Recht + Steuern Wie wenig darf ein Lehrling verdienen?

Wann ist ein Azubi-Lohn nicht mehr angemessen? Darüber hat jetzt das Bundesarbeitsgericht entschieden.

Wann ist ein Azubi-Lohn nicht mehr angemessen? Darüber hat jetzt das Bundesarbeitsgericht entschieden. © Ingo Bartussek - Fotolia.com

Wie viel weniger darf ein Arbeitgeber seinem Lehrling zahlen, wenn das Unternehmen nicht an einen Tarifvertrag gebunden ist? Darüber hat am Mittwoch das Bundesarbeitsgericht entschieden.

Die Vergütung eines Lehrlings darf das jeweilige Tarifniveau der Branche in der Regel nicht um mehr als 20 Prozent unterschreiten. Sonst sei sie nicht mehr angemessen, urteilte das Bundesarbeitsgericht am Mittwoch in Erfurt. Die obersten deutschen Arbeitsrichter bestätigten damit ihre bisherige Linie zur Untergrenze bei Ausbildungsvergütungen.

Geklagt hatte ein Mann aus Bayern, der sich von 2008 bis 2012 zum Industriemechaniker ausbilden ließ. Sein Lehrgeld betrug nur etwa die Hälfte des Tarifs der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Die Erfurter Richter folgten den Vorinstanzen und sprachen ihm eine Nachzahlung von mehr als 21.000 Euro zu.

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Was für nicht tarifgebundene Unternehmen gilt

Auch für nicht tarifgebundene Betriebe sind die einschlägigen Tarifverträge wichtigster Orientierungspunkt dafür, ob das Lehrgeld angemessen ist oder nicht, betonten die Richter. Unter bestimmten Bedingungen kann allerdings davon abgewichen werden. Allein der Status der Gemeinnützigkeit – wie bei dem beklagten Ausbildungsträger – reiche dafür aber nicht, erklärten die Richter.

Im März hatte das Bundesarbeitsgericht bereits für öffentlich geförderte Ausbildungen eine Untergrenze bei der Vergütung eingezogen. Als angemessen im Sinne des Berufsbildungsgesetzes wurden damals zwei Drittel des Bafög-Satzes angesehen.

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