Unternehmen Familienunternehmen: 10 erstaunliche Fakten

Familienunternehmen

© Orlando Florin Rosu - Fotolia.com

90 Prozent aller Firmen weltweit sind Familienunternehmen, die größeren unter ihnen oft deutlich erfolgreicher als ihre Konkurrenten. Diese und weitere spannende Erkenntnisse greift der "Economist“ auf.

Sie stellen Autos her (VW, Ford, Fiat). Sie produzieren Smartphones (LG, Samsung). Sie versorgen die halbe Welt mit Lebensmitteln (Wal-Mart, Aldi). Und sie steuern den globalen Informationsfluss (Wall Street Journal, New York Times). Unternehmen in Familienbesitz prägen die Weltwirtschaft. Doch anders als in Deutschland, wo der Mittelstand dominiert, werden sie in vielen Teilen der Welt gar nicht als solche wahrgenommen.

Ein Schlaglicht auf ihre globale Bedeutung hat deshalb der britische „Economist“ geworfen. Auf dem Cover titelte das renommierte Wirtschaftsmagazin: „Dynastien – die anhaltende Macht der Familien in der Wirtschaft.“ Seite für Seite beschreibt das Magazin halb erstaunt, halb bewundernd, wie ausdauernd und nachhaltig Familienunternehmen für ihren Platz in der Marktwirtschaft kämpfen – und das seit Jahrhunderten.

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Wir fassen die zehn spannendsten Punkte der Economist-Experten zusammen:

1. Familienunternehmen? Was ist das überhaupt?

Das Phänomen Familienunternehmen zu untersuchen ist für Wirtschaftswissenschaftler gar nicht so einfach: In der Fachliteratur finden sich nicht weniger als 200 unterschiedliche Definitionen. Der Einfachheit halber begreift der „Economist“ solche Firmen als Familienunternehmen, die sich teils oder ganz in Familienbesitz befinden und/oder von Familienmitgliedern maßgeblich gesteuert werden. Würde man den Begriff erweitern auf solche Firmen, die von ihren Gründern geleitet werden, würden zum Beispiel auch Überraschungskandidaten wie Facebook und Google in diese Kategorie fallen.

2. Neun von zehn Firmen in Familienhand

Davon ausgehend ist der Anteil von Familienunternehmen an der Gesamtwirtschaft weltweit erstaunlich hoch: Auf neun von zehn Firmen trifft die Definition zu. Die meisten davon sind Selbständige und Kleinunternehmer mit wenigen Mitarbeitern, vom Tante-Emma-Laden bis zum Handwerksbetrieb, also das, was man im Englischen „small corner shops“ nennt. Doch auch bei den für die Gesamtwirtschaft bedeutenden Großunternehmen haben Familien international erstaunlich oft das Sagen: In den USA ist jedes dritte Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 1 Mrd. Dollar in Familienhand, in Frankreich sind es 40 Prozent.

3. Deutschland ist das Land der Familienunternehmer

Bei den mittelgroßen Firmen ist die Mehrzahl ebenfalls in Familienbesitz, das gilt insbesondere für Deutschland, wo rund zwei Drittel der Unternehmen dieses Etikett verdienen. Darunter sind auffällig viele Weltmarktführer.

4. Familienunternehmen sind Sparfüchse

Da die Inhaber ihr eigenes Geld verwalten, haben sie die Ausgaben oft besser im Griff als angestellte Manager, bestätigen Studien. Das geht so weit, dass sie wie im Fall von Ikea-Gründer (und Multi-Milliardär) Ingvar Kamprad lieber Economy-Class als Business fliegen und ihre Manager dazu anhalten, sich bei Dienstreisen doch ein Hotelzimmer zu teilen, wie es bei Walmart der Fall ist.

5. Die Zukunft stets im Blick

Was Studie um Studie bestätigt: Die größte Stärke von Familienunternehmen im Vergleich mit anderen Firmen ist ihre langfristige Ausrichtung. So meistern sie Krisen besser und stehen vor allem in schlechten Zeiten oft besser da.

6. Die Chefs haben Ausdauer

Im Schnitt 20 Jahre stehen Firmenchefs im deutschen Mittelstand an der Spitze ihrer Unternehmen, manche noch deutlich länger. Bei der Konkurrenz sind es im Schnitt nur acht Jahre.

7. Stets voll motiviert

Mitarbeiter in Familienunternehmen sind deutlich motivierter als in anderen Firmen, fand eine McKinsey-Befragung unter 1314 Firmen heraus. Allerdings hinken sie bei Innovationen etwas hinterher.

8. Familien-Imperien

Wirtschafts-Dynastien sind gerade in kleineren Ländern tonangebend. In Schweden steuert die Familie Wallenberg so viele Unternehmen, darunter etwa Ericsson, dass ihr rund die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung der schwedischen Börse zugerechnet wird. In Italien kommen die Agnellis (u.a. Fiat) auf rund 10 Prozent des gesamten italienischen Börsenwerts.

9. Die Nachfolge-Falle

Große Probleme bereitet Familienunternehmen häufig die Fortführung dieses Erfolgs: Nur 30 Prozent aller Familienfirmen überstehen den Übergang in die nächste Generation, nur 12 Prozent schaffen es in die dritte Generation, so das Family Business Institute. Umso bemerkenswerter, dass es viele Traditionsunternehmen schaffen, sich seit Jahrhunderten zu halten.

10. Familienunternehmen werden wichtiger

Künftig wird die Strahlkraft von Familienunternehmen in der Weltwirtschaft sogar noch wachsen, glauben Experten. Der Grund: Die Globalisierung und die wachsende Bedeutung Asiens, wo Familien traditionell eine stärkere Rolle spielen als im Westen – auch in der Wirtschaft. Tata in Indien, Ayala auf den Philippinen, Li Ka-shing in China: In den aufstrebenden Ökonomien haben Wirtschaftsimperien in Familienhand das Sagen.

 

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