möglich ist zudem eine Steuerbilanz, die der obligatorischen Handelsbilanz entspricht. „Das würde ich aber nicht machen“, meint Experte Bühlmaier, „denn da verzichtet man komplett auf rein steuerliche Wahlrechte und zahlt zu viel an das Finanzamt.“

Viel Vermögen, hohe Bonität

Zwei Bilanzen sind sinnvoll, weil die Unternehmen handelsrechtlich eben andere Wahlrechte nutzen können als steuerlich. So etwa bei selbst entwickelten Patenten oder Lizenzen: In der Steuerbilanz sind die Kosten dafür zwangsweise sofort als Betriebsausgaben anzusetzen. In die Handelsbilanz hingegen dürfen diese Wirtschaftsgüter als Vermögen eingestellt werden. Das erhöht die Kreditwürdigkeit und macht sich gut in Bankverhandlungen; dort zählt für gewöhnlich die Handelsbilanz.

Auch wer eine andere Firma gekauft hat, kann den dafür gezahlten Preis in der Handelsbilanz anders ausweisen als in der Steuerbilanz. Für das Finanzamt muss diese Rechengröße über 15 Jahre abgeschrieben werden. In der Handelsbilanz sind nur fünf Jahre vorgesehen, im Anhang der Bilanz dürfen Firmenchefs aber einen längeren Zeitraum begründen.

Spielraum gibt es auch beim Warenlager: Wer dort den Bilanzgewinn heben möchte, kann die einzelnen Warengruppen nach der „Lifo“-Methode (Last in – first out) oder nach dem „Fifo“-Verfahren (First in – first out) ansetzen: Lifo führt zu steigenden Gewinnen, wenn die Marktpreise der Vorräte fallen, weil zunächst die Waren verbraucht werden, die zuletzt gekauft wurden – und das zu niedrigeren Preisen. Im Lager bleiben also die teurer eingekauften Güter. Steigen dagegen die Marktpreise, ist Fifo für Gewinnmaximierer richtig: Hier werden die alten Produkte, die günstig eingekauft wurden, zuerst verbraucht. In der Steuerbilanz ist nur Lifo erlaubt.

Gegenüber dem Fiskus stellt sich die Frage nach dem Gewinn anders als in der Handelsbilanz. Im steuerlichen Jahresabschluss geht es dem Unternehmer weniger um Bonitätsfragen als darum, wie viel Geld er an die Staats­kasse überweisen muss. Hat er in diesem Jahr einen ordentlichen Überschuss erwirtschaftet, sollte er also alles daransetzen, den steuer­lichen Ertrag so weit wie möglich herunterzurechnen. Auch dafür gibt es diverse legale Möglichkeiten.

Niedriger Gewinn, wenig Steuern

So kommen etwa Teilwertabschläge in Betracht, wenn Vermögensgegenstände weniger wert sind, als aus der Buchhaltung ersichtlich ist. Denn dort stehen Maschinen oder Lizenzen gewöhnlich mit ihren Anschaffungs- oder Herstellungskosten, bei abnutzbarem Anlagevermögen vermindert um die steuerlich zulässige Abschreibung. Diese Werte müssen vom Firmenchef gemeinsam mit dem Steuerberater kritisch hinterfragt werden: Sind sie am Bilanzstichtag tatsächlich angemessen gewesen?

Der Buchwert von Maschinen, die nur noch ungenutzt in der Halle stehen, kann grundsätzlich auf den Preis heruntergerechnet werden, der am Markt noch erzielt werden könnte. Oft ist das nicht mehr viel. Auch Lizenzen, die der Firmenchef teuer erworben hat und die sich inzwischen überholt haben, sind praktisch nichts mehr wert – was in der Steuerbilanz Berücksichtigung finden sollte. Die Faustregel: Was in der Ecke steht oder nur noch mit Verlusten zu verkaufen ist, sollte auch nur noch mit dem tatsächlichen Wert vorkommen. Die bilanziellen Abschläge sparen kräftig Steuern.

Ähnliches gilt für Finanzanlagen, die Einzelunternehmer oder Personengesellschaften im Betriebsvermögen halten, etwa Aktien. Die Kurse waren zwar 2013 meist auf Rekordjagd. Wer dennoch Pech hatte, kann seine Buchverluste mit seinem Firmengewinn verrechnen. Und zwar immer dann, wenn die Papiere zum Bilanzstichtag mehr als fünf Prozent weniger wert waren als am Kauftag. Die roten Zahlen sind freilich nur zu 60 Prozent (Teileinkünfteverfahren) steuerwirksam.

Vorräte können ebenfalls heruntergerechnet werden. Das betrifft Rohstoffe oder Rohlinge in der Industrie sowie Warenbestände im Ein­zelhandel oder in Handwerksbetrieben, etwa Metzgereien. Diese können auf ihren niedrigeren Teilwert heruntergerechnet werden, wenn sie im Marktwert gefallen sind oder nicht mehr zu den kalkulierten Preisen verkauft werden können. Klassisches Beispiel ist der Modehandel, der seine alten Kollektionen im Frühjahr zu stark reduzierten Preisen abverkaufen muss.

Letzte Chance für Investitionen

„Ob die Unternehmen ihre Bestände kräftig abwerten oder lieber nicht, hängt davon ab, wie viel Gewinn sie ausweisen wollen“, sagt Armin Weber, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bei Ecovis in München. „Unternehmen, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, gehen da eher zögerlich vor.“ Denn sie wollten tenden­ziell einen hohen Gewinn zeigen, auch wenn dafür höhere Steuern anfallen. Die Chefs von typischen Familienbetrieben würden da häufig anders denken, so Weber. Sie rechneten sich lieber ärmer als reich – alles, was nicht ans Finanzamt geht, steht für Investitionen bereit.

Und für die gibt es jetzt noch eine Last-Minute-Chance namens „Investitionsabzugsbetrag“. Er erlaubt es den Chefs kleiner und mittlerer Unternehmen, bis zu 40 Prozent ihrer geplanten Investitionen – maximal 200 000 Euro – steuersparend vom Gewinn abzuziehen. Das Manöver rechnet sich aber nur, wenn der Unternehmer tatsächlich vorhat, in den nächsten drei Jahren Fahrzeuge, Maschinen oder Anlagen anzuschaffen. Macht er das nicht, wird der Abzugsbetrag dem Gewinn 2013 wieder steuererhöhend hinzugerechnet – plus abenteuerlich anmutenden sechs Prozent Verzinsung.

Auch von Rückstellungen können Unternehmen profitieren. Sie stehen für Verbindlichkeiten, die zum Bilanzstichtag noch unsicher sind und später zu einer Minderung des Gewinns führen können. „Hier steckt ein erhebliches Sparpotenzial“, sagt Andreas Engeln von der Kanzlei RST Witte & Partner in Essen.

Bilanzpolster für die Altersvorsorge

Das nutzt auch Frank Bauer, ein Mandant von Engeln. Der Textilfabrikant aus dem Ruhrgebiet, der nicht mit echtem Namen genannt werden möchte, hat gleich mehrere Rückstellungen in seiner Bilanz. Für mögliche Gewährleistungen legt er jedes Jahr eine feste Summe zurück. „Da haben wir uns bei der letzten Betriebsprüfung pauschal auf ein halbes Prozent vom Umsatz geeinigt“, sagt Engeln.

Und auch für seine Altersvorsorge hat Bauer ein Bilanzpolster gebildet. Mit 65 Jahren kann er sich zur Ruhe setzen – mit einer Pension seiner Firma. Dafür hat die GmbH eine Lebensversicherung abgeschlossen. Die notwendigen Aufwendungen dafür stellt Bauer Jahr für Jahr zurück und spart dabei noch Steuern. Ganz zur Zufriedenheit seiner Bank: Kreditinstitute sehen Pensionszusagen ohne eine Rückdeckung sehr kritisch. Für den Firmenchef eine beruhigende Lösung: „Das wird später mal meine Rente zahlen.“

 

cover0114Aus der impulse 03/2014

Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben im PDF-Format herunterladen und bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.