Recht + Steuern Weiter Streit um Altersgrenze beim geplanten Mindestlohn

Ausbildung: Ab wann soll der Mindestlohn gelten?

Ausbildung: Ab wann soll der Mindestlohn gelten?© ehrenberg-bilder - Fotolia.co

Auch nach dem Koalitionstreffen bleibt der Mindestlohn vor allem für junge Leute umstritten. Die Wirtschaft sorgt sich, dass zu wenige Menschen eine Ausbildung beginnen. Der Bauernverband fürchtet sogar um die Gurkenproduktion.

Beim geplanten gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro streiten Politik und Wirtschaft auch nach Bekanntwerden des
Gesetzentwurfes weiter um eine Altersbegrenzung. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) warf Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) vor, sie sei „nicht bereit, sich mit der Lebenswirklichkeit junger Menschen auseinanderzusetzen“. Anders sei nicht zu erklären, dass sie an der Altersgrenze von 18 Jahren festhalte.

„Frau Nahles geht wohl davon aus, dass Abiturienten nicht in Ausbildungsberufe streben“, sagte Aigner der „Passauer Neuen Presse“. Es bleibe ein Problem, „dass ein Mindestlohn von 8,50 Euro für einfache Hilfsarbeiten junge Menschen von einer Berufsausbildung abhält“.

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Kaum Ausnahmen geplant

Beim gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde wird es kaum Ausnahmen geben. Nur Jugendliche unter 18, Praktikanten, Ehrenamtliche und Langzeitarbeitslose sollen ausgenommen werden, wie Nahles in Berlin mitteilte. Zuvor hatte sie den Entwurf zur Abstimmung mit den anderen Ministerien freigegeben.

Der Vorsitzende des Arbeitnehmerflügels in der CDU, Karl-Josef Laumann, begrüßte es, „dass wir jetzt einen wirklich robusten Mindestlohn ohne viele Ausnahmen bekommen“. Er würde allerdings einen Mindestlohn ab 21 Jahren vorziehen, sagte Laumann der „Rhein-Zeitung“. „Der Mindestlohn muss so geregelt werden, dass es attraktiv bleibt, eine Lehre zu machen. Denn Ausbildung ist der Schlüssel dafür, später von seiner Arbeit leben zu können.“

Gegen jegliche Altersbeschränkung sprach sich der Chef der IG Bergbau Chemie Energie, Michael Vassiliadis, aus. „Wenn überhaupt, dann kann es von allen akzeptierte Ausnahmen vom Mindestlohn geben – etwa bei Azubis oder ehrenamtlichen Tätigkeiten. Aber altersabhängige Ausnahmen bis 18 oder 25 Jahre sind absurd: Da könnte man ihn ja auch von der Schuhgröße bestimmen lassen“, sagte er der „Rheinischen Post“.

Altersgrenze „sehr gut begründbar“

Dagegen meinte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, Carola Reimann, die Altersgrenze von 18 Jahren sei „sehr gut begründbar“. Sie knüpfe an den Jugendarbeitsschutz an und an Regelungen in anderen europäischen Ländern, sagte sie der „Braunschweiger Zeitung“.

Der Deutsche Bauernverband forderte Ausnahmeregelungen für Saisonarbeiter etwa beim Obst- und Gemüseanbau. Andernfalls müsse sich der Verbraucher auf höhere Preise beispielsweise für Wein, Erdbeeren oder Spargel einstellen, sagte Verbandsgeneralsekretär Bernhard Krüsken der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Zudem besteht die Gefahr, dass sich die Produktion in Länder ohne Mindestlohn verlagert.“ Krüsken verwies auf die Gurkenproduktion in Deutschland: Sie habe sich hierzulande nur etablieren können, weil ein Mindestlohn in den Niederlanden die dortigen Produzenten zur Abwanderung gezwungen habe.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, plädierte für ein Startalter von 25 Jahren. Das Handwerk lehne einen Mindestlohn schon für 18-Jährige strikt ab. Es sei „fatal“, derart negative Anreize zu setzen, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Mit einem „Helferjob auf Mindestlohnniveau“ anstelle solider Ausbildung werde jungen Menschen die Aussicht auf eine erfolgreiche Zukunft genommen.

 
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2 Kommentare
  • Mindestlohn 21. März 2014 09:07

    Z.Zt. haben wir einen 23-jährigen Praktikanten (kostenfrei 2 Wochen, vorher hatten wir einen 19-jährigen 4 Monate zu 400,-€/Monat). Wird der Mindestlohn Gesetz, tun wir das nicht mehr.

  • Marcel Scherer 20. März 2014 17:12

    Echt armselig das nur einseitig negativ über den Mindestlohn berichtet wird!

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